Sie sind hier: Startseite Inhalte Kiss Me, Kate (Küß mich, …

Kiss Me, Kate (Küß mich, Kätchen)

Musikalische Komödie


Musik und Gesangstexte von Cole Porter
Musikalische Bearbeitung von Hagen Galatis
Buch von Samuel und Bella Spewack 
Deutsche Übersetzung von Günter Neumann


Inszenierung


Deutschsprachige Erstaufführung: 21. November 1955
Städtische Bühnen, Kleines Haus im Börsensaal, Frankfurt/M., Bundesrepublik Deutschland
 

  • Regie: Harry Buckwitz
  • Musikalische Leitung: Christoph von Dohnanyi
  • Bühnenbild: Max Bignens
  • Kostüme: Rosemarie Jakameit
  • Choreografie: Herbert Freund


Besetzung:

  • Lilli Vanessi (Katharina): Lola Müthel
  • Fred Graham (Petrucchio): Hannsgeorg Laubenthal
  • Ann [Lois] Lane (Bianca): Elisabeth Wiedemann
  • Bill Calhoun (Lucentio): Marcel Luipart
  • Harry Trevor (Baptista): Heinrich Troxbömker
  • Hattie, Garderobiere von Miß Vanessi: Mariann Lutz-Pastré
  • Paul, Garderobier von Mr. Graham: Kurt Dommisch
  • Erster Ganove: Otto Rouvel
  • Zweiter Ganove: Eric Schildkraut
  • Ein Bühnenarbeiter: Karl Lieffen
  • Gremio, der erste Freier: Veit Relin
  • Hortensio, der zweite Freier: Hans Neugebauer
  • Harrison Howell: Erich Thormann
  • Ralph, Inspizient: Walter Dennechaud
  • Bühnenportier: Georg Bahmann
  • Ein Taxichauffeur: Walter Matschuk
  • Nathanael: Joachim Parsch
  • Gregor: Gerd Valentiner
  • Philipp: Helmut Eisch
  • Putzmacherin: Rose Roth

 

Tänzer

  • Rose Roth, Christa Laukhardt, Carla Reinemer, Joachim Parsch, Gerd Valentiner, Helmut Eisch

 

Sänger

  • Susanne Kraetsch, Magda Kreutz, Annemarie Töpfer, Josef Matak, Franz Bergmann, Georg Wittorf

 

 

Premierenchronik

USA UA 30. Dezember 1948 New Century Theatre, New York
GB EA 8. März 1951 Coliseum, London
D Dspr. EA 21. November 1955  Städtische Bühnen, Kleines Haus im Börsensaal, Frankfurt/M.
A EA 14. Februar 1956 Volksoper Wien
CH EA 25. Mai 1956 Stadttheater Basel
DDR EA 9. April 1965 Metropoltheater, Berlin

 

In Österreich gab es eine Doppelpremiere: Zeitgleich mit der Volksoper Wien brachte das Opernhaus Graz "Kiss Me, Kate" heraus.

 

 

Inhaltsangabe


Das Stück geht auf die Komödie "Der Widerspenstigen Zähmung" von William Shakespeare zurück. In einem geradezu genialen dramaturgischen Einfall schrieben die Autoren Samuel und Bella Spewack die Geschichte dahingehend um, dass nun ein Tournee-Ensemble das Shakespeare-Stück in der amerikanischen Provinz auf die Bühne bringt, und die Hauptdarsteller Fred und Lilli, die bis vor einem Jahr noch verheiratet waren, auch hinter der Bühne jenen Streit austragen, den sie als Petruchio und Katharine während der Aufführung spielen müssen. Ein Spiel im Spiel also, bei dem beide Handlungsebenen unauflöslich miteinander verflochten sind, und alle Handlungen (backstage und onstage) das fröhliche Geschehen zwingend vorantreiben. Zufällig fällt die Tourneepremiere auf den Jahrestag ihrer Scheidung. In einer sentimentalen Anwandlung erinnern sich Fred und Lilli früherer glücklicherer Zeiten, bei der unverhofft die gegenseitige Zuneigung wieder aufflammt. Ohne sie sich selbst und dem anderen einzugestehen, beginnen sie ein streitlustiges Liebeswerben, bei dem nicht zuletzt Lilli ihre Nebenbuhlerin Lois und Fred Lillis Verlobten Harrison ausstechen müssen. Auf der Bühne führt Petruchio zum Schluss triumphierend die gebrochene Katharine wie ein gezähmtes wildes Tier vor: Folgsam erklärt sie sich einverstanden mit der weiblichen Gehorsamspflicht gegenüber dem Mann. Doch für den Zuschauer des Musicals wird Shakespeares patriarchalische Demütigung in dem Wissen aufgehoben, dass hinter der Szene, gleichsam im realen Leben, eine andere Geschichte erzählt wird.
 

