Sie sind hier: Startseite Inhalte Das verlorene Lied (Lady in the …

Das verlorene Lied (Lady in the Dark)

Musikalisches Spiel


Musik von Kurt Weill
Buch von Moss Hart
Gesangstexte von Ira Gershwin
Deutsche Buchübersetzung und Bearbeitung von Maria Teichs  
Deutsche Liedübersetzung von Robert Adolf Stemmle

 

 

Inszenierung


Deutschsprachige Erstaufführung: 24. Mai 1951
Staatstheater Kassel (Blauer Saal), Bundesrepublik Deutschland

  • Musikalische Leitung: Willy Krauss
  • Regie: Paul Rose
  • Bühnenbild und Kostüme: Erich Döhler
  • Choreografie: Alice Zickler
  • Chöre: Helmut Fellmer

 

Besetzung:  

  • Liza Elliott, Chefredakteurin: Vera Salvotti-Ström
  • Russell Paxton, Pressefotograf: Horst Tappert
  • Charley Johnson, Werbeleiter: Günter Kind
  • Randy Curtis, Filmschauspieler: Ulrich Goetsch
  • Kendall Nesbitt, Verleger: Rudolf Kalvius
  • Maggie Grant, Redakteurin: Christine Gerlach
  • Alison du Bois, Mitarbeiter des "Wunschtraum": Cara Gyl
  • Dr. Brooks, Psychiater: Fritz Reichert
  • Miss Bowers, seine Sekretärin: Margret Fauth
  • Miss Foster, Sekretärin von Liza Elliott: Isolde Dietrich
  • Miss Stevens, Empfangsdame: Helga Winter
  • Helen, ein Modell: Karola Elbrechter
  • 3 Mannequins: Kläre Löscher, Margret Fauth, Erika Röse

 

1. Traum:

  • 9 Herren: Wolf Hanke, Hermann Motschach, Peter Randt, Karl Viebach, Reinhold Braunisch, Karlheinz Bürkel, Rolf Eichenberg, Eberhard Gress, Kurt Vaupel 
  • Sutton: Isolde Dietrich
  • Ein Boy: Reinhold Braunisch
  • Ein Mann mit dem Zylinder: Kurt Vaupel
  • Beekmann: Horst Tappert
  • Miss Forsythe: Ursula Jung
  • Pierre: Rudolf Kalvius
  • Matrose: Günter Kind
  • Soldaten: Kurt Vaupel, Reinhold Braunisch

 

2. Traum:

  • College-Schülerinnen der Mapleton-High-School: Karola Elbrechter, Margret Fauth, Ursula Jung, Emma Kirchner, Kläre Löscher, Erika Röse, Helga Winter
  • College-Schüler der Mapleton-High-School: Wolf Hanke, Hermann Motschach, Peter Randt, Karl Viebach, Reinhold Braunisch, Rolf Eichenberg, Karlheinz Bürkel, Eberhard Gress, Kurt Vaupel

 

3. Traum:

  • Stimmen hinter der Szene: Margret Fauth, Ursula Jung, Helga Winter, Wolf Hanke, Hermann Motschach, Peter Randt, Jurt Vaupel
  • Stallmeister: Hort Tappert
  • Ein Page: Reinhold Braunisch
  • Trapezkünstler: Günter Kind
  • Wildwestreiter: Ulrich Goetsch
  • Jury: Hermann Motschach, Peter Randt, Karl Viebach, Reinhold Braunisch, Karlheinz Bürkel, Rolf Eichenberg, Kurt Vaupel
  • Löwenbändiger: Rudolf Kalvius

 

4. Traum:

  • Der Vater: Wolf Hanke
  • Ein Mann: Peter Randt
  • Die Mutter: Hilde Kasper
  • Lehrerin: Rose Kipper
  • David: Joachim Kulla
  • Ein Mädchen: Elke Ohlwein
  • Missis Benett: Ursula Jung
  • Ben Butler: Karl Viebach
  • Barbara: Karola Elbrechter
  • Jack: Peter Randt

 

 

Premierenchronik

USA UA 23. Januar 1941 Alvin Theater, New York
D Dspr. EA 24. Mai 1951 Staatstheater Kassel
GB EA 11. März 1997 Royal National Theatre, London

 

 

Inhaltsangabe

 

