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Die Schweizermacher

Musical


Buch von Paul Steinmann 
Originalidee und Künstlerischer Beistand von Rolf Lyssy 
Musik und Songtexte von Markus Schönholzer
Stückentwicklung von Stefan Huber

 


Inszenierung


Uraufführung: 16. September 2010  
Maag Music Hall Zürich, Schweiz
 

  • Regie: Stefan Huber
  • Choreografie: Simon Eichenberger
  • Musikalische Leitung: Matthias Stötzel
  • Bühne: Stephan Prattes
  • Kostüme: Heike Seidler
  • Lichtdesign: Peter Platz
  • Sounddesign: Gögs Andighetto


Besetzung:

  • Moritz Fischer: Rolf Sommer
  • Max Bodmer: Andreas Zogg
  • Milena Vakulic: Iréna Flury
  • Francesco Grimolli: Claudio Brentini
  • Dr. Helmut Starke: Hans Neblung
  • Gertrud Starke: Kerstin Marie Mäkelburg
  • Frau Galli: Maja Stolle
  • Sandra Grimolli / Frl. Svoboda / Frl. Künzli / Tina / Pam / u.a.: Pamela Zottele
  • Martha / Frl. Virolainen / Giancarlo / Gabi u.a.: Gabriela Ryffel
  • Yves / Heim / Hr. Kovacs / Hamit / u.a.: Markus Buehlmann
  • Lehrer / Vater / Fischer / Direktor / Personalchef / Präsident / Mario / u.a.: Mario Gremlich
  • Frau Simonov / Mutter Fischer / Niki / Francoise u.a.: Franziska Lessing
  • Moser / Hr. Magnusson / Toni / Jean-Martin / u.a.: Martin Bacher
  • Heidi / Frl. Pinkerton / Roberto / Antje / Jamie / Milena-Double: Jaymee Bellprat
  • Manfred / Hr. Schröder / Sean / u.a.: Sven Olaf Denkinger
  • Frl. Kazumba / Joanna / Aja / u.a.: Tina Ajala
  • Luigi / Hr. Salimbeni / José / u.a.: Sean Stephens
  • Hr. Santos / Luiz / Anatol / u.a.: Anton Perez
  • Swing / Dancecaptain: Evelyn Baehler
  • Swing: Adrian Hochstrasser

 

 

Premierenchronik

CH UA 16. September 2010 Maag Music Hall, Zürich

 

 

Inhaltsangabe


"1. Akt

Schweiz 1978. Zusammen mit zwei Kollegen wird der Kantonspolizist Moritz Fischer mit dem Aspiranten-Gelöbnis (Wo chämte mir au hii, chönnt jede Schwiizzer sin) ins Praktikum bei der Fremdenpolizei entlassen. Fischer wird dem bärbeissigen Max Bodmer zugeteilt, der schon viele Neulinge zu zuverlässigen Einbürgerungsbeamten geformt hat. Bei Bodmer soll Fischer lernen, wie die Schweiztauglichkeit und der Assimilationswille von Ausländerinnen und Ausländern beurteilt werden können.

Ein erster Einsatz führt die beiden Beamten ins Sprachlabor, wo sich einbürgerungswillige Nichtschweizer mit dem Rachen tötenden Zungenbrecher Choge cheibe Böle herumschlagen müssen.

Am selben Abend noch besuchen die beiden Fremdenpolizisten Francesco Grimolli, einen sozialistischen Italiener, zu Hause bei seiner Familie. Der Gewerkschafter, der in einer Schwarzwäldertorten-Fabrik am Fliessband steht, möchte sich liebend gern einbürgern lassen und hat sich für die Visite der Schweizer Beamten etwas ganz Besonderes ausgedacht: Mit viel Hingabe und musikalischer Italianità demonstriert er den Beamten seine Begeisterung für den Muet (Mut) aller Helden der Schweizer Geschichte. Weniger begeistert zeigt sich Grimollis Tessiner Frau Sandra, die nach dem Auftritt ihres Mannes nur noch den Kopf schüttelt: Perche?

Als sich Fischer von der Darbietung des Noch-Italieners ganz hingerissen zeigt, holt ihn sein Vorgesetzter Bodmer zackig auf den Boden der Realität zurück. Er solle sich von solchem Klimbim nicht beeindrucken lassen und endlich begreifen, dass es hier in der Stadt anders zu und her gehe als dort, wo er herkomme. Fischer erinnert sich an seine Herkunft und erkennt, dass er in Tat und Wahrheit immer ein echter Füdlibürger gewesen und geblieben ist.

Auf der Suche nach Milena Vakulic, die ebenfalls einen Einbürgerungsantrag gestellt hat, trifft Fischer auf deren Nachbarin, Frau Galli. Diese erweist sich als profunde Kennerin des Eidgenössischen Standardtanzes. Sie verurteilt lächelnd alle, die sich nicht an die gut schweizerischen Gepflogenheiten zu halten wissen.

