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Starry Messenger (Sternenbote)

Musical


Musik von William Ward Murta
Libretto von William Ward Murta und Pit Holzwarth  
Mitarbeit an den deutschen Sontexten: Constanze Grohmann  
 

 
Inszenierung


Uraufführung: 28. Februar 2004
Theater Bielefeld, Bundesrepublik Deuschland
 

  • Regie: Pit Holzwarth
  • Musikalische Leitung: William Ward Murta
  • Bühne und Kostüme: Matthias Karch
  • Choreographie: Philip Lansdale
  • Choreinstudierung: Angela Sleeman

 
Besetzung:

  • Galileo Galilei: Alexander Marco-Buhrmeister
  • Virginia, seine Tochter: Cornelia Isenbürger
  • Virgina als Kind: Eleni Kochodze / Malice Muslijiji
  • Sagredo: Alexander Franzen
  • Maffeo Barberini, späterer Papst Urban VIII.: Sascha von Zambelly
  • Francesco Barberini, Jesuitischer Mönch, später Kardinal: Carlos Horacio Rivas
  • Signora Mazzolini: Monika Mayer
  • Abt Lorini, später Kardinal: Helmut Kegler
  • Christina di Medici von Lothringen: Kaja Plessing
  • Caccini, Mönch: Michael Bachtadze
  • Tucci, Mönch: George Zivziwadse
  • Piggione, Mönch: Vincenco Cassone
  • Colomba, Mönch: Young-Sung Im
  • 1. Mörder: Eric Thomé
  • 2. Mörder: Angelo Murdocco
  • 3. Mörder: Jean-Christoph Egeling
  • Ballett des Theater Bielefeld / Chor des Theater Bielefeld

 

 

Premierenchronik

D UA 28. Februar 2004 Theater, Bielefeld

 

 

Inhaltsangabe


"1. Akt

Virginia, die Tochter Galileo Galileis erinnert sich an das Erscheinen eines neuen Sterns am Himmel, was bei den Philosophen der Zeit große Verwirrung auslöste. Galileo erteilt seiner kleinen Tochter Virginia Unterricht. Er ist überzeugt, dass die Erde als Kugel im Weltraum schwebt, dass sie nicht flach und an ein kristallenes Gewölbe angeheftet ist. Aber trotzdem fehlen ihm eindeutige Beweise.

Virginia ist inzwischen erwachsen. Galileos Freund Sagredo kehrt von einer Reise aus Holland zurück und bringt Keplers Mysterium Cosmographicum und ein Fernrohr mit. Plötzlich erkent Galileo, dass dieses kleine Spielzeugfernrohr für seine Experimente nutzbar sein könnte und beaufragt seine Haushälterin Signora Mazzolini, Glaslinsen zu beschaffen.

In einem Kloster hat sich der jesuitische Mönch Francesco Barberini nach den Zeichnungen Leonardo da Vincis und Galileos einen Flugapparat gebaut, mit dem er Gott näher zu kommen hofft.

Mit den Mönchen Caccini, Tucci, Pigione und Colomba will er es ausprobieren, und von der Kanzel in den Kirchenraum fliegen. Der Abt des Klosters, Lorini, kommt mit anderen Mönchen hinzu und hindert ihn an dieser ´ketzerischen´ Tat. Francesco muss die Flügel zerbrechen, um seine Demut zu bezeugen. Lorini beschließt, Galileo zu einem wissenschaftlichen Disput herauszufordern. Francesco will das Kloster verlassen und Galileo mit seinem Bruder, dem römischen Kardinal Maffeo zusammenbringen.

Galileo hat ein neues Fernrohr entwickelt und zeigt es seiner Tochter Virginia und auch der furchtsamen Signora Mazzolini, die dadurch ein verloren geglaubtes Tintenfass wiederfindet. Galileo beobachtet mit seinem neuentwickelten Teleskop den Himmel und die Sternenbewegungen. Für niemanden ist er ansprechbar.

Virginia und Mazzolini machen sich Sorgen um Galileo, da er weder isst noch schläft und nur den Himmel beobachtet. Als Sagredo kommt, ist Galileos Arbeit beendet. Galileo hat festgestellt, dass die Venus die Sonne umkreist und er hat die Jupitermonde entdeckt, und damit endlich den lange gesuchten Beweis gefunden, dass die Erde nicht im Zentrum der Welt steht und sie nur ein Stern unter vielen Tausenden am Himmel ist.

Seine Erkenntnisse will Galileo in seinem Buch Siderius Nuntius (Der Sternenbote) veröffentlichen. Virginia und Sagredo wollen gemeinsam das Manuskript zum Drucker bringen.