In dem „Musical Play“ geht es um Liza Elliott und die Melodie eines Kinderliedes, an die sie sich nur noch bruchstückhaft erinnern kann. Sie ist Ende 30, Herausgeberin einer sehr erfolgreichen Frauenzeitschrift, mit einem älteren verheirateten Mann heimlich liiert, und der Inbegriff einer spröden Karrierefrau. Alles hat sich dem beruflichen Zielen unterzuordnen. Unvermutet jedoch zeigen sich Risse in dem Selbstbild, die so bedrohlich werden, dass sie einen Arzt aufsucht. Dort begibt sie sich in psychoanalytische Behandlung, die ihr in wilden, assoziativen Traumsequenzen die Hintergründe der Krise aufdeckt: Unbedachte Äußerungen ihres Vaters haben sie im Kindesalter in eine Art Selbsthass getrieben, der sie unbewusst zwang, ihren eigenen Körper hässlich zu finden und ihn in betont nüchterner Businessbekleidung zu verbergen. Gleichzeitig gibt sie durch die Gründung einer Modezeitschrift anderen Frauen Anleitungen zum Schönsein (was ihren Selbsthass wiederum bestätigt). Die Kompensation des selbsterzeugten Leidens und Minderwertigkeitsgefühls durch eine erfolgreiche Karriere funktioniert jedoch nicht auf Dauer. Die Zerstörungskraft ihrer Neurose treibt sie unaufhaltsam dem völligen seelischen Zusammenbruch entgegen. Erst durch die Aufhellung der Vergangenheit, an die sie sich mittels des Kinderliedes erinnert, wird der Heilungsprozess eingeleitet, der ihr schließlich auch die Wahl des richtigen Mannes erlaubt.

(Wolfgang Jansen)

 

 

Kritiken

 
"Diese Gattung des modernen amerikanischen Theaters, wie sie sich im ´Verlorenen Lied´ anbietet, ist bei uns noch unbekannt, berührt uns aber trotzdem nicht  fremdartig. Weills Singspiel ist etwas Operette, aber nicht, wie wir sie kennen, nicht verromantisierte Liebesgeschichte, sondern reales Leben; es ist etwas Revue, aber die ´Show´ ist ein fester Teil der Handlung, von ihr nicht zu lösen, so daß sie kein Eigenleben führen kann.

Alles ist nur verständlich durch die Musik und die Musik nur durch die Handlung. Das gilt für das Lied, den Song, den ´Schlager´, für die gesamte musikalische Kulisse. Die Musik Weills deckt die Doppelschichtigkeit der menschlichen Seele auf, sie wird selbst zu einem Stück Psychoanalyse und sie bringt endlich die überzeugende Synthese von Irrealität und Wirklichkeit, von Traum und Leben. [...]

Die Rahmenhandlung - sie beschränkt sich auf zwei Schauplätze, das Ordinationszimmer des Psychiaters und die Redaktion der Liza Elliott - läßt er [Paul Rose] auf den Seiten der Vorbühne abrollen, um die Bühne selbst den Traumbildern, der Schau vorzubehalten. Die häufigen Verwandlungen laufen in einer technisch ausgefeilten Form pausenlos ab. [...] Die Traumrevuen spielen vor dunklen Vorhängen oder phantastisch ausgemalten Prospekten im amerikanischen Flitterstil, in z.T. sehr schönen Kostümen, die durch hervorragende Beleuchtungseffekte die Illusion einer großartigen Schau vermittelten. [...]

Das Publikum spendet am Schluß, als es den ersten Schock überwunden zu haben schien, stürmischen Beifall und feierte alle Darsteller, insbesondere den Gast [Vera Salvotti-Ström]."

Bernd Müllmann: Eine Welt aus Wirklichkeit und Träumen, Kurt Weill: "Das verlorene Lied" als deutsche Erstaufführung im Kasseler Staatstheater. In: Hessische Nachrichten (Kasseler Lokalausgabe), Nr. 118, 25. Mai 1951.

