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Jedes Jahr im Mai

Operette in drei Akten (6 Bildern)


Musik von Herbert Kawan
Buch und Gesangstexte von Peter Bejach

 


Inszenierung


Uraufführung: 29. April 1954
Metropol-Theater, Berlin, DDR
 

  • Musikalische Leitung: Martin Velin
  • Regie: Hans Pitra
  • Bühnenbild: Hermann Kaubisch
  • Kostüme: Maria Uhlig
  • Choreographie: Anni Peterka
  • Chöre: Eugen Mayer-Rosa


Besetzung:

  • Rudi Jäger, Rennfahrer der DDR-Mannschaft: Ullrich Müller
  • Brigitte, seine Braut: Elisabeth Ebert-Dubsky
  • Werner Barth, Trainer der DDR-Mannschaft: Hans Rose
  • Freddy Meyer, Masseur der DDR-Mannschaft: Fred Kronström
  • Horst, Rennfahrer der DDR-Mannschaft: Werner Wittmar
  • Hannes, Rennfahrer der DDR-Mannschaft: Horst Wisotzki
  • Lothar, Rennfahrer der DDR-Mannschaft: Heinz Müller
  • Bernhard, Rennfahrer der DDR-Mannschaft: Paul Schröder
  • Erich, Mechaniker der DDR-Mannschaft: Bernhard Wegner
  • Paul, Mechaniker der DDR-Mannschaft: Ernst Kaul
  • Karl, Mechaniker der DDR-Mannschaft: Friedrich Wilhelm Euler
  • Walther, Mechaniker der DDR-Mannschaft: Otto Engler
  • Eugen, zweiter Masseur der DDR-Mannschaft: Bruno Loose
  • Jan Krolinski, Rennfahrer der polnischen Mannschaft: Alfons Schienmann / Karll-Heinz Kößler
  • Gary Sheffield, Rennfahrer der englischen Mannschaft: Joachim Hoyer
  • Pietro Bartoli, Rennfahrer der italienischen Mannschaft: Leo de Beer
  • Glorieux, Rennfahrer der französischen Mannschaft: Hans-Joachim Scholz
  • Ileana Georgescu, Fotosportreporterin aus Bukarest: Mariora Vaidas
  • Oskar, Rundfunkreporter: Wolfgang Borkenhagen
  • Jarmila, Leiterin des Tanzensembles a. d. CSR: Beatrix Kujau
  • Erste Tschechin, Tänzerin: Renate Böttger
  • Zweite Tschechin, Tänzerin: Waltraud Vorkastner
  • Bertha, Mitglied einer Betriebsdelegation: Cordy Milowitsch
  • Opitz, Mitglied einer Betriebsdelegation: Willy Krause
  • Max, Mitglied einer Betriebsdelegation: Alfred Schmidt
  • Ausländische Rennfahrer, Betreuer, Mechaniker, Fotoreporter, Zuschauer: [ohne Namensnennung]

 

 

Premierenchronik

DDR UA 29. April 1954 Metropol-Theater, Berlin

 

 

Inhaltsangabe

 

In der Operette "Jedes Jahr im Mai" geht es um die jährlich stattfindende sogenannte "Friedensfahrt", einem Radrennen von Warschau über Berlin nach Prag, das 1948 zum ersten Mal organisiert wurde und an dem auch Rennfahrer aus dem westlichen Ausland teilnehmen durften.

Die Handlung spielt in der Gegenwart. Rudi Jäger, der beste Fahrer im Team der DDR, hat während des Rennens eine Panne. Ihm wird von der rumänischen Fotojournalistin Ileana geholfen und zur Stärkung ein erfrischendes Getränk gereicht. Da dies gegen die Statuten verstößt, erhält er zehn Strafminuten. Erbost will er das Rennen abbrechen, zumal seine künftige Braut Brigitte ihm unterstellt, ein Verhältnis mit der Rumänin zu haben. Der Zusammenhalt und die Kameradschaft unter den Beteiligten indes bewegen ihn zum Schluss, unterstützt durch den "politisch bewussten" Trainer, seine persönlichen, individualistischen Verhaltensweisen zu überdenken und zu korrigieren. "Du vertrittst auch die Farben unserer Republik", hatte ihm der Trainer vorgehalten. Exemplarisch wird das Verhältnis von Individuum und Kollektiv thematisiert. Und auch Brigitte söhnt sich mit Rudie am Ende wieder aus.

