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Bel Ami

Operette in 3 Akten


Musik von Rudolf Kattnigg 
Libretto von Fritz Eckhardt 
Unter Benützung von Motiven des gleichnamigen Romans von Guy de Maupassant


Inszenierung


Uraufführung: 18. Januar 1949
Raimund-Theater, Wien, Österreich
 

  • Musikalische Leitung: Rudolf Kattnick / Leopold Weninger
  • Regie: Alfred Walter
  • Choreografie: Elfy Kose
  • Ausstattung: Hill Reihs-Gromes


Besetzung:

  • George Duroy: Johannes Heesters
  • Madelaine Forrestier: Marianne Schönauer
  • Clothilde: Gretl Schörg
  • Albert Ravin, Journalist: Alfred Walter
  • Valliers, Zeitungsherausgeber: Otto Löwe
  • Helene, seine Frau: Maria Waldner
  • Rosette, beider Tochter: Anni Korin
  • Susanne, beider Tochter: Elfriede Ott
  • Camille Laroche, Abgeordneter: Jo Fürst
  • Rachel, Tänzerin: Eva Maria Leiter
  • Monsieur Marelle: Hans Dumfort
  • Monsieur Lagarde: Fritz Muliar
  • Monsieur Hazardin: Eugen Günter
  • Claudet: August Rieger
  • Lebouffe: Anton Wengersky
  • Wirt: Rudolf Neugebauer
  • Ein Regisseur de "Folies Bergère": Vinzenz Kaiser
  • Kammerdiener bei Valliers: Hans Stöckl
  • Fechtmeister: Erik Walter
  • 1. Bänkelsänger: Spiro Makri
  • 2. Bänkelsänger: Peter Dörre

 

 

Premierenchronik

A UA 18. Januar 1949 Raimund-Theater, Wien


 

Inhaltsangabe


"´Bel ami´ [...], der Glücksmensch aus dem Roman, in Gestalt Johannes Heesters´ auf der Bühne, ist der Held aller Frauenträume - deren es allerdings etliche gibt, von der eleganten Dame der großen Pariser Gesellschaft, der Tänzerin Rachel, der ´anständigen´ Frau mit unbekannt vielen Liebhabern, bis zur kleinen, gescheiten Susanne, die endlich ´die Richtige´ ist." 

(aus: -r.: Welturaufführung im Raimundtheater. In: Wiener Zeitung, Nr. 16, 20. Januar 1949.) 

 

 

Kritiken


"Fritz Eckhardt bemühte sich, so etwas wie ein Wiedergeburtshelfer Guy de Maupassants zu sein. Mit begrüßenswerter Konsequenz vermeidet er (abgesehen von der fast vierstündigen Aufführungsdauer) den üblichen Weg aller Operettenlibretti und läßt in diesem farbigen Bilderbogen aus dem Paris der achtziger Jahre, dessen ständiger Szenenwechsel beinahe an eine Shakespeare-Bühne erinnert, nebst einigen immer aktuellen Streiflichtern auf soziale Probleme doch auch etwas vom Geist und Herz des großen französischen Erzählers durchschimmern. Bel ami mäht nicht nur die Frauen dahin-, er führt auch einen leidenschaftlichen Kampf gegen die Konvention der Korruption, nicht zuletzt aber gegen das morsch gewordene Klischee des heutigen Operettentheaters. Ein kluges, dezentes, sicherlich nicht unkünstlerisches Buch. Ist es in seinem fast absichtlichen Ausweichen der großen szenischen Wirkung und der schlagkräftigen Komik überhaupt ein Operettenbuch? Oder steht es, wie der Autor meint, am Anfang einer neuen Ära der Operette?

Die Musik hätte diese Frage vielleicht positiv beantworten können, wenn dem Komponisten Rudolf Kattnigg der große Wurf gelungen wäre. Wohl gibt es kleine und feine Melodien in sauberer, bisweilen sogar delikater Instrumentation, unter anderem ein beschwingtes Tanzduett, ein duftiges Chanson mit Chor, ein originellerweise von einer Frau gesungenes Couplet, einen flotten Cancan: durchwegs künstlerisch bemerkenswerte Arbeit, aber keinen großen Einfall, keine eruptive Inspiration, keinen wirklichen ´Schlager´, der nun doch das Lebenselixier der Operette von gestern, heute - und morgen ist."  

P.L.: Maupassant in leichtem Bühnenspiel, Uraufführung der "Bel-ami"-Operette im Raimundtheater. In: Wiener Kurier, Nr. 16, 20. Januar 1949.

 

"Den wirklichen und wahrhaftigen Versuch, der Wiener Operette eine erneuerte Form zu geben, unternahmen Rudolf Kattnigg, der erfindungsreiche Komponist, Fritz Eckhardt, der geschickte Librettist, Dr. Alfred Walter, ein temperamentvoller Regisseur. Der Start ging im Raimundtheater, wie gleich gesagt sei, mit bestem Erfolg und voller Befriedigung des Publikums vor sich. Der neue Herr des Hauses, Direktor Rudolf Marik, hatte freilich, wie es einstmals im Theaterbetrieb hieß, keine Mühen und Kosten gescheut, um durch Vollkommenheit der Aufführung, Glanz und Fülle der Schauslust, jenen Zustand leichter Betäubung, halber Berückung und ganzer Überzeugung ins Haus zu zaubern, jene Zeichen, in denen allein eine Operette siegt. Zahlreiche und geschmackvolle Bühnenbilder, ein berückender Glanz an Kostümen, entworfen von Reihs-Gromes, eine phantastische Choreographie, die alle Fesselns von Temeperament und Raserei löste, erfunden und trainiert von Elfi Kose, der Komponist, der sein Orchester feurig und gefühlvoll führte, dies zusammenwirkend, schufen also volle Wirkung und Eindruck."

-r.: Welturaufführung im Raimundtheater. In: Wiener Zeitung, Nr. 16, 20. Januar 1949.

 

 

Medien / Publikationen

 

Audio-Aufnahmen

  • "Bel Ami". Gesamtaufnahme, Studioeinspielung Wien 1959, mit dem Orchester des Wiener Rundfunks. Serie "Historische Tondokumente", LMS 5.01718, neu herausgebracht Line Music Hamburg 2013. (2xCD)

 

Literatur

  • Guy de Maupassant: Bel Ami. Roman. Nach der ersten deutschen Gesamtausgabe unter Hinzuziehung der französischen Originalausgabe. Illustrierte Gesamtausgabe in zwölf Einzelbänden, Band 5, Rastatt: Moewig 1978. (EA 1885)
  • Johannes Heesters: Es kommt auf die Sekunde an, Erinnerungen an ein Leben im Frack. Nach Gesprächen aufgezeichnet von Willibald Eser, München: Blanvalet 1978.
  • Marina Jamritsch: Rudolf Kattnigg, "Operettenkomponist wider Willen". In: Carinthia, Zeitschrift für geschichtliche Landeskunde von Kärnten, I/2019, Klagenfurt: Verlag des Geschichtsvereins für Kärnten 2019, Seite 631-663.

 

 

Kommentar


1960 kam ebenfalls im Raimund-Theater ein Musical mit Musik von Peter Kreuder zur Uraufführung, das ebenfalls "Bel ami" zum Titel hatte, "ami" jedoch kleingeschrieben. Außer der selben Vorlage haben die Werke nichts miteinander zu tun.

 

 

Empfohlene Zitierweise


"Bel Ami". In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. www.musicallexikon.eu

Letzte inhaltliche Änderung: 9. November 2020.