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Bolero

Komische Oper in drei Akten


Musik von Eberhardt Schmidt 
Buch und Liedtexte von Otto Schneidereit  

 

 

Inszenierung


Uraufführung: 15. September 1952  
Metropoltheater, Berlin, DDR

  • Musikalische Leitung: Martin Velin
  • Regie: Herbert Henze
  • Choreografie: Anni Stoll-Peterka
  • Bühnenbild: Hermann Kaubisch
  • Kostüme: Maria Uhlig
  • Chor: Willi Lege

 

Besetzung:  

  • Daraxa, ein maurisches Mädchen: Ingeborg Hartmann 
  • Manuel de García, ein Dichter: Alexander Miltschinoff 
  • Fajardo, ein Bauer: Alfons Schienemann 
  • Léon, sein Hütejunge:Rolf Ludwig
  • Don Pedro de Castro, Graf von Sarria: Richard Rau
  • Bellardo, sein Sekretär:Rudolf Döring
  • Perez, Alcalde von Argamasilla: Manfred Schäffer
  • Quijada, Hauptmann der Wachen: Guido Goroll
  • Antonio, Wirt: Gerd Niemar
  • Laura, seine Frau: Jola Siegl
  • Teresa, beider Tochter: Marioara Vaidas
  • Juan, Angehöriger der Wachen:

 

 

Premierenchronik

DDR UA 15. September 1952 Metropoltheater, Berlin

 

 

Inhaltsangabe


"Ein kostbares Spitzentuch erregt die Besitzgier des Markgrafen. Es wird dem armen Mädchen, dem es gehört, gestohlen. Daraxa kann ihre Steuerschulden nicht bezahlen. Außerdem ist sie maurischer Abstammung und hängt ihrem Glauben an, was sie zur ´Ketzerin´ stempelt und den Schrecken der Inquisition heraufbeschwört. All das droht ihr zum Verhängnis zu werden. Vergeblich fordert sie ihr Recht. Der Dichter versucht ihr zu helfen, doch erreicht er als einzelner nicht mehr, als daß auch er ins Gefängnis kommen soll. Erst an dem mutigen Eingreifen der Bauern scheitert der schlimme Plan. Daraxa erhält ihr Tuch zurück und den Dichter dazu."

(aus: I.Sch.: "Bolero" ist ein Schritt nach vorn, Lebhafte Zustimmung für Eberhardt Schmidts neue Operette im Metropol-Theater. In: B.Z. am Abend, Nr. 222, 23. September 1952) 

 

 

Kritiken

 
"Ist der ´Bolero´ eigentlich eine Operette? Vielmehr gehört er zur Spieloper. Doch auf das Etikett kommt es nicht an. Die gute Tradition sowohl der klassischen Operette historischen Inhalts als auch der Spieloper ist mit diesem Werk fortschrittlich aufgenommen. Und diesen Eindruck verstärkt die Musik von Eberhardt Schmidt. Wir kennen diesen begabten Komponisten als  Verfasser frischer, vielgesungener Massenlieder, von denen ´Fritz, der Traktorist´ und das Eisenbahnerlied die beliebtesten wurden. Zum ersten Male hat er nun eine solche große Aufgabe bewältigt, und es ist ihm hervorragend gelungen. Die Liebe zum spanischen Volk, das jetzt wieder unter dem Terror leidet, hat ihm die Musik beflügelt. Als Mitkämpfer der Internationalen Brigaden lernte er seinerzeit die feurigen Weisen des spanischen Volkes kennen. Im ´Bolero´ konnte er sie auswerten, nicht kopierend, sondern aus den Intentionen der Lieder und Tänze eigenes schaffend. Nur im langsamen Mittelteil der lebhaft ansprechenden Ouvertüre verwendete er ein original spanisches Lied. Schon an der wirkungsvollen Instrumentation dieser Ouvertüre ist zu spüren, wieviel Schmidt gelernt hat. Das Stück enthält 18 ´Nummern´, darunter drei große Finales mit Ensemble und Chor, das erste verklingend, das letzte mit dem Aufschwung des strahlenden Optimismus. Es gibt lyrische und lustige Duette, die durch ihre schlichte, liedhafte Art gefallen. Hervorzuheben ist das groteske Terzett der Schurken: Alkalde, Hauptmann und Gastwirt, dann das inhaltsreiche Lied Manuels von der Aufgabe der volksverbundenen Kunst und die beschwingten spanischen Tänze, besonders der Bolero. Aus dieser Msuik spricht eine edle, gerade und offenherzige Gesinnung, die wohltuend wirkt." 

Carl Friedrichs: Der Durchbruch ist geschafft, Erfolgreiche Uraufführung der Operette "Bolero" im Metropol-Theater. In: National-Zeitung, Nr. 219, 19. September 1952.