In Gegenwart der Großherzogin von Florenz, Christina di Medici, findet ein öffentlicher Disput zwischen dem Abt Lorini und Galileo statt. Francesco und Maffeo Barberini sehen begeistert durch das Fernglas und auch Christina von Medici lässt sich dazu überreden, hindurchzusehen. Dadurch gerät ihr fester Glaube ins Wanken und sie verlangt von Lorini eine Erklärung. Dieser hält am alten Weltbild der Kirche fest und erklärt diese Beobachtungen für Sinnestäuschungen. Sein Hass auf Galileo, aber auch seine Bewunderung für ihn, sind offenkundig.

Auf die Frage Christina von Medicis, warum Gott Berge auf dem Mond und Tausende von Sterne am Firmament geschaffen hat, gibt Galileo die ihm einzige mögliche Antwort: ´Ich  weiß es nicht´. Verwirrt verlässt Christina mit Kardinal Maffeo den Disput. Lorini schreibt einen Brief an den Papst, in dem er Galileo der Ketzerei anklagt.

Sagredo kommt von seiner Reise nach Amsterdam zurück. Er hat Virginia ein Buch als Geschenk mitgebracht. Schüchtern gesteht er seine Liebe und ist völlig überrascht, dass auch sie ihn liebt und ihn heiraten möchte. Als Galileo hinzukommt, wollen Virginia und Sagredo ihm von ihren Heiratsabsichten berichten. Francesco Barberini hat Galileo informiert, dass die führenden Geistlichen in Rom zusammenkommen werden, um die kopernikanische Frage zu diskutieren. Er will selbst nach Rom gehen, um sich an diesem Disput zu beteiligen, denn er fürchtet, wenn man sich in Rom gegen die kopernikanische Lehre entscheidet, dass niemals wieder öffentlich darüber diskutiert werden darf. Galileo bittet Sagredo, sein Manuskript mit den Planetentabellen nach Amsterdam zum Drucker zu bringen. Sagredo verspricht es, und macht sich auf die Reise. Bei einem Zwischenaufenthalt in Venedig wird Sagredo von drei Mördern bedrängt und mit Vollmacht Pater Lorinis umgebracht.

Virginia hat sich nach Sagredos Tod dazu entschieden, ins Kloster zu gehen. Während sie dort als Schwester Maria Celeste Aufnahme findet, wird Maffeo Barberini zum neuen Papst Urban VIII. ernannt, der Galileo zur Veröffentlichung seines Buches über die zwei Weltsysteme auffordet, ihm aber nahelegt, darin bezüglich der kopernikanischen Fragen nie in absoluter Weise, sondern immer rein hypothetisch zu sprechen.

2. Akt

Kardinal Lorini informiert den Papst Urban VIII. darüber, dass in Florenz Galileos neues Buch über die beiden Weltsysteme erschienen sei, das in Dialogform verfasst ist. In diesem hielte er sich nicht an die Weisung, nur hypothetisch über die kopernikanische Frage zu sprechen, was Urban so aufbringt, dass er Galileo zu einem Verhör vor die Inquisition nach Rom bringen lassen will. Den Vorsitz soll Lorini übernehmen. Der Papst fühlt sich und seine Liebe zu Galileo verraten. Er ist entschlossen, mit größter Härte gegen ihn vorzugehen.

Unter der Oberaufsicht Caccinis wird Galileos Haus nach verräterischen Papieren durchsucht. Signora Mazzeolini sieht darin nichts Gefährliches. Sie ist begeistert von Galileos Fernrohr.

Lorini beklagt sich beim Papst Urban VIII., dass Galileo sich vor der Inquisition nicht reuig zeigt. Er führt Pater Caccini herein, den Beichtvater Mazzolinis und Vorsteher des Klosters, in dem Virginia lebt. Mit allen Mitteln will man Beweise für Galileos Schuld suchen und hofft, sie in den Briefen zu finden, die Galileo Virginia schrieb. Kardinal Francesco versucht, Galileo zu verteidigen. Urban aber möchte, dass Galileo vor seinen Augen seinen Lehren abschwört, um das Überleben der Kirche zu sichern.

Signora Mazzolini teilt Virginia im Kloster mit, dass Mönche unter der Leitung ihres Beichtvaters Caccini Galileos Wohnung durchsuchten. Virginia versteht sofort weshalb und vernichtet Galileos Briefe.

