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Der Mann von La Mancha (Man of La Mancha)

Musical


Musik von Mitch Leigh
Buch von Dale Wasserman 
Gesangstexte von Joe Darion 
Deutsche Übersetzung von Robert Gilbert

 

 

Inszenierung


Deutschsprachige Erstaufführung: 4. Januar 1968
Theater an der Wien, Wien, Österreich

  • Musikalische Leitung: Johannes Fehring
  • Regie: Dietrich Haugk
  • Regieassistent: Michael Harnisch
  • Bühnenbild (nach Howard Bay): Gerhard Hruby
  • Kostüme (nach Howard Bay und Patton Campbell): Birgit Hutter
  • Choreografie (nach Jack Cole): Lola Braxton

 

Besetzung:  

  • Don Quixote / Cervantes: Josef Meinrad
  • Sancho / Diener: Fritz Muliar
  • Hauptmann: Tino Schubert
  • Aldonza: Blanche Aubry
  • Der Gastwirt / Gouverneur: Norman Foster
  • Dr. Carrasco / Herzog: Frank Dietrich
  • Der Padre: Egon Simonet
  • Antonia: Brunhilde Feuchtmaier
  • Die Hasuhälterin: Bianca Zambelly
  • Der Barbier: Carlo Lando
  • Maultiertreiber: Rudolf Katzböck, Jörg Maria Berg, Berno Cramm, Hannes Müller, Harald Sielaff, Rudolf-Walter Wasserlof
  • Maria, Frau des Gastwirts: Hansi Prinz
  • Fermina, Dienstmädchen: Helga Schöller
  • Maurin: Lola Braxton
  • Die Pferde: Gerald Florian, Paul Drazdil
  • Gitarrist: Robert Wolff

 

 

Premierenchronik

USA UA 22. November 1965 ANTA Washington Square Theatre, New York
A Dspr. EA 4. Januar 1968 Theater an der Wien, Wien
GB EA 24. April 1968 Piccadilly Theatre, London
D EA 10. September 1968 Theater am Kurfürstendamm, Berlin
CH EA 16. November 1969 Stadttheater Basel
DDR EA 8. Oktober 1972 Brandenburger Theater, Brandenburg

 

 

Inhaltsangabe


Der Dichter Miguel des Cervantes, der aufgrund ketzerischer Bemerkungen und vieler Geldgeschichten bereits mehrfach hinter Schloss und Riegel saß, wird erneut zusammen mit seinem Diener im Kellerverlies eingesperrt. Nach dem Brauch in diesem Gefängnis müssen sich die Neuankömmlinge - während die Inquisition ihre Vorbereitungen für das Verhör trifft - auch vor den Mitgefangenen rechtfertigen für ihr Tun, ihr Vergehen, an dessen Ende - wie in der oberen Welt - selbstverständlich die Verurteilung steht. Um sich zu verteidigen, beginnt Cervantes die Geschichte von Don Quixote zu erzählen, zu spielen, mit den Mittteln und Gegenständen in der Zelle, mit Verteilung der Rollen unter den Mitgefangenen, Theater auf dem Theater, immer wieder durchbrochen durch Einwürfe der Gefangenen oder das Auftauchen der Wärter. 

Mit seinem Diener Sancho Pansa ist Don Quixote unterwegs, die Tugenden des Rittertums in die Welt zu tragen, das Schlechte zu bekämpfen, das Gute zu stärken und die Frauen zu ehren. In einer Windmühle erkennt er den großen Magier, den er vergeblich versucht zu besiegen, aus einer Schenke wird in seiner Wahrnehmung eine erhabene Burg und aus der Küchenhure Aldonza das edle Fräulein Dulcinea. Sancho Pansa ist realistischer, weist seinen Herrn auf die wahren Zustände hin, doch trotz aller Misslichkeiten, die aus dem Zusammenprall von Idealen und Wirklichkeit entstehen, hält er ihm die Treue. In der Schenke treffen sie auf Viehhirten, die sich boshaft an Aldonza vergehen, als Don Quixote ihnen mit seiner Dulcinea-Anbetung lästig wird. Noch als er komplett ausgeraubt wird, lässt er sich nicht von seiner Aufgabe, für das Gute zu streiten, abbringen. Erst ein rationalistischer Arzt, der ihm im Spiegel seine eigene bizarre Hässlichkeit zeigt, besiegt den "Ritter von der traurigen Gestalt". Er zwingt ihn aufs Sterbebett, der Kampf um das Gute scheint verloren. Als jedoch Aldonza kommt, begleitet von Sancho, ihn an seinen Traum erinnert, ihm offenbart, dass er aus ihr einen anderen Menschen gemacht habe, da erhebt er sich noch einmal, seiner Aufgabe gewiss: "to fight the unbeatable foe".