 

"Der Dichter Cervantes und Lope de Vega im Mittelpunkt einer Operette - das ist kühn. Ein Tenor, der in seinem ´Schlager´ nicht die Liebe besingt, sondern über das Verhältnis zwischen Kunst und Leben meditiert - das ist beinahe verwegen. Ein Tanz, ein Bolero, der nicht zärtliches Werben zwischen Mann und Frau ausdrückt, sondern trotziges Aufbegehren und Revolution - das ist revolutionär. Die Verfasser der Operette ´Beloreo´, die soeben im Berliner Metropol-Theater ihre Uraufführung erlebt hat, Otto Schneidereit und Eberhardt Schmidt, haben dieses Wagnis unternommen. Wieweit ist es ihnen gelungen? 

Schneidereit wollte natürlich nicht zwei Berühmtheiten auf die Bühne stellen, um sie  zu verkitschen, wie das eine alte und schlechte Operettenpraxis oft genug tat. Er will Wichtigeres. Die beiden Dichter, die sozusagen anonym auftreten (sie tragen im Personenverzeichnis andere Namen), sollen der Ausdruck ihrer Zeit sein. Der Librettist entwirft ein Bild des Spanien von 1599, eines Spanien, das unter der feudal-kirchlichen Herrschaft schmachtet; er stellt Spaniens Land und Leute auf die Bühne, zeigt, wie die Bauern von Argamasilla sich trotzig gegen die Ausbeutung auflehnen und versuchen, das harte Joch abzuschütteln. [...] Mit diesen Menschen kommen die beiden Dichter in Berührung; Cervantes steht auf seiten der aufständischen Bauern, Lope de Vega steht im Lager der Aristokratie. Aber auch er wird nachdenklich. Unentschlossen tritt er ab. Cervantes aber stimmt mit den Bauern und Hirten in die große Hymne ein, die dem Vaterland, der Arbeit und der Freiheit gilt.

Es kann keinen Zweifel darüber geben, daß es Schneidereit gelungen ist, mit den Mitteln der Bühne ein Zeitbild zu entwerfen, das kräftige Konturen hat. Geschichte wird lebendig und rührt uns Menschen einer späteren Zeit unmittelbar an. Die Mittel der Bühne sind in diesem Falle die Mittel der Operette. Schneidereit respektiert ihre Gesetze, indem er der lyrischen Betrachtung Raum läßt wie auch natürlich dem Tanz. Der Gegenstand und seine Behandlung weisen andererseits über die Form der Operette hinaus, führen hinein in die Oper (die so oft, mehr als es die bürgerlichen Aesthetik wahrhaben will, gesellschaftskritisch war), in eine ernste Oper mit komischen Einlagen."

Karl Laux: Operette um Cervantes und Lope de Vega, "Bolero" im Metropol-Theater. In: Tägliche Rundschau, 28. September 1952.

 

"Die Premiere von Eberhardt Schmidts und Otto Schneidereits ´Bolero´ im Berliner Metropol-Theater war ein durchschlagender Publikumserfolg. Rund 40 Vorhänge und davon die letzten zehn nicht etwa von einem im Halbrund um die Bühne versammelten Häuflein unentwegter ´Premierentiger´ kleckernd zusammengeklatscht, sondern von einem bis ganz hinten noch fast vollen Saal erzwungen. Also ein echter, großer Erfolg. Ein berechtigter dazu. [...]

Wir haben im ´Bolero´ einen der seltenen Fälle, in denen Libretto und Musik gleichwertig und von gleicher Wesenart sind. Das Buch Otto Schneidereits ist mit Ernst und Können gearbeitet, es ist ein dramatisches Werk. [...] Zu diesem Buch kommt die Musik Eberhardt Schmidts, der von der gleichen politischen und künstlerischen Haltung her an die Vertonung ging. [...]

Dennoch war der Bolero, der dem Werk seinen Titel gibt, der musikalische Höhepunkt des Abends. Aber er war - und das ist das dramaturgisch Beispielgebende - auch der Höhepunkt der Aufführung: ein Zeichen, daß dieser Bolero nicht nur von Anni Stoll-Peterka choreographisch meisterhaft angelegt und von der großen Künstlerin Rita Zabekow hinreißend angeführt getanzt wurde,  sondern daß er auch von Autor, Komponist und Regisseur aus der Handlung als Gestaltungselement organisch entwickelt worden war. Das war getanzter Klassenkampf, nicht mißdeutbar als solcher empfunden und auch von einem Publikum, das großenteils jegliche ´Politik´ im Operettentheater verpönt, allbabendlich mit stürmischer Zustimmung aufgenommen."

Th.d.Z.: "Bolero" von Eberhardt Schmidt und Otto Schneidereit am Metropoltheater Berlin. In: Theater der Zeit, Nr. 20, 2. Oktoberheft, 1952, Seite 27-29.

 

 

Kommentar

 
Bislang liegt das Programmheft nicht vor, so dass die Angaben zur Cast der zeitgenössischen Presse entnommen wurde.

Später nahmen die Autoren eine Neufassung vor, bