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Trembita

Operette in drei Akten (vier Bildern)


Musik von Juri Miljutin 
Libretto und Gesangstexte von Wladimir Mass und Michail Tscherwinksi 
Deutsche Bühnenfassung von Alice Wagner und Heinrich Möller

 


Inszenierung


Deutschsprachige Erstaufführung: 7. November 1952
Städtische Bühnen, Leipzig, DDR
 

  • Regie: Fred Praski
  • Musikalische Leitung: Horst Elsner
  • Bühnenbild: Walter Schröter
  • Kostüme: Helga Thums
  • Choreografie: Ingo Thaß
  • Chor: Hans Roberts


Besetzung:

  • Atanas Koschúb: [Vorname Nachname]
  • Wassilína, seine Enkelin:
  • Oléssja, junge Bäuerin:
  • Parassja Nikanórowna, ihre Mutter:
  • Alexei Sómow, ehemaliger Offizier der Roten Armee:
  • Prokóp, Dorfältester:
  • Mikóla, sein Sohn:
  • Bógdan Sússnik:
  • Filimón Schik:
  • Anka:
  • Marínka:
  • Míchas:
  • Pétro:
  • Jossif Bakosch:
  • Gafia Waliwtschúk:
  • Grizkó:

 

 

Premierenchronik

UdSSR UA ? 1949 Operettentheater, Moskau
DDR Dspr. EA 7. November 1952 Städtische Bühnen, Leipzig



Inhaltsangabe


Die Trembita ist ein Blasinstrument der Huzulen, einer Volksgruppe in den Karpaten, von dem erwähnt wird, dass es traditionell zum Einsatz käme, um die Nachbardörfer vor einer heranrückenden Gefahr zu warnen. Als Handlungsort ist ein Dorf in der „Werchowina am Ostabhang der Karpaten“ angegeben. Es ist das Jahr 1945, wenige Monate nach der Rückeroberung des Landes durch die Rote Armee. Gleich in der ersten Szene wird freudestrahlend von dem jungen Mädchen Olessja hervorgehoben: „Seit drei Monaten sind wir nun schon Sowjetbürger, zu allen Menschen ist das Glück gekommen.“ So wird, ohne viel Umstände, das Thema der Operette angeschlagen: der  Aufbau des Sozialismus´. Ins Huzulen-Dorf kommt der junge Russe Alexei Nikolajewitsch Somow, ein Kommunist mit guten Verbindungen nach Moskau und Kiew, ehemaliger Offizier der Roten Armee, der vom Chor (also der Dorfgemeinschaft) demonstrativ als Freund begrüßt wird.

Nicht mehr im Dorf lebt der frühere Großgrundbesitzer. Sein herrschaftliches Anwesen liegt verwaist. Der raffgierige Sussik jedoch, ehemaliger Haushofmeister des Grafen, kehrt zurück, weil er weiß, dass dieser vor seiner Flucht noch eilig einen Koffer voller Geld vergraben hat. Er findet in dem alten Atanas einen passenden Kumpan, mit dem er heimlich zu graben beginnt. Die Dorfjugend indes, angeführt von der weiblichen Hauptfigur Wassilina, beginnt in kollektiver Arbeit eine verwilderte Brachfläche in einen Gemeinschaftsgarten zu verwandeln. Liebesbeziehungen bahnen sich an, doch die Eltern der Jugendlichen zeigen sich diesbezüglich durchweg den überlieferten Traditionen verbunden und wollen die Bräute ihre Kinder selbst auswählen. Die Jugendlichen jedoch, idealtypische Vertreter der neuen Zeit, können sich erfolgreich durchsetzen. So kann Mikola, der eigentlich Wassilina versprochen war, seine geliebte Olessja heiraten, und Wassilina, die junge Aktivistin, bekommt symbolträchtig den Russen Alexei, der sie nach Kiew begleitet, wo sie vom dem großen Kollektivwerk der Huzulen berichten soll.

Zum Finale werden zudem Sussik und Atanas bei ihrer nächtlichen Suche nach dem vergrabenen Schatz entdeckt. Auch der Koffer taucht auf. Doch befinden sich in ihm keine Goldmünzen, sondern Aktien, die - so Alexei lachend - im Sozialismus ihren Wert verloren hätten.

(Wolfgang Jansen, 2020)

 

 

Kritiken


"Den Ruhm, die erste Bühne zu sein, die eine sowjetische Operette herausbringt, hat sich das Leipziger Operettentheater gesichert. ´Trembita´ von Stalinpreisträger Juri Miljutin ist eine gegenwartsnahe und doch in der nationalen Tradition verwurzelte Operette, die geradezu beispielhaft genannt werden kann. Die Liebe, die man dieser Einstudierung hatte zuteil werden lassen, verdient volle Anerkennung. Arbeiter aus Schwerpunktbetrieben und Bauern waren die Zuschauer der Erstaufführung, die ihren ungeteilten Beifall erwarb.

Erhard: Eine sowjetische Operette, "Trembita" von Stalinpreisträger Juri Miljutin im Leipziger Operettentheater. In: Berliner Zeitung, Nr. 276, 26. November 1952.

 

"´Trembita´ dürfte kaum das stärkste Werk des modernen sowjetischen Operettenschaffens sein, und doch muß man das Stück gesehen haben, um zu wissen, auf welchem Wege sich die heitere Musikdramatik gegenwärtig in der Sowjetunion befindet. Man könnte - abgesehen vielleicht von dem originelleren ´Wasserträger´ Dunajewskis - keine bessere Wahl treffen als das Werk des Stalinpreisträgers Juri Miljutin, das bereits nach dem ersten Hören einen erschöpfenden Einblick in die heutige Situation des sowjetischen Musiktheaters vermittelt.

Man ist überrascht, in dem Stück nichts von den Diskussionen um die ´neue Operette´ niedergeschlagen zu finden, die bei uns die Gemüter bewegen. Es geschieht hier nichts Außergewöhnliches, weder dramaturgisch noch musikalisch. Volkstümlichkeit ist die erste Devise der vier Bilder, denen eine wahre Begebenheit zugrundeliegen könnte, die in ihrer bewußten Schwarzweißzeichnung jedoch eher ein Lehrstück des sozialistischen Aufbaues darstellen. [...]

Die Musik erfüllt, was das sozialistische Musizierideal von ihr fordert: sie ist eingängig, volkstümlich, unkompliziert; es gibt keine Experimente; neuartige Harmonien und Rhythmen wird man vergeblich suchen. Das nachklassische Erbe der Operette erhält vielmehr sein Recht. Kálmán ist das bewährte Vorbild, nach dem Miljutin jede seiner Musiknummern, seiner Lieder, Couplets, Melodrame, Duette und Ensembles schreibt. [...]

Als Aeußerung einer volksnahen realistischen Sowjetkunst aber überzeugt das Gebotene."

Wolfgang Hanke: Die erste sowjetische Operette. In: Neue Zeit, Zentralorgan der Christlichen-Demokratischen Union Deutschlands, Nr. 267, 14. November 1952.

 

 

Kommentar


Das Premieren-Programmheft liegt bislang nicht vor. Die Namen der beteiligten Künstler wurden der zeitgenössischen Presse entnommen. Sobald der Besetzungseinleger vorliegt, werden die Angaben verglichen und ergänzt.

 

 

Empfohlene Zitierweise


"Trembita". In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. www.musicallexikon.eu

Letzte inhaltliche Änderung: 28. März 2020.