Zum Schluss akzeptieren die Mitgefangenen Cervantes´ Verteidigung und raten ihm, vor der Inquisition, die ihn holt, ebenso klug und geschickt zu argumentieren wie bei ihnen.

(Wolfgang Jansen)

 

 

Kritiken

 

"Neugierige, an die Kassa! Aber auch: Meinrad-Freunde, Achtung! An der Wien ist was los! Und allen anderen, denen es nichts ausmacht, wenn ihnen an einem Theaterabend nicht bloß einmal die Luft wegbleibt, darf die Begegnung mit dem ´Mann von La Mancha´ gleichfalls dringlich empfohlen werden. Er bietet, ist man einmal zu Atem gekommen, mehr Gesprächsstoff als alle Wiener Premieren dieser Saison zusammengenommen. Das Publikum, vom pausenlos durchgespielten Stück immer stärker okkupiert, immer heftiger zur Szenenbeifall herausgefordert, ließ seine Hochspannung in befreienden Schlußapplaus einmünden, wie er auch erfolgreichen Premieren in solcher Vehemenz und Dauer ganz selten beschieden ist. 

Was wird denn nun gespielt? Ein neues Stück, gewiß, und ein sehr gutes sogar, aber auch ganz und gar unalltägliches Theater, wie es ein so außergewöhnliches Werk seinem Geist, seiner Form entsprechend provozieren muß. [...]

Ein Musical, das Ganze? Ja, wenn man den Begriff weit faßt. Wenn man in ihn das Visionäre nicht nur als optisches Zaubermittel hineinpackt, und dazu Phantasie und - Phantasien, die Don Quixote das Leben erst erträglich machen, und Humor, der nichts mit Klamauk, wohl aber mit Weisheit und Güte zu tun hat. Dann freilich ist dieser ´Mann von La Mancha´ das tollste Musical, das es je gab (und geben wird). Wie es anders auch nicht sein konnte bei der verwegenen Vermengung des epischen Don-Quixote-Stoffes mit den Elementen des totalen Theaters von heute. Eines totalen Theaters, das nicht schwitzt, das auf selbstgenügsame Effekte verzichtet. Eines Theaters, das moralische Anstalt ist und dennoch kein Brutplatz der Langeweile, weil es der Poesie des Übersinnlichen ebensowenig enträt wie der Drastik und Derbheit des Sinnlichen, ja dem brutalen Sex."

Herbert Schneider: Vor Versäumnis wird gewarnt, Seit gestern an der Wien: "Der Mann von La Mancha" mit Meinrad, Aubry, Muliar. In: Kurier, 5. Januar 1968.

 

"Don Quixote, der fahrende Ritter, der Ritter von der traurigen Gestalt, des großen Dichters Cervantes geniale Schöpfung, ist, in einem weit grandioseren Sinn als unser Kaiser Maximilian, der Letzte Ritter: in ihm kämpft sich, gegen Windmühlen und Spiegel anreitend, das Mittelalter, der feudale Idealismus zu Tode - von seinem letzten Getreuen, dem Bauernknecht Sancho, dem Eselsberittenen, begleitet. [...]

Doch ist das Musical, der Problematik des echten Don Quixote unfern, durchaus positiv als Schöpfung dieser Zeit zu bewerten. Dale Wasserman erzählt in effektvollen Bildern die Geschichte des modernen Verfechters seiner Ideen und Ideale, eines, der eingreifen, der die Welt verändern, sie seinem edlen Traum angleichen will, in einer Umwelt von Tröpfen, die ihre Banalität für Realität halten. Und er läßt folgerichtig seinen Don Quixote - im Gegensatz zu dem des Cervantes, der auf dem Sterbebett von seinem Wahn geheilt wird - siegen. Der ´Wahn´, die Welt nach dem Maß des träumenden Menschen verändern zu können, bleibt siegreich. Das ist schon sehr viel. Nennt mir ein Musical, aus dem ganzen nun schon recht üppig bestellten Genre, das auch nur annähernd so etwas zu bieten hätte."