(Wolfgang Jansen, 2020)
 

 

Kritiken


"Gestern abend wurde im Frankfurter Börsensaal eine neue Kunstgattung aus der Taufe gehoben . das aus Amerika importierte´Musical´. Diese Form des musikalischen Unterhaltungstheaters versucht, den Reiz der dialogfreudigen Komödie, den Zauber moderner Musikaliltät und die Faszination tänzerischer Beschwingtheit auf einen Nenner zu bringen. Das für den Premoerenabend ausgewählte Beispiel, Cole Porters ´Kiss me, Kate´, in srofflicher Parallelität zu der Shakespearschen ´Widerspenstigen´, war glücklich gewählt. Die Bühnenverwirklichung, an der Harry Buckwitz und ein vielköpfiges Ensemble sechs Wochen lang gearbeitetet hatten, ließ manchen Wunsch offen - aber sie bestätigte die neue Gattung und brach das Eis. Ein sozusagen theaterhistorisches Ereignis - wenn auch unter Vorbehalten.

[...] Vom Stück her also bestes musikalisches Unterhaltungstheater, wirkungsvoll und modern, lange erwartete Auffrischung im langsam dahinsiechenden Repertoire - eine neue, ausgereifte Gattung. [...]

Das Publikum fühlte sich gut unterhalten, bezeugte dem Musical und dem Realisierungswagnis Zustimmung und dankte alles Mitwirkenden herzlich.

Die Operette ist tot. Das Musical ist da. Es wird auch in Deutschland Zukunft haben."

Willy H. Thiem: Erstes Broadway-Musical aus der Taufe gehoben, "Kiss me, Kate" gestern in Frankfurt. In. Abendpost, 22. November 1955.

 

"Von einem theaterhistorischen Ereignis ist zu berichten: In Frankfurt am Main, in Mainhattan, fand die erste deutsche Aufführung eines amerikanischen Musicals statt. Harry Buckwitz inszenierte mit Schauspielern, Sängern, Tänzern und einer Jazz-Band ´Kiss me, Kate´ von Cole Porter, Samuel und Bella Spewack und - William Shakespeare. [...]

Es handelt sich, für uns, um ein in seinen Folgen noch gar nicht abzusehendes Experiment: Wird die Operette, an deren ernsten Krise nicht länger zu zweifeln ist, seit nun auch das Düsseldorfer wie schon früher das Wuppertaler Operettenensemble die Kündigung in der Tasche hat, durch das Musical abgelöst werden? Schon haben München, Wien, Berlin und Hamburg für ´Kiss me, Kate´ optiert. Ein Aufführungserfolg zeichnet sich ab vergleichbar der ´Serie´ von Burkhardts ´Feuerwerk´, das ja nicht zufällig, wie sich jetzt gezeigt hat, dem Musical sehr nahe kommt. [...]

Amerika - und dies war dem Frankfurter Abend unstreitig zu entnehmen - macht sich nicht über Shakespeare lustig, sondern belustigt sich mit Shakespeare. Es sind Taktfragen der Regie, was sie mit dem Rohmaterial eines Musical-Szenariums zu beginnen für richtig hält. Buckwitz balanciert den von Günter Neumann berlinisch keß übersetzten Text der Rahmenhandlung durch die Grazie klassischen Balletts in der ´Widerspenstigen´ aus. Hätte noch genauere Balance durch tiefer empfundene Shakespeare-Verse erreicht werden können? Dies ist solch ein Fall, wo man sich sagen muß: abwarten, sich umsehen, Erfahrungen sammeln. Auf der Heimfahrt, noch das quirlende Leben in den ironisch pointierten Bildern von Max Bignens vor Augen und Cole Porters einschmeichelnde, zündende, mitreißende Musik im Ohr, immer wieder diese Frage: Auf was für ein Abenteuer haben wir uns eingelassen? das Musical ist das jüngste Abenteuer des deutschen Theaters, von dem noch niemand weiß, wie es ausgeht."