Unterdessen will Max Bodmer beim Direktor jener psychatrischen Klinik vorsprechen, in der Dr. Helmut Starke, ein weiterer Einbürgerungskandidat, als Arzt angestellt ist. Leider kommt es zu einer Verwechslung: Starke hält Bodmer für einen Patienten und ist, nachdem er den Fehler seiner Frau Gertrud gemeldet hat, beinahe untröstlich. Der Schweizer Pass und die eigene Praxis scheinen in weite Ferne gerückt, und einmal mehr kommen sich die beiden Deutschen, die schon seit zehn Jahren in der Schweiz wohnen und arbeiten, sehr heimatlos vor - so, als würden sie in einem Nirgendwo-Raum leben.

Eine ganz andere Geschichte beginnt in dem Moment, als Fischer zusammen mit Bodmer Milena Vakulic befragen will. Die Balletttänzerin kommt ursprünglich aus Jugoslawien, ist aber in der Schweiz aufgewachsen und beantragt jetzt wegen eines Auslandengagements den Schweizer Pass. Als Fischer die hübsche Frau sieht, ist es um ihn geschehen: Es fühlt sich für ihn an, wie Wenn d Wält bliibt stah. Doch Bodmer merkt davon nichts. Er erfüllt als Fremdenpolizist seine Pflicht und verlangt von Fräulein Vakulic Einsicht in ihre Zeugnisse, Diplome und Bankauszüge.

Während sich Moritz Fischer überlegt, wie er Milena wiedersehen kann, besucht Bodmer den Antragsteller Grimolli an seinem Arbeitsplatz. Dort planen alle Fliessbandarbeiterinnen und -arbeiter, an einer Kundgebung für entlassene Uhrenarbeiter in Biel teilzunehmen. Grimolli befürchtet, sein Recht auf den Schweizer Pass zu verlieren, falls er bei der Demo erwischt wird. Doch seine Kolleginnen und Kollegen machen Tortenpolitik und appelieren an sein soziales und politisches Gewissen: ´Es macht nöd nüt, wänn d nüt machsch!´

Fischer hat sich unterdessen einen Plan zurechtgelegt: Er will einen Ballettabend besuchen, den Milena und ihre Truppe geben, und seiner heimlichen Verehrten anschliessend einen Blumenstrauss übergeben. Als er die richtigen Rosen ausgesucht hat, kommt ausgerechnet sein Chef in den Blumenladen. Bodmer versorgt seinen Schützling grosszügig mit praktischen Tipps, was den Umgang mit Frauen angeht.

Als Fischer nach der Vorstellung die Tänzerin tatsächlich antrifft, kann er seine Gefühle für sie nicht richtig formulieren. Dazu kommt, dass sie von einem Mann umarmt und abgeholt wird. Fischer stellt fest: Blumen nützed nüt.

Die im Laden gekauften Blumen bringt Max Bodmer dem Ehepaar Starke mit, das ihn, als Wiedergutmachung für die Verwechslung in der Klinik, zu einem Fondue-Essen eingeladen hat. Bodmer spricht dem Schweizer Nationalgericht ebenso kräftig zu wie dem Weisswein. Und er lässt sich auf eine Diskussion über die Werte der Schweiz ein, die in einem eigentlichen Monolog zum Thema Demokratie endet.

2. Akt

Die Einbürgerungsbeamten Bodmer und Fischer machen Überstunden. Am Samstagmorgen beschatten sie Francesco Grimolli. Sie wollen sehen, ob sich der Gewerkschafter tatsächlich auf den Weg zur Demo nach Biel macht. Um die Wartezeit zu nutzen, erkundigt sich Bodmer nach Fischers Rendez-vous und motiviert ihn, seinen Mann zu stellen: Gleis dini Liebi uf!

Grimolli entdeckt die beiden Einbürgerungsbeamten, kurz bevor er einsteigen will, und fährt rasch entschlossen nicht mit an die Kundgebung. Das frühe Aufstehen lohnt sich aber für Fischer dennoch: Er trifft am Bahnhof Milena, die einen Freund zum Zug bringt. Nach kurzer Verwirrung wird klar, Milena und Moritz haben sich ineinander verliebt. Jetzt erfahren beide gemeinsaml, wie es ist, Wänn d Wält bliibt stah.

Während Fischer und Milena im siebten Himmel schweben, bangen Grimolli und das Ehepaar Starke nervös dem Anhörungstermin vor der Einbürgerungskommission entgegen. Leicht entnervt wandeln sie ´Choge cheibe böle´, den Zungenbrecher aus der Sprachschule, ab in Choge cheibe Schwiizer.

