Sie sind hier: Startseite Inhalte Don Camillo & Peppone [Tecklenburg]

Don Camillo & Peppone [Tecklenburg]

Musical


Musik von Dario Farina
Text von Michael Kunze

 

 

Inszenierung


Deutsche Erstaufführung: 21. Juni 2019 
Freilichtspiele, Tecklenburg, Bunderepublik Deutschland

  • Musikalische Leitung: Giorgio Radoja
  • Regie: Andreas Gergen
  • Choreografie: Till Nau
  • Kostüme: Karin Alberti
  • Bühnenbild: Jens Janke

 

Besetzung:  

  • Die alte Gina, Erzählerin: Barbara Tartaglia
  • Don Camillo, Pfarrer: Thomas Borchert
  • Peppone, Bürgermeister: Patrick Stanke
  • Gina, ein junges Mädchen: Milica Jovanovic
  • Mariolino, ein junger Mann: Dominik Hees
  • Filotti, Ginas Vater: Kevin Tarte
  • Nonno, Ginas Großvater: Sebastian Brandmeir
  • Brusco, Mariolinos Vater: Jörg Neubauer
  • Laura Castelli, Lehrerin: Femke Soetenga
  • Dottore, Dorfarzt: Jan Altenbockum
  • Ginas Begleiter / Jesus: Florian Albers
  • Ensemble: Domnique Aref / Alexandra Hoffmann / Eva Kewer / Jennifer Kohl / Esther-Larissa Lach / Janina Niehus / Celena Pieper / Tamara Peters / Florian Albers / Zoltán Fekete / Kim-David Hammann / Andrew Hill / Mathias Meffert / Wolfgang Postlbauer / Nicolai Schwab / Julian Schier

 

 

 

 

Premierenchronik

CH UA 30. April 2016 Theater, St. Gallen
A ÖEA 27. Januar 2017 Ronacher, Wien
D DEA 21. Juni Freilichtspiele, Tecklenburg

 

 

 

Inhaltsangabe


"Don Camillo, der Pfarrer von Boscaccio, ist entsetzt. Vorwurfsvoll blickt er zum Kruzifix empor. «Wie konntest du das zulassen?» Jesus antwortet, so sei nun mal die Demokratie, schließlich hätten die Armen Gründe genug, einen kommunistischen Bürgermeister zu wählen.

So beginnt unser heiteres Musical über den Pfarrer Don Camillo und seinen Gegenspieler Peppone, den neuen Bürgermeister von Boscaccio. Es ist das Jahr 1947, und der Ort ist ein Dorf in der norditalienischen Poebene. In dem scheinbar verschlafenen Nest wird ein Streit ausgetragen zwischen den tradierten Werten und den Idealen einer sozialen Revolution. Nicht einmal Jesus kann den aufgebrachten Pfarrer besänftigen. Im zurückliegenden Krieg hat er, anders als andere Kleriker, als Partisan gegen die Faschisten gekämpft. Jetzt wird er Peppone und seine Genossen bekämpfen. Notfalls mit dem Gewehr, das er in der Sakristei versteckt hat.

Der neue Bürgermeister ist für Don Camillo kein Unbekannter. Im Widerstand gegen die überwundene Diktatur stand er sogar an seiner Seite. Doch Peppones politische Richtung lehnt er entschieden ab. Ähnlich entschieden ist die Haltung seines Gegners. Peppone hält sich für den Repräsentanten einer neuen, besseren Zeit. Er kämpft für eine bessere Welt, auch wenn die Schlagworte der kommunistischen Partei sich im Wortschatz dieses einfachen Mannes seltsam ausnehmen. Die Kirche betrachtet er als finstere Macht, die den Fortschritt aufhält.

So treten sie gegeneinander an: listenreich und wortgewandt der eine, sturköpfig und unnachgiebig der andere. Auf der Seite Don Camillos stehen die reichen Gutsbesitzer und konservativen Kirchgänger, hinter Peppone die armen Lohnarbeiter und die fortschrittliche Intelligenz. Die einen verachten die anderen, und nicht selten wird aus Verachtung blanker Hass.

Solange es nur um Worte, Ideen und Ansprüche geht, sorgt der Streit nur für Unfrieden im Ort. Doch eine verheerende Überschwemmung macht deutlich, dass man im Notfall aufeinander angewiesen ist. Und als bald darauf ein Streik den gesamten Viehbestand zu vernichten droht, erkennen Don Camillo und Peppone, dass die bedingungslose Konfrontation das Dorf ins Elend stürzen wird.

Zum wirklichen Umdenken führt aber erst ein junges Liebespaar. Gina, die Tochter des Grundbesitzers Filotti, liebt Mariolino, den Sohn des armen Brusco. Es ist die klassische Romeo-und-Julia-Geschichte: Zwei verfeindete Familien versuchen mit allen Mitteln die Verbindung ihrer Kinder zu verhindern. Man weiß, wie das bei Shakespeare endet. Auch in diesem Fall sehen die Liebenden keinen anderen Ausweg, als den gemeinsamen Tod. Zum Glück erfahren Don Camillo und Peppone rechtzeitig, dass die beiden ins Wasser gehen wollen. Sie alarmieren die Bewohner des Orts, und gemeinsam spürt die Dorfgemeinschaft im allerletzten Moment das verzweifelte Paar auf. Der Schock führt zur Einsicht. Weder Don Camillo noch Peppone wird Boscaccio je ganz gehören. Statt einander zu bekämpfen, wird man sich wohl verständigen und einander ertragen müssen.