(Wolfgang Jansen)

 

 

Kritiken


"Zweieinhalb Stunden lang wimmelt es auf der kleinen, jedoch seit Jahren recht ereignisreichen Bühne des Metropol-Theaters von Rennfahrern und Rennrädern, von Sportausdrücken und guter Laune. Die Friedensfahrt, just über die Straßen unseres und der benachbarten Länder ziehend, ist in die Operette eingegangen, die, nach Besuch und Beifall zu urteilen, den sprichwörtlichen Nagel auf den Kopf getroffen hat.

Die Operette ist also nicht nur zeitnah, sie ist aktuell geworden. Denn ´Jedes Jahr im Mai´ werden sich die Fahrer der Welt auf unseren Straßen treffen, nicht nur, um in zähem Ringen das Letzte aus Muskeln und Lungen herzugeben - sie werden in ihren bunten Trikots mit der Blütenpracht der durcheilten Länder wetteifern. Sie werden  Sportkameradschaft und Freundschaft von Volk zu Volk schließen und zu ihrem Teil der Kriegsdrohung die reale Kraft des Friedens gegenüberstellen. [...]

Der Librettist Peter Bejach und der Komponist Herbert Kawan wissen genau, was zur Operette gehört: je ein Kochlöffel Liebe und Humor, ein Eßlöffel voll Traurigkeit, eine Prise kniefreien Tanzes, je eine Handvoll Melodie und Rhythmus, gut durchgeschüttelt, und das Ganze verpackt in dem Zellophan von Ausstattung und Instrumentation, das in Zeiten des unehrlichen Operetteninhaltes zwar in Verruf gekommen ist, ohne das jedoch auch heute die Operette nur ein tränenreiches Brot wäre. [...]

Allen Bühnenkräften der Uraufführung war die Begeisterung anzumerken, bei einem so frischen, neuen Werk mitzuwirken."

J.W.: Operette von der Friedensfahrt, "Jedes Jahr im Mai": eine Uraufführung im Metropol-Theater. In: Berliner Zeitung, Nr. 111, 14. Mai 1954.

 

"Wirklich: Ein Lustspielstoff, wie wir ihn brauchen! Aber leider hat Peter Bejach kein Schauspiel daraus gemacht, sondern ein Operettenlibretto versucht. Und nun weiß man nicht - mal sitzt man im Schauspiel, und freut sich der recht guten Dialoge, dann kommt wieder Operette:
´Ja, dieser Zwischenfall,
Der ist dann sehr fatal,
Wenn solches überhaupt

Im Rennen nicht erlaubt.´ [...]

Schade, daß Bejach dann plötzlich mit großen Anfangsbuchstaben und Endreim zu ´dichten´ beginnt. Wozu? Seine Prosadialoge sind meist viel ´dichter´ und für die Komposition ist rhythmisches Maß wichtiger als ´reim dich´. An einigen Stellen ist der Text der Gesänge zu stark mit Inhaltsentwicklung beladen. [...]

Nicht, daß ein Operettenlibretto keine Schauspielqualitäten haben soll. Je mehr, desto besser. Aber es muß trotzdem Operette bleiben, das heißt, die Handlung muß locker gefügt und darf nicht überladen sein - sonst hat die Musik keinen Platz. [...]

Viel blieb für den Komponisten Herbert Kawan nicht mehr auszuführen, denn Bejach hatte außer seiner guten Textidee gleich noch eine ebenso gute musikalische: Zu einer internationalen Handlung gehören auch internationale Lieder. Und so werden italienische, rumänische, englische und slowakische Volkslieder gesungen, wo sonst der Komponist sich bemühen müßte. Da freut sich vor allem auch das Publikum. Das ist Musik, das schafft Atmosphäre, dient dem frischen und lebendigen Geist des Spiels, weckt fast Erinnerungen an Volksmusik-Ensembles! - Natürlich darf daraus nicht das neue Operettenrezept werden."