Das sieht Milena nicht so, verbringt sie doch mit so einem tipptoppen Schweizer schöne Stunden in ihrer Wohnung und in ihrer Badewann, wo sich beide vorstellen, wofür es wirklich Mut brauchen würde. Da stattet ausgerechnet Bodmer dem Fräulein Vakulic einen Überraschungsbesuch ab. Glücklicherweise taucht Moritz im rechten Moment unter. So kann er nachher unbehelligt zusammen mit Milena die Party ihrer Freundin Martha besuchen, wo er von der anwesenden Balletttruppe über seinen Beruf ausgefragt wird. Schliesslich radebrecht Moritz Fischer, dem das englische Wort ´Einbürgerungsbeamter´ nicht in den Sinn kommt, er sein swissmaker, ein Schweizermacher.

Doch Martha glaubt die Beziehung Moritz-Milena zu durchschauen. Sie behauptet, Milena gebe sich mit dem biederen ´Schweizermacher´ doch nur ab, weil der ihr leicht zum roten Pass verhelfen könne. Moritz Fischer fühlt sich missbraucht und verlässt das Fest. Milena ist traurig, enttäuscht und wütend. Sie weiss nicht, wie weiter. Im Ballettsaal, wo Milena tanzt fragt sie ihr Spiegelbild: ´Säg mir, wär i bi!´

Unterdessen trifft Frau Galli, Milenas rabiate Nachbarin, Max Bodmer in seinem Büro. Sie verrät ihm, dass sein Praktikant Fischer ein Verhältnis mit der Antragstellerin Vakulic habe. Das entspricht auch für Bodmer ganz und gar nicht dem Eidgenössischen Standardtanz, und als Fischer ins Büro kommt, knöpft er sich seinen Untergebenen vor. Doch der weiss mittlerweile genau, was er will, und lässt sich auch nicht beirren von Bodmers Vorwurf, dass man Wäg Schwiizer wie dir im Dreck stecke. Moritz verlässt den tobenden Bodmer und beginnt Milena zu suchen.

Diese steht zusammen mit dem Ehepaar Starke und Francesco Grimolli vor der Einbürgerungskommission. Alle scheinen problemlos zu ihrem Pass zu kommen, da taucht im letzten Moment Bodmer auf und erklärt, Milena Vakulic habe sich ihr Schweizer Bürgerrecht mit unlauteren Mitteln erschleichen wollen.

Die Kommission ist verunsichert. Zu guter Letzt kann noch Moritz Fischer die Lage klären. Er gesteht vor der gesamten Versammlung Milena seine Liebe. Die Tänzerin spürt, dass Moritz ihr ein echtes ´Heimatgefühl´ vermitteln kann.

Davon lassen sich zum Schluss alle anstecken. Die alteingesessenen und die neu gewordenen Schweizerinnen und Schweizer stimmen gemeinsam in Heimathymne ein."

(aus dem Programmheft der Uraufführung)

 

 

Kritiken


"Vorwiegend sind es Bodmers rechtspopulistische Äußerungen (´man kann nicht jeden einbürgern´), die einen immer wieder aus der Komödie reißen - und auch an die deutschen Migrationsdebatten erinnern, schließlich hat sich der Ausländer anzupassen, und zwar so, ´dass er nicht mehr auffällt´.

Das ist alles ganz heutig, doch Regisseur Stefan Huber und sein Kreativ-Team aktualisieren nicht, sondern belassen die Geschichte in den Seventies. Zwar tanzen Moritz und Frau Galli waghalsig eine Treppe hinab und eine hübsche Fließband-Tortenback-Nummer (Choreografie: Simon Eichenberger) bringt Schwung auf die Bühne, allerdings dauert es doch eine Weile, bis das Tempo anzieht. [...] Die von einer fünfköpfigen Band zum Klingen gebrachte Musik von Markus Schönholzer hat mal Schwung, mal Sentiment. Ein Reißer ist nicht dabei und sie wirkt nicht nach, aber sie funktioniert im Theater. Das Publikum jedenfalls hatte viel Spaß und feierte alle Mitwirkenden und ´Schweizermacher´-Macher ausgiebig. Für Touristen sicher ein Problem ist das Schwyzerdütsch. Das sollte einen aber von einem Besuch des Mundart-Musicals nicht abhalten - wenn in englischsprachigen Stücken Slang gesprochen wird, etwas bei ´Billy Elliot´, versteht man auch nicht jedes Wort und genießt das Musical trotzdem. Zwar sind ´Die Schweizermacher´ kein ´Billy Elliot´, aber das Bühnenbild und Rolf Sommer werden einem im Gedächtnis bleiben."

Gerhard Knopf: Die Schweizermacher, Ein neues Schweizer Musical mit tipptopp Leistungen. In: musicals, Das Musicalmagazin, Heft 145 Oktober/November 2010, Seite 6-7.

 

 

Medien / Publikationen

 

Audio-Aufnahmen

  • Live-Mitschnitt aus der Maag Halle, 2010 (1xCD)

 

DVD / Video

  • Originalfilm "Die Schweizermacher", 1976, Regie: Rolf Lyssy (DVD)

 

 

Empfohlene Zitierweise


"Die Schweizermacher". In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. www.musicallexikon.eu

Letzte inhaltliche Änderung: 6. Januar 2020.