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Porgy und Bess (Porgy and Bess)

Oper in drei Akten (9 Bildern)

 

Musik von George Gershwin 
Buch und Gesangstexte von Edwin DuBose Heyward und Ira Gershwin, nach dem Roman "Porgy" von Edwin DuBose Heyward
Deutsche Übersetzung von Ralph Benatzky

 

 

Inszenierung

 

Deutschsprachige Erstaufführung: 9. Juni 1945  
Stadttheater Zürich, Schweiz

 

  • Musikalische Leitung: Victor Reinshagen
  • Regie: Karl Schmid-Bloss
  • Bühnenbild und Kostüme: Ludwig Kainer
  • Chöre: Hans Erismann
  • Tanzgruppe: Heinz Rosen

 

Besetzung:  

  • Porgy: Desider Kovacs
  • Bess: Claire Cordy
  • Crown: Andreas Boehm
  • Robbins: Karl Pistorius
  • Serena: Christine Eftimiadis
  • Jake: Heinz Rehfuss
  • Clara: Lisa Della Casa
  • Maria: Ria Hoeckh
  • Sporting Life: Laszlo Csabay
  • Mingo: Frank Linden
  • Peter: Roland Münch
  • Lilly: Gretl Schroeter
  • Frazier: Alfred Strasser
  • Annie: Gretl Henar
  • Erdbeerfrau: Ellen Henseleit
  • Jim: Erno Zürrer
  • Leichenbestatter: Lukas Barth
  • Krebsenmann: Hans Kaltenbach
  • Mr. Archdale: Karl Melzer
  • Detektiv: Leopold Dudek
  • Coroner: Ettore Cella 

 

 

Premierenchronik

USA UA 10. Oktober 1935 Alvin Theatre, New York
DK Europäische EA 27. März 1943 Königliche Oper, Kopenhagen
CH Dspr. EA 9. Juni 1945 Stadttheater Zürich
A EA (in. Engl.) 7. September 1952 Volksoper Wien (US-Tournee)
D EA (in. Engl.) 17. September 1952 Titaniapalast, Berlin (US-Tournee)
GB EA 9. Oktober 1952 Stoll Theatre, London (US-Tournee)
DDR EA 24. Januar 1970 Komische Oper Berlin
D EA (in Dt.) 22. Januar 1971 Theater des Westens, Berlin

 

 

Inhaltsangabe

 
In der Catfish Row, einer einfachen Wohnstraße in Charleston/USA, tanzen die Bewohner am Sommerabend zum Klavier. Clara singt das Wiegenlied „Summertime“ für ihr Kind. Der gehbehinderte Porgy erscheint auf seinem kleinen Karren. Porgy erkundigt sich nach der leichtlebigen Bess. Diese erscheint mit dem hünenhaften, gewalttätigen Crown. Die Männer setzen sich zum Würfelspiel um Geld. Ein Streit entsteht, und Crown ersticht den Catfish-Row-Bewohner Robbins und ergreift die Flucht. Bevor die Polizei erscheint, bietet Porgy der nun alleingelassenen Bess Hilfe und Unterschlupf an.

Später: Die Fischer planen trotz des stürmischen Wetters eine Ausfahrt und ein Picknick auf Kittiwah Island. Porgy kennt keine finanziellen Sorgen, er ist glücklich mit Bess liiert. Sporting Life versucht Bess zu überreden, mit ihm nach New York zu gehen, wo angeblich ein besseres Leben wartet, doch Bess lehnt ab – sie will bei Porgy bleiben. Sie bricht gemeinsam mit Maria zum Picknick der Fischer auf. Auf der Insel trifft Bess auf Crown, der sich dort versteckt hält, und verfällt ihm wieder. Sie verschwindet mit ihm in den Wald. Bess kehrt erst zwei Tage später erkrankt vom Picknick zurück und gesteht gegenüber Porgy ein, dass sie Crown nicht widerstehen kann. Während eines Hurrikans taucht Crown auf, der Bess holen will.

Crown schleicht sich in der Nacht zu Porgys Wohnung, um Bess zu entführen. Porgy ersticht ihn hinterrücks. Von der Polizei wird Serena des Mordes beschuldigt, doch sie beteuert ihre Unschuld. Porgy weigert sich, die Leiche zu identifizieren, und wird daraufhin wegen Missachtung des Gesetzes eine Woche lang festgehalten. Daraufhin verfällt Bess wieder dem Rauschgift und folgt Sporting Life nach New York. Bei seiner Rückkehr findet Porgy Bess nicht mehr und macht sich auf, sie in New York zu suchen.

(Wolfgang Jansen)

 

 

Kritiken

 
"Unter großen Opfern und allerlei technischen Erschwerungen hat das Zürcher Stadttheater dieses Experiment gewagt und in der autorisierten Uebertragung von Ralph Benatzky eine deutschsprachige Erstaufführung zustande gebracht, die im Rahmen unsrer Theaterwochen als Sensation wirkte. Fern von Wagners mythischem Schwulst und pathetischem Germanismus, womit wir sonst begrüßt zu werden pflegten, sind wir also bei einem schwarzen Verismus angelangt, ohne der Festspielwürde verlustig zu gehn, und sicher nicht zum Schaden eines Unternehmens, das gewillt ist, seine internationale Geltung zu behaupten."

Korr.: Gershwins Neger-Oper in Zürich. In: National-Zeitung, Basel, 12. Juni 1945.