H. Schell: Friedensfahrer auf der Bühne, "Jedes Jahr im Mai" im Metropol-Theater Berlin. In: Neues Deutschland, Organ des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, Nr. 109, 11. Mai 1954.

 

"[Bejachs] Textbuch fehlt trotz der Behauptung seines Regisseurs das ´Vorwärtsdrängende der Handlung´. Im Gegenteil, diese Handlung ist nicht nur fadendünn, sondern, soweit sie Operette und nicht Sportreportage sein will, auch ohne neue Einfälle. Auch an der Situationskomik gibt es keinen neuen Zug. [...]

Zwar weiß auch der Autor, daß sich das Publikum vor allem unterhalten und freuen will. Er versuchte deshalb, die Möglichkeiten zu schaffen, ´daß sich Musik, Gesang und Tanz ganz selbstverständlich aus Milieu und Inhalt ergeben´. Diese Möglichkeiten schuf aber nicht er durch eine originell geführte Operettenhandlung, sondern sie liegen in den Beispielen der internationalen Solidarität, die den Sieg des Gemeinschaftsgeistes über fatale persönliche Motive herbeigeführt und damit dieser Operette überhaupt erst die, wenn auch, künstlerisch gewertet, recht bescheidene, Daseinsberechtigung gibt. Denn alle diese vertiefenden Momente verbinden sich nicht organisch mit und zu dem Wesen einer Operette und vermögen auch zu ihrem Teil das Bejachsche Werk nicht auf das Niveau zu heben, das es als Ganzes und um der Idee der Friedensfahrt willen haben müßte, das aber, wie oben schon gesagt, nur ein Spielfilm dieser Gattung erreichen könnte. Wenn das Libretto dieser Operette im Dramatikerwettbewerb 1953 auch eine Auszeichnung erhielt - von einem ´weiteren Schritt in der Entwicklung der neuen Operette´, wie das Metropol-Theater meint, kann hier nicht gesprochen werden.

Auch Herbert Kawans Musik ist auf weite Stecken herkömmlich, hat aber in zwei Chorliedern beachtenswerte Höhepunkte. Das Beste an der Partitur sind die aus fremden Volksliedgut (Italien, Rumänien, England und Slowakei) übernommenen Gesänge. Der slowakische Nationaltanz ist auch das Beste unter den Tanznummern, in deren übriger Besetzung die Herren in den neckischen kurzen, weißen Höschen allerdings reichlich feminin wirken."

Alfred Maderno: Liebe tritt in die Pedale, "Jedes Jahr im Mai", die neue Operette des Metropol-Theaters. In: Der Morgen, Nr. 104, 5. Mai 1954.

 

 

Medien / Publikationen

 

Literatur

  • Klaus Ulrich: Die große Fahrt. Berlin (DDR): Sportverlag 1977.
  • Jost Lehne: Der Admiralspalast, Die Geschichte eines Berliner "Gebrauchs"-Theaters. Berlin-Brandenburg: be.bra 2006.
  • Ines Hahn: Die alten Operetten vergessen machen, Erneuerung des unterhaltenden Musiktheaters. In: "... daß die Musik nicht ohne Wahrheit leben kann", Theater in Berlin nach 1945 - Musiktheater". Hrsg.: Stiftung Stadtmuseum Berlin: Henschel 2001, Seite 112-115.

 

 

Kommentar

 

In dem von der Staatlichen Kommission für Kunstangelegenheiten der DDR durchgeführten Wettbewerb für zeitgenössische Dramatik 1953 erhielt Peter Bejach für sein Libretto von "Jedes Jahr im Mai" den dritten Preis.

 

 

Empfohlene Zitierweise

 
"Jedes Jahr im Mai". In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. www.musicallexikon.eu

Letzte inhaltliche Änderung: 25. Oktober 2020.