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Nächte in Shanghai

Operette


Musik von Friedrich Schröder 
Buch von Leo Lenz und Waldemar Frank 
Liedertexte von Günther Schwenn

 


Inszenierung


Uraufführung: 14. Februar 1947
Metropol-Theater, Berlin (Ost)
 

  • Musikalische Leitung: Friedrich Schröder / Herbert Kawan
  • Regie: Eduard Rogati
  • Tänze: Rudolf Kölling
  • Chöre: Kurt Bangert
  • Bühnenbild: Siegfried Kiok, Gerhard Jahnke
  • Kostüme: Modesalon Kurbin, Trude Ulrich
  • Herrenmoden: Kurt Märzke


Besetzung:

  • John Ferrant: Egon Brosig
  • Miß Anonym, genannt "Blume der Südsee": Ilse Hülper (alternierend: Oda Troll, Jola Siegl)
  • Bill Harris, Kapitän der "Queen of Scotch": Julius Katona (alternierend: Otto Falvay, Emil Frickartz)
  • Mr. Marbough, genannt "Marabu", Impresario: Fred Kronström (alternierend: Arno Paulsen)
  • Dolly, Mitgl. der Künstlertruppe Marbough: Sonja Ziemann (alternierend: Nuscha Richter, Ursula Friese)
  • Poldi, Mitgl. der Künstlertruppe Marbough: Erich Elstner (alternierend: Adi Appelt)
  • Mr. Tschang, ein reicher Chinese: Manfred Meurer
  • Nankipuh, sein Sekretär: Julius Geisendörfer
  • Ah Wong, Barmädchen: Gudrun Bülow
  • Mr. Kai: Willy Sahler
  • Pillican, Reporter: Oskar Lindner
  • Doolittle, Hoteldirektor: Gustav von Ergk
  • Oberkellner: Franz Pollandt
  • Piccolo: Kurt Schmidtchen (alternierend: Frank Scholze)

 

 

Premierenchronik

D UA 14. Februar 1947 Metropol-Theater, Berlin



Inhaltsangabe


"Um den unbekannten Star einer Showtruppe, die ´Blume von Shanghai´, entbrennt in einem Luxushotel ein krimineller Kleinkrieg. Ein sich ihr beständig nähernder Herr, der vermögende Mr. Tschang, hat herausgefunden, dass die unbekannte Schöne die Nichte des millionenschweren Präsidenten der Hongkong-Amerika-Linie ist. Daraufhin will er sie entführen, um ihren Onkel zu erpressen. Es gelingt Mr. Tschang auch, die Dame auf seine Jacht zu locken und die Entführung scheint zu glücken. Doch im letzten Moment erscheint Kapitän und Dandy Bill Harris mit einer Polizeitruppe. Er ist ebenso ein Verehrer der Unbekannten, die in dem Draufgänger ihren geschiedenen Mann erkennt. Bill Harris rettet seine ehemalige Frau und hält erneut um ihre Hand an."

aus der jährlichen Verlagspublikation "charivari" des Berliner Bühnenverlages Felix Bloch Erben, März 2010, Seite 21.

 

Kritiken


"Wozu Kritik, da Kulturkritik bei den Grundlagen zu beginnen hätte! Also denn: ´Nächte in Shanghai´ heißt die Großoperette, die im Metropol-Theater Klaque und Publikum zu unvorstellbarer Begeisterung hinriß. Chansons, Parodie und Schmalz in bekömmlicher Dosierung, Ensembles und Ballette, Jazz und Banjo, China und Tahiti, Liebe, Tücke und Enttäuschung, das, was das Operettenpublikum unter Komik versteht, ein China, in dem weder Kuomintang noch Kommunisten, sondern noch immer Seeräuber und geheimnisvoll intrigierende halbeuropäische Halunken aus dem alten 10-Pf.-Schmöker herrschen, und eine Südsee, die zu Schunkelmelodien und halbentblößten Tänzen verführt: all das wurde von dem höchst geschickten und nicht knausrigen Komponisten Friedrich Schröder und dem ebenso welterfahrenen Regisseur Eduard Rogati zu einer sozusagen Revueoperette großstädtischen Charakters verarbeitet. Das Parkett rast und schreit, ungezählte Herrn im Frack umarmen einander und die Hauptdarsteller zur Schlußapotheose (´Schlußapotheke´ sagte der Berliner), ganze Blumenhandlungen scheinen geplündert, um alle an dem Ereignis Beteiligten kostspielig zu ehren. Alles, als sei nichts geschehen in und um Berlin. Was soll man da viel schreiben..." 

E.R. in Tribüne, zitiert nach: Exotische Romantik im Berliner Metropol-Theater, Operetten-Uraufführung "Nächte in Shanghai" von Friedrich Schröder, In: Theaterdienst, Informationsblätter für Bühne, Film und Musik, Heft 9, 3. März 1947, Seite 2.