 

"Weder ´Singspiel´ noch ´Oper´ sind Begriff für die Formsprache Kurt Weills. Es ist das ´musikalische Theater´, in dem Sprache, Szene und Musik als gleichwertige Elemente der Dramatik aufeinander bezogen sind. Dieser ´neue´ Kurt Weill ist amerikanisiert. Seine Motive entstammen der Folklore der Neger, der Kubaner und dem aus dem Fieber der Großstädte geborenen Jazz. Nur die größere Ausdrucksfähigkeit, die größere Bewußtheit seines Schaffens trennen ihn etwa von Gershwin. Doch welche Spannungen eigener Art: welche quälenden Synkopen, hämmernden Rhythmen des Leides, welche kindliche Naivität in der Zartheit des ´verlorenen Liedes´! In dieser Gegensätzlichkeit zwischen Differenziertem und Einfachem ist die Wirkung greifbar. Der fast kammermusikalischen Besetzung des modernen Orchesters ist Weill treu geblieben, auch der Form des mitreißenden Songs. Doch die zeitkritische Agressivität ist zum zeitkritischen Zauberspiegel geworden.

Was Paul Rose auf der technisch unzureichenden Bühne schuf, wie er aus Schauspielern, Opernchor und Ballett ein spielfreudiges Ensemble formte, wie er die divergierenden Welten der Handlung zum szenischen Bild einte: diese meisterliche Regieleistung ließ frühere Vorwürfe vergessen. Und die Liza Elliott: eine zarte blonde Frau mit der heute so seltenen Ausstrahlung echten Menschentums stand auf der Bühne, eine große Schauspielerin, eine hervorragende Chansonette - immer aber ein Mensch."

Helmut Goebel: "Das verlorene Lied", Kurt Weill-Moss Hart-Erstaufführung in Kassel. In: Westfalenpost (Hagen), 7. Juni 1951.

 

"Diese Träume verdichten sich in einer ´show´, deren eindringlicher magischer Realismus in erster Linie der genialen Musik Kurt Weills zu danken ist. Die Schlagkraft und Empfindsamkeit ihrer Songs und Chansons ist nicht mehr so ´revolutionär´ wie in der ´Dreigroschnoper´ und ihr doch verwandt. Die Inszenierung dieses anspruchvollen Stücks mit seinen drei sich ablösenden Sphären ist Paul Roses geschlossenste und eindrucksvollste Leistung. Vera Salvotti-Ström (Stockholm) als Gast spielte, sprach, sang und tanzte die verschiedenen ´Rollen´ der Hauptgestalt mit erstaunlicher Einfühlung und Konzentration. Um diese große Schauspielerin gruppierte sich das ausgezeichnete Ensemble der übrigen Mitwirkenden. Willy Krauss brachte die recht schwierige Musik Kurt Weills in kleiner jazzmäßiger Besetzung zu hinreißender Wirkung." 

Wolfgang Hallwachs: Kurt Weills "Verlorenes Lied". In: Wiesbadener Kurier, 1. Juni 1951.

 

 

Medien / Publikationen


Audio-Aufnahmen

  • "Lady In The Dark". The Original 1963 Studio Cast Recording, USA, aufgezeichnet am 23. Januar und 22. Mai 1963, digitally mastered Mono Recording, Sony Classical 1997, MHK 62869. (1xCD)

 

Literatur

  • Elmar Juchem: Kurt Weill und Maxwell Anderson, Neue Wege zu einem amerikanischen Musiktheater, 1938-1950. Veröffentlichungen der Kurt-Weill-Gesellschaft, Band 4, Stuttgart: Metzler 2000.
  • Favid Farneth, Elmar Juchem, Dave Stein: Kurt Weill, Ein Leben in Bildern und Dokumenten. Aus dem Englischen übersetzt von Elmar Juchem, Berlin: Ullsteion 2000.
  • Jürgen Schebera: Kurt Weill. Mainz: Schott 2016. 
  • Wolfgang Jansen: "...die Doppelschichtigkeit der menschlichen Seele", Die europäische Erstaufführung von Kurt Weills ´Lady In The Dark´ 1951 in Kassel. In: Ders.: Musicals, Geschichte und Interpretation. Gesammelte Schriften zum populären Musiktheater, Band 1, Münster u.a.: Waxmann 2020, Seite 49-53.

 

 

Kommentar

 

Die deutschsprachige Erstaufführung war zugleich die europäische Erstaufführung.

Am 11. September 1976 brachten die Bühnen der Hansestadt Lübeck eine Neuinszenierung unter dem Titel "Die Dame im Dunkel" heraus. Zu diesem Anlass schrieben Karl Viebach und Marianne Schubert eine neue Übersetzung. 

 

 

Empfohlene Zitierweise

 
"Das verlorene Lied" ("Lady in the Dark"). In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. www.musicallexikon.eu

Letzte inhaltliche Änderung: 31. Januar 2021.