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Down in the Valley

Szenische Ballade nach amerikanischen Volksliedern 


Musik von Kurt Weill 
Text von Arnold Sundgaard 

 

 

Inszenierung


Deutschsprachige Erstaufführung: 31. Januar 1949  
Stadttheater Zürich, Schweiz

  • Musikalische Leitung: Eduard Hartogs
  • Regie: Werner Gallusser
  • Choreografie: Jaroslav Berger
  • Kostüme: René Rougemont

 

Besetzung:  

  • Brack Weaver: Willy Ferenz
  • Jennie Parsons: Doris Suter
  • Thomas Bouché: Jan Steinberg
  • Der Vorsänger: Alfred Schläpfer
  • Jennie´s Vater: Hansjürg Beck
  • Wärter: Otto Jakitsch
  • Peters: Guido Baumann
  • Zwei Männer: Max Samuel, Willy von Bergen
  • Zwei Frauen: Iren Schwager, Anita Naef

 

 

Premierenchronik

USA UA 15. Juli 1948 Indiana University, Bloomington, Indiana
CH Dspr. EA 31. Januar 1949  Stadttheater Zürich
D EA 29. Juni 1954 Bürgerbräu-Club, München

 

 

Inhaltsangabe


Es ist eine geradlinig erzählte Liebesgeschichte zwischen Jennie und Brack irgendwo auf dem Lande. Brack kämpft mit einem Nebenbuhler und bringt ihn aus Versehen um. Als Mörder wird er zum Tode verurteilt. Er bricht aus dem Gefängnis aus, um die letzte Nacht seines Lebens mit Jennie zu verbringen. Dann stellt er sich der Polizei. 

Dramaturgisch gefasst ist das Geschehen in einer Rückblende; knappe Dialoge leiten von Szene zu Szene, jeweils vorgestellt von einem Erzähler, begleitet von einem Chor.

(Wolfgang Jansen) 

 

 

Kritiken

 
"Das Stadttheater hat eine Neuerung eingeführt: Es will uns neben den regulären Vorstellungen mit Bühnenwerken bekannt machen, die dem Grenzgebiet zwischen der Oper und anderen Gattungen angehören und durch ihre Problemstellung geeignet sind, Diskussionen hervorzurufen. Dabei soll, wie Direktor Hans Zimmermann in seiner einleitenden Ansprache erklärte, hauptsächlich die Verbindung mit jenen Ländern wieder aufgenommen werden, von denen wir während des Krieges auch kulturell abgeschnitten waren. Da hat man sich denn zunächst an die USA gewandt, wo übrigens der zeitgenössische Aktionsbereich weniger durch wirkliche Amerikaner als durch eingesessene europäische Emigranten bestimmt wird und wo das, was Anspruch auf internationale Geltung erheben kann, größere Absatzmöglichkeiten findet als irgendwo sonst. 

Daß sich Kurt Weill dort drüben angesiedelt hat, ist im Hinblick auf den Welterfolg seiner ´Dreigroschenoper´ sozusagen selbstverständlich. Damals hat sich ja auch deutlich gezeigt, in welcher Richtung die weitern Entwicklungsmöglichkeiten liegen und welch interessante Mischprodukte sich ergeben können aus der Verbindung von Oper, Operette, Sketch und Tanzspiel. Nun ist Kurt Weill über mancherlei mehr oder weniger geglückte Versuche hinweg bei der ´szenischen Ballade´ angelangt, mit der er für die Aufführungsmöglichkeiten hauptsächlich auf die Praktik abzielt, wie sie an amerikanischen Universitäten oder sonstigen höheren Lehranstalten üblich ist."

fg.: Studienaufführung im Stadttheater, "Down in the Valley" und "Das Telephon". In: Tages Anzeiger Zürich, Nr. 28, 3. Februar 1949.