 

"Nicht nur, daß der Komponist eine Fülle einpräsamer Melodien verschwenderisch ausstreut (Liedertexte: Günther Schwenn), auch der anspruchsvolle Musiker wird in dieser sorgfältig konstruierten Partitur mancherlei Beachtliches entdecken. Schröder beherrscht sein Handwerk ausgezeichnet, sein Erfindungsreichtum ist unerschöpflich und er besitzt obendrein Humor. Erst im Schlußbild zeigt er, was er kann. An Stelle des traditionellen, meist recht billigen Finales überrascht er mit einer ungemein lustigen Szene. Mit befreiendem Gelächter, in das erfreut auch der ´ernste´ Musiker einstimmen muß, entläßt Friedrich Schröder zum Schluß sein Publikum. [...]

Unzweifelhaft, daß der Erfolg der ersten Uraufführung des Metropol-Theaters - der Jubel des Publikums wollte am Schluß kein Ende nehmen - nach dem Zusammenbruch nicht auf Berlin beschränkt bleiben wird. Diese erstklassige Leistung in schwerster Zeit muß besonders hoch gewertet werden. Auf dem Gebiet der Operette ist jedenfalls die alte Leistungsfähigkeit wieder erreicht."

Lutz Angermann: Nächte in Shanghai, Ein durchschlagender Erfolg im Metropol-Theater. In: Neues Deutschland, Zentralorgan der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, Nr. 40, 16. Februar 1947.

 

"Es geht um die Wiedererweckung des alten Metropol-Theaters, das einst in der ganzen Welt gutes Ansehen genoß. Es geht um die Auffrischung eines Begriffes, der durch lange Improvisation und die Not der Zeit gelitten hatte. Und es geht auch darum, dem in Berlin vertretenen Ausland zu zeigen, daß der Lebenswille dieser Stadt trotz Hungers, Kälte und Trümmer ungebrochen ist.

Das alte, nun wieder aufgebaute Haus in der Behrenstraße konnte noch nicht bezogen werden. So wurde das ´Ausweichquartier´ in der Schönhauser Allee Schausplatz des triumphalen Erfolges, den das Metropol-Theater, nahezu auf dem Niveau seiner früheren Glanzzeit, mit der ersten Uraufführung nach dem Zusammenbruch errang. Man hob Friedrich Schröders jüngste Schöpfung, seine Operette ´Nächte in Shanghai´ aus der Taufe, und siehe: es war wirklich ein freudiges Ereignis. [...]

Als Meister seines Fachs erweist sich Friedrich Schröder vor allem im Schlußakt, dem er durch eine originelle Erfindung ungeahnten Reiz verleiht. Im gleichen Augenblick, als die Handlung ihren toten Punkt erreicht und dem konventionellen Operettenpathos ihren Tribut zahlen will - die richtigen Paare haben sich gefunden, der Schurke ist entlarvt, sein scheinbarer Komplize entpuppt sich als verkleideter chinesischer Kriminalkommissar -, beginnt Schröder, um den dramaturgischen Leerlauf zu überbrücken, plötzlich zu parodieren. Er läßt als turbulenten Ausklang einen glänzenden Ensemblesatz vom Stapel, der die Bombastigkeit der großen Oper ebenso glossiert, wie er die Verlogenheit der zum  Überdruß genossenen Operettenbanalitäten lächerlich macht. Eine umwerfend komische Szene. Hier, wenn sich der Komponist gleichsam in liebenswürdiger Selbstverspottung über sein Werk erhebt, zeichnen sich neue Wege der leichten Muse ab. Wir müssen fort von dem falschen Pathos der Operette, von ihrem unnatürlichen Gestelze in verlogenen, nicht existenten Gefilden des Lebens. Mehr echte Heiterkeit muß die Lücken füllen, mehr Zeitkritik, mehr Parodie. Hier sollte Schröder den Hebel für seine kommenden Arbeiten ansetzen. Er hat, scheit´s, das Zeug dazu, neuartige Pfade nachzuspüren."

H.Bt.: Metropol-Theater im alten Glanz, Großer Erfolg der "Nächte in Shanghai" von Schröder. In: Berliner Zeitung, Nr. 40, 16. Februar 1947.

 

 

Medien / Publikationen

 

Literatur

  • Boris Kehrmann: Startheater ohne Star, Eduard Rogati oder: Was von der Operette der 20er Jahre erhalten blieb. In: Heiko Cullmann, Michael Heinemann (Hrsg.): "...was verloren ging", Operettenkultur nach 1933. Beiträge einer Tagung der Staatsoperette Dresden, Dresden: Thelem 2019, Seite 91-246.

 

 

Empfohlene Zitierweise


"Nächte in Shanghai". In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. www.musicallexikon.eu

Letzte inhaltliche Änderung: 29. Januar 2020.