Die Hochzeit von Gina und Mariolino beendet nicht allen Streit im Dorf. Aber sie wird ein Fest der Toleranz, das die Bewohner gemeinsam feiern.

Inhaltsangabe des Ronacher, Wien, www.musicalvienna.at, aufgerufen, 24. März 2022.

 

 

 

Kritiken

 
"Regisseur Andreas Gergen hat bisher sämtliche Inkarnationen des Werks betreut. Hier passt er den Stoff souverän den Gegebenheiten der Freilichtbühne an. Jens Janke (in ungewohnter Rolle als Bühnenbildner statt als Darsteller) hat die Burgruine gekonnt in ein kleines italiänisches Dörfchen der späten 1940er-Jahre mit südländischem Flair verwandelt. [...] Die Umbauten gelingen fließend - warum allerdings die Statisten, die Kulissenteile hereintragen, immer wieder beim Abgehen eine Choreografie absolvieren und so zusätzliche Aufmerksamkeit auf diesen nötigen Vorgang ziehen, bleibt fragwürdig. Davon abgesehen lässt Gergen die allseits bekannte Geschichte vom ewigen Streit zwischen Dorfpfarrer Don Camillo und dem frisch gebackenen roten Bürgermeister Peppone trotz ihres episodischen Charakters mit Schwung in diesem Setting abrollen, das von Karin Albertis gelungenen  Kostümen vervollständigt wird.

[...] Trumpf dieser Aufführung ist das Ensemble. Der Erfolg dieser Komödie steht und fällt natürlich mit den beiden Titelpartien. [...] Einen exzellenten Job macht Giorgio Radoja am Pult des Orchesters. In seinen Händen haben die schlagerhaften Melodien von Dario Farina je nach Bedarf stets den nötigen Schmelz oder Drive."

Mario Storck: Don Camillo & Peppone. Die deutsche Erstaufführung lebt von einem grandiosen Ensemble. In: musicals, Das Musicalmagazin, Heft 198, August/September 2019, Seite 30-31.

 

"'Don Camillo & Peppone' ist ein Stück, das man einfach auf der Bühne gesehen haben muss, um es zu lieben. Bereits in St. Gallen und in Wien führte Andreas Gergen Regie, den auch die Freilichtspiele Tecklenburg gewinnen konnte. Für die Open-Air-Deutschland-Premiere änderte Gergen einige Kleinigkeiten, die eine Freiluftinszenierung mit sich bringt, und entwickelte sein Konzept weiter. Die aufallendste Änderung ist sicherlich die Tatsache, dass Don Camillo in Tecklenburg bei seiner Zwiesprache mit Jesus nicht mit einer Stimme aus dem Off spricht, sondern dass Jesus als Person im sportlich-schwarzen Jogging-Outfit auf der Bühne agiert. [...] Gergen kann sich zudem auf eine Cast hochkarätiger Musicaldarsteller verlassen, die seine Wünsche perfekt umsetzen."

Stephan Drewianka: Wie aus Feinden Freunde werden. Deutschlandpremiere von 'Don Camillo & Peppone' in Tecklenburg. In: blickpunkt musical, Ausgabe 101, 04/2019 Juli - September 2019, Seite 6- 8.

 

"Zwei aus Fernsehen und Literatur bekannte Streithähne, Stars der Musicalszene und das Buch von Deutschlands Musical-Mastermind Michael Kunze sollen bei der ersten Musicalpremiere der Saison der Freilichtspiele Tecklenburg für einen veritablen Hit sorgen. Doch das gelingt der Bühne mit „Don Camillo und Peppone“ nur teilweise.

Eines vorweg: An den famosen Darstellern, allen voran Thomas Borchert als Don Camillo und Patrick Stanke als Peppone sowie Barbara Tartaglia als Alte Gina, Milica Jovanovic als Gina, Dominic Hees als Mariolino, Kevin Tarte als Filotti oder Femke Soetenga als Laura, um nur die bekanntesten zu nennen, liegt es nicht, dass der Theaterabend einen halbgaren Eindruck hinterlässt. Die Damen und Herren geben stimmlich und darstellerisch ihr Bestes und sind wirklich sehenswert, die beiden Titelhelden womöglich sogar eine Traumbesetzung für die Rollen – aber auch sie heben die Produktion nicht in den Olymp des Musicals.

Das liegt zum einen an der Regie von Andreas Gergen, die die Darsteller immer wieder wie die Väter der Klamotte durch die Szene hüpfen lässt. Das ist den herzlichen Geschichten und der Vorlage gegenüber leider überhaupt nicht angemessen. Eine ruhigere Hand wäre an vielen Stellen einfach besser gewesen. Dennoch gelingen Gergen auch anrührende und lustige Momente, allerdings zu wenige, um mit dem gesamten dreistündigen Stück einen positiven Gesamteindruck zu hinterlassen."

Ullrich Schellhaas: Tecklenburger Freilichtspiele zeigen 'Don Camillo und Peppone'. In: Neue Osnabrücker Zeitung, 23. Juni 2019.

 

 

 

Medien / Publikationen


Audio-Aufnahmen

  • "Don Camillo & Peppone". Live-Mitschnitt Ronacher, Wien, 2017. (2xCD).

 

Literatur

  • Giovannino Guareschi: Don Camillo & Peppone. Roman. Übersetzung von Alfons Dalma. Rowohlt Taschenbuch Verlag, 1957.

 

 

 

Empfohlene Zitierweise

 
"Don Camillo & Peppone [Tecklenburg]". In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. www.musicallexikon.eu

Letzte inhaltliche Änderung: 24. März 2022.