Gerhard Schön: Das erste amerikanische Musical, "Kiss me, Kate" in Frankfurt erstaufgeführt. In: Westdeutsche Rundschau. 24. November 1955.

 

"Die Form des ´musicals´ ist dem deutschen Theaterbesucher so fremd, daß er nicht einmal mit dem Wort etwas anzufangen weiß. [...]

Für eine Form, die das deutsche Theater nicht kennt, gibt es natürlich hierzulande auch keine geübten Interpreten. Gute Schauspieler sind nicht immer auch musikalische Sänger oder exakte Tänzer. Aber jedermann tat sein Bestes, Buckwitz hatte an Ausstattung und Klamauk nicht gespart. Man war ´intensiv´, schoß Pistolen und Flugzeuge ins Parkett, einmal regnete es sogar Schlagernoten. Lola Müthel, Mariann Lutz Pastre. Elisabeth Wiedemann und Hanns Georg Laubenthal trafen die neue Zielscheibe am besten, und obwohl die Darsteller mit Cole Porters routinierter Musik ihre unroutinierte Not hatten, begriff das Frankfurter Publikum allmählich, daß es eine Entscheidung fällen mußte. Es bereitete der deutschen Erstaufführung einen turbulenten Erfolg und ging selbst da noch mit, wo die Inszenierung in fleißig angelerntem Amerikanismus stecken blieb. Allerdings: amüsanter und unterhaltsamer als unsere Allerwelts-Operetten war diese Premiere durchaus. Aber erst wenn wir ein Dutzend Exemplare dieser Gattung kennen, läßt sich entscheiden, ob das ´musical´ die Operette endgültig zu Grabe tragen wird. 

Übrigens genügen selbst zwei Monate Probenzeit nicht. Musicals brauchen gewiß mindestens sechs, Präzision ist alles, wie beim Revuefilm. Wenn das deutsche Publikum nach dem ´musical´ verlangt, dann wird die Form unseres Theaterbetriebs sich ändern müssen. Soll man es wünschen?

Joachim Kaiser: Jetzt spielen die Musicals. In: Süddeutsche Zeitung, 24. November 1955.

 

 

Medien / Publikationen

 

Audio-Aufnahmen

  • "Kiss Me Kate". Selected Highlights, Studio-Einspielung London 1993, Jay Records "Showtime" 1994, Show CD032 (1xCD)
  • "Kiss Me, Kate". Studio-Einspielung 1958 mit Wolfgang Neuss und Wolfgang Müller, Heliodor 450 204. (Vinyl/Single)
  • "Kiss Me, Kate". Studio-Einspielung 1967 mit Olive Moorefield und Peter Alexander, Ariola 74 343 IE. (Vinyl/1xLP)

 

Literatur

  • William Shakespeare: Der Widerspenstigen Zähmung. In: Ders.: Werke in acht Bänden. Herausgegeben von Wolfgang Deninger, Band 3: Dramen, Übersetzt von Ludwig Tieck (Wolf Graf Baudissin), Frechen: Komet (o.J.), Seite 87-163.
  • Wolfgang Jansen: "Das Käthchen vom Broadway, Zur deutschsprachigen Erstaufführung von Cole Porters ´Kiss Me, Kate´ 1955 in Frankfurt am Main. In: Ders.: Musicals, Geschichte und Interpretation.Gesammelte Schriften zum populären Musiktheater, Band 1, Münster u.a.: Waxmann 2020, Seite 59-65.

 

 

Kommentar


Das Musical basiert auf William Shakespeare Komödie "The Taming of the Shrew" ("Der Widerspenstigen Zähmung").

 

 

Empfohlene Zitierweise


"Kiss Me, Kate (Küß mich, Kätchen)"... In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. www.musicallexikon.eu

Letzte inhaltliche Änderung: 20. November 2020.