 

"Das Zürcher Stadttheater hat mit der Inszenierung von ´Porgy und Beß´ eine Aufgabe übernommen, die vielleicht gerade deshalb besonders reizvoll war, weil sie den Europäer, der mit der Negerwelt und dem amerikanischen Theater nicht aufs engste vertraut ist, vor fast unlösbare Probleme stellt. Das Werk ist ja für ein Negerensemble gedacht und völlig auf dessen gesangliche und darstellerische Eigentümlichkeiten zugeschnitten. Den Neger´stil´ nachahmen zu wollen, ist ein nutzloses Unterfangen, denn er ist eine Sache des Blutes. Am leichtesten gelingt wohl die Einfühlung in die Welt der Songs, in der sich Elemente der Neger- und der europäischen Musik mischen, während das Tänzerische (wie auch der Geist der Negro-Spirituals, der vor allem in den Volksszenen zum Durchbruch kommt) schwer zu erfassen bleibt und den Regisseur bei der choreographischen Gestaltung der zu rhythmisierter Massenbewegung sich steigernden Bewegung zu Stilisierungen zwingt, die notwendigerweise genau so problematisch bleiben müssen, wie die ultramarinblaue Einfärbung der falschen Neger. Stilisierung bedeutet in dieser echten Volksoper fraglos einen Notbehelf. Es soll damit keineswegs angedeutet sein, man habe bei uns den Grundcharakter der Oper verkannt, sondern lediglich auf die Schwierigkeiten hingewiesen werden, vor die sich Regisseur und Kostümgestalter gestellt sehen."

-uh: "Porgy und Beß", Erstaufführung im Stadttheater. In: Neue Zürcher Zeitung, 11. Juni 1945.

 

"Der Aufführung darf volles Lob gespendet werden. Viktor Reinshagen hat diese komplizierte, mit Angeln überreich gespickte, man möchte sagen verminte, Partitur flott gestaltet, die lyrischen Partien schön musiziert und das reich bewegte Figurenwerk mit Schmiß behandelt. Den Negro-Spirituals, dem Wertvollsten dieser eigenartigen Amalgamierung hat Reinshagen besondere Sorgfalt angedeihen lassen. Der anspruchsvolle Orchesterpart, der in den Holzbläsern und im Schlagzeug besonders ausgeprägt ist, hat bei unseren Tonhallemusikern eine besonders opferwillige Klanggestaltung gefunden. Mozart oder Puccini zu musizieren, muß eine Lust sein, Gershwin ist für Kammer- und Sinfoniemusiker an den ersten Pulten eine Last, die nur in Feriensicht erträglich ist.

Der bekannte Bühnenbildner Ludwig Kainer hat ein farbenprächtiges, mit Phantasie und Wirklichkeit gemischtes, Bühnenbild geschaffen. Die Pseudoneger tauchte er in blau. Sollte diese auf den ersten Blick etwas befremdende Farbenverschiebung eine Erinnerung sein an die Rhapsodie in blue, an die Grundfarbe des Jazz, der hier zu einer Komödie in blue ausgewalzt ist? Oder ist es das Bestreben nach belebterer Farbengebung, die das Mienenspiel leicht aufhellt und dem Schwarz in Schwarz die Eintönigkeit nimmt? Item, das Blau stand den Akteuren gar nicht schlecht und verstärkte den theatralischen Effekt."

-tt: Gershwin: "Porgy und Bess", Stadttheater Zürich. In: Neue Zürcher Nachrichten, 13. Juni 1945.

 

 

Medien / Publikationen

 
Audio-Aufnahmen

  • "Porgy And Bess". Glyndebourne Festival Opera, The London Philharmonic, conducted by Simon Rattle. Gesamteinspielung, 1989, EMI Records 7 49568 2 (3 CDs).

 

Literatur

  • DuBose Heyward , Ira Gershwin und George Gershwin: Porgy und Bess. Oper in drei Akten (neun Bildern). Deutsch von Ralph Benatzky (= Textbücher und Musikliteratur. Nr. 26). Apollo-Verlag, Zürich 1947.
  • DuBose Heyward: Porgy. Roman (Originaltitel: Porgy). Deutsch von Renate Orth-Guttmann . Nachwort von Michael Naura (= Manesse-Bibliothek der Weltliteratur). Manesse, Zürich 2001.
  • Wolfgang Jansen: "...ultramarinblaue Einfärbung der falschen Neger", Zur deutschsprachigen Erstaufführung von George Gershwins "Porgy and Bess" 1945 in Zürich. In: Ders.: Musicals, Geschichte und Interpretation. Münster u.a.: Waxmann 2020, Seite 43-48. 

 

 

Kommentar

 
In Österreich kam es am 19. Oktober 1965 an der Wiener Volksoper zur ersten eigenständigen Inszenierung, in englischer Sprache. Die Hauptrollen waren mit schwarzen, die sonstigen Figuren mit weißen Darstellern (schwarz geschminkt) besetzt.

Die Übersetzung in der DDR schrieben Horst Seeger und Götz Friedrich. Die Hauptrollen an der Komischen Oper wurden mit schwarzen, die sonstigen Figuren mit weißen Darstellern (schwarz geschminkt) besetzt.

Die erste deutschsprachige Inszenierung in der Bundesrepublik war das Gastspiel einer Tournee von Karl-Heinz-Stracke. Die Übersetzung stammte von Horst Seeger und Götz Friedrich. Es war zum ersten Mal seit der US-Tournee ein komplett schwarzes Ensemble.

 

 

Empfohlene Zitierweise

 
"Porgy und Bess" ("Porgy and Bess"). In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. www.musicallexikon.eu

Letzte inhaltliche Änderung: 17. November 2020.