Vor dem Inqusitionstribunal in Rom will man Galileo zum Eingeständnis seiner irrigen Lehren bewegen. Papst Urban VIII. wendet sich gänzlich von ihm ab. Lorini stachelt alle auf, sich nicht noch einmal von Galileo täuschen zu lassen, da seine Reue nicht echt sei. Da Lorini ihm den Scheiterhaufen androhte und ihm die Folterinstrumente gezeigt wurden, widerruft Galileo öffentlich.

Kardinal Fraancesco besucht den greisen Galileo. Galileo bittet Francesco, seine neuesten Erkenntnisse über die Bewegung zum Druck nach Holland zu bringen, was dieser ihm auch zusagt. Die Isolation und sein Widerruf lassen Galileo täglich mit Ängsten und Schuldgefühlen kämpfen. Aber Virginia  macht ihm deutlich, dass er sich nur für seine Arbeit gerettet hat.

Seit einiger Zeit nimmt Galileos Sehvermögen rapide ab, und er bittet seine Tochter, ihm den Nachthimmel zu beschreiben."

(aus dem Programmheft zur Uraufführung)

 

 

Kritiken

 

"Das ist doch mal erfrischend: ein Musical mit der Botschaft ´Geist ist geil´. Jubel gabs am Samstagabend im Bielefelder Theater bei der Uraufführung des Musicals ´Starry Messenger´ von William Ward Murta. Das Stück des Amerikaners, der seit 20 Jahren als Kapellmeister am Bielefelder Haus arbeitet, ist ein großer Wurf. Auch wenn er so manchen Zuschauer verwirrt haben dürfte, denn ungewohnt ist der anspruchsvolle Zuschnitt des dreistündigen Werks über Leben und Entdeckungen Galileo Galileis. Astronomie, Wahrheitssuche und Inquisition sind thematisch kein Leichtgewicht. Doch Murta und dem kongenialen Pit Holzwarth (Libretto, Regie) ist mit dem ´Sternenboten´ etwas gelungen, was im Musical selten so  gut funktioniert: Geschichten von Menschen und Ideen zu erzählen, die Herz und Hirn gleichermaßen zum Schwingen bringen, intelligente Unterhaltung also."

Anke Groenewold: Galaktisch, Musical "Starry Messenger" unter großem Jubel im Bielefelder Theater uraufgeführt. In: Neue Westfälische, 1. März 2004.

 

"Musikalisch schöpft Murta aus der vollen Farbpalette des Orchesters. Stilsicher bedient er die typischen Musicalmerkmale, koloriert schwungvoll, malt Stimmungen und Emotionen, je nachdem in zarten Tönen bis hin zu grellschneidendem Orchesterbombast. Zwei wiederkehrende Leitmotive durchziehen das Werk ebenso wie die ans Inquisitionsgericht geknüpfte Dies-irae-Sequenz. Auf Songs mit Ohrwurmqualität und unter die Haut fahrendem Rührpotential muss der Musicalfreund ebenfalls nicht verzichten. Fazit: Wenn Galilei seiner Zeit voraus war, dann hat sich Bielefeld mit Bill Murtas ´Starry Messenger´ als Schmiede innovativen Musicalschaffens empfohlen."

Uta Jostwerner: Fesselndes Musical fernab jeden Kitsches, Grandiose Uraufführung von "Starry Messenger".In: Westfalen-Blatt, 1. März 2004.

 

"15 Minuten lange stehende Ovationen eines zu Recht euphorisierten Premierenpublikums beweisen, wie anspruchsvoll gute Musical-Unterhaltung sein sollte. Und auch wenn Galileos bezüglich der Erdrotation vielfach zitiertes ´Und sie bewegt sich doch!´ wissenschaftlich betrachtet reine Legende ist, angewandt auf die Musicalsituation in Deutschland macht der Ausspruch an diesem Premierenabend aber auf jeden Fall Sinn."

Andrea Luketa: Starry Messenger, Starkes Musiktheater auf beachtlich hohem Niveau. In musicals, Das Musicalmagazin, Heft 106, April/Mai 2004, Seite 22 - 23.

 

 

Kommentar


Das Musical basiert nicht auf dem gleichnamigen Theaterstück von Kenneth Lonergan, das 2009 in New York seine Uraufführung erlebte. (Klaus Baberg, 2019)

 

 

Medien / Publikationen

 

Audio-Aufnahmen

  • CD Probenmitschnitt, Produktion: Thomas Noack

 

 

Empfohlene Zitierweise

 
"Starry Messenger" ("Sternenbote"). In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. www.musicallexikon.eu

Letzte inhaltliche Änderung: 30. Dezember 2019.