 

"Der Start des neuen Unternehmens war nicht glücklich. Wer hätte Kurt Weill, den Komponisten der ´Dreigroschenoper´, wieder erkannt? Jeder Konservatorist bei uns würde die altamerikanischen Volkslieder, die jener für seine szenische Ballade ´Down in the valley´ benutzt hat, besser bearbeitet haben. Daß das Werk für Laien geschrieben ist, ändert nichts an der Forderung nach Qualität. Purcell, der altenglische Meister, schrieb seine bedeutende Oper ´Dido und Aeneas´ - übrigens etwas für eine Sonderaufführung - für den Gebrauch an einem Mädcheninstitut. [...] 

Immerhin brachten die Aufführungen das Gute mit sich, daß junger Kräftenachwuchs sich dabei erproben konnte. So hatte der Hilfsregisseur Werner Gallusser Gelegenheit, zu zeigen, was er bei seiner bisherigen Opernmitarbeit profitiert hat, und das schien nicht wenig. Seine Inszenierung der Ballade von Weill, die einen vielfältigen Apparat erfordert, war keine leichte Aufgabe. Der moderne Spielraum mit Dekorationsandeutungen, den er sich hatte aufbauen lassen, und wie er ihn benutzte, verriet allerhand Wissen und Können, dazu Geschick und Phantasie."

C.: Studienaufführungen am Stadttheater. In: Volksrecht, Nr. 29, 4. Februar 1949.

 

"Stärkste Gegensätze kennzeichnen die jüngsten Einstudierungen des Zürcher Stadttheaters. Die Aufführungen zweier aus Amerika stammender Kurzopern wurde außerhalb des regulären Spielplans in einer Studienaufführung geboten und erschloß den gespannt mitgehenden Musikfreunden ungewohnte Bezirke des musikdramatischen Schaffens der jüngsten Zeit. Kurt Weill verwendet in der unrealistisch vorgetragenen Bilderfolge ´Drunten im Tal´, die für Laiendarsteller geschrieben wurde, ähnlich wie in der Dreigroschenoper populäre Melodien, die das leicht kriminalistisch angehauchte Geschehen in eine stimmungsreiche Volksballade verwandeln. Der für die sorfältige Einstudierung eingesetzte Bühnennachwuchs lebte sich unbefangen in das jenseits der gewohnten szenischen Konventionen stehende kleine Werk ein."

E.Br.: Kleines Feuilleton. In: Der Bund, Nr. 70, 11. Februar 1949.

 

 

Medien / Publikationen


Audio-Aufnahmen

  • "Down in the Valley". Studio-Cast, 1950, USA, Decca DL 6017. (1xVinyl-LP)
  • "Down in the Valley". Original Television Cast, 1950, USA, RCA Victor r2393. (1xVinyl-LP)
  • "Down in the Valley", "Der Jasager". Studio-Einspielung des Westdeutschen Rundfunks Köln, Aufnahme am 10./11. Juni 1990, Delta Music, 1991, Capriccio 60 020-1. (1xCD)

 

Literatur

  • David Farneth, Elmar Juchem, Dave Stein (Hrsg.): Kurt Weill, Ein Leben in Bildern und Dokumenten. Aus dem Englischen übersetzt von Elmar Juchem. Berlin: Ullstein 2000.
  • Jürgen Schebera: Kurt Weill. Mainz: Schott 2016.

 

 

Kommentar

 
Die deutschsprachige Erstaufführung von "Down in the Valley" dauerte nur rund 40 Minuten. Nach der Pause kam der Musikalische Sketch "Das Telephon" von Gian Carlo Menotti zur Erstaufführung.

Ein Übersetzer wurde im Zürcher Programmheft nicht genannt.

Im Original hat das Werk die Gattungsbezeichnung "Folk-Opera".

 

 

Empfohlene Zitierweise

 
"Down in the Valley". In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. www.musicallexikon.eu

Letzte inhaltliche Änderung: 31. Januar 2021.