Edmund Th. Kauer: Don Quixote von New York. In: Volksstimme, 6. Januar 1968.

 

"Josef Meinrads Don Quixote ist von solch zerbrechlicher und rührender Herzenseinfalt und schon von der Erscheinung her so identisch mit der literarischen Figur, daß man sich seinem Zauber nicht entziehen kann. Daß seine Stimme an manchen Stellen nicht ganz ausreicht, daß er, wo ein Sänger mit harten und hohen Tönen blenden könnte, Stimme und Spiel zurücknimmt, daß er die Wirkung in der Stille sucht und dabei eine Vielfalt schauspielerischer Nuancen einzusetzen hat, adelt die Rolle und das Stück. Was dabei als Einbuße angerechnet werden könnte, ist auf der anderen Seite als Gewinn, als Vertiefung des Eindrucks zu verbuchen. 

Neben Meinrad agiert ein Naturereignis namens Blanche Aubry als Aldonza-Dulcinea. Vital und ordinär, derb und verhurt am Anfang, in den Händen der Maultiertreiber ein Stück mißbrauchten und geschundenen Fleisches und schließlich von einer Zartheit, die nach solcher Vorbereitung glaubhaft zu erspielen hohe Darstellungskunst bezeugt. Dazu noch eine Stimme, die absichtsvoll und kontrastierend zur Figur von Anfang an im Schöngesang eingesetzt wird, obgleich sich der Gedanke aufdrängt, diese herausfordernde Schlampe ihre Eindeutigkeiten (´Mir ist jeder recht!´) in aggressivem Sprechgesang vortragen zu lassen. 

Dietrich Haugks oft grelle und scharfe, dann wieder breit ausschwingende Inszenierung gönnt dem Zuschauer keine Pause. Auf Gefälliges wird weitgehend verzichtet, die Brutalität drastisch herausgearbeitet."

Kurt Kahl: Don Quixote im Musical, Dale Wasserman "Der Mann von La Mancha" deutsche Erstaufführung Theater an der Wien. In: Theater heute, Heft 2, Februar 1968.

 

 

Medien / Publikationen


Audio-Aufnahmen

  • "Der Mann von La Mancha". Originalaufnahme der deutschsprachigen Erstaufführung im Theater an der Wien, Studio-Einspielung, Wien 1968, Polydor 249 219 (Vinyl,1xLP)

 

Literatur

  • Miguel de Cervantes Saavedra: Leben und Taten des scharfsinnigen Edlen Don Quixote von la Mancha. Übersetzt von Ludwig Tieck, Wiesbaden: Vollmer 1975.
  • Peter Back-Vega: Theater an der Wien, 40 Jahre Musical. Wien: Amalthea 2008.
  • Wolfgang Jansen: "Die Yankees am Hof des Königs Cervantes", Zur deutschsprachigen Erstaufführung von Mitch Leighs ´Man of La Mancha´ 1968 in Wien. In: Ders.: Musicals, Geschichte und Interpretation. Gesammelte Schriften zum populären Musiktheater, Band 1, Münster u.a.: Waxmann 2020, Seite 250-255.

 

 

Kommentar

 
Das Musical basiert auf einem Fernsehspiel von Dale Wasserman mit dem Titel "I, Don Quixote" und auf dem Roman "Leben und Taten des scharfsinnigen Edlen Don Quixote von la Mancha" von Miguel de Cervantes Saavedra aus den Jahren 1605 und 1615.

Die deutsche Erstaufführung im Berliner Theater am Kurfüstendamm war ein Gastspiel der Wiener Produktion.

 

 

Empfohlene Zitierweise

 
"Der Mann von La Mancha" ("Man of La Mancha"). In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. www.musicallexikon.eu

Letzte inhaltliche Änderung: 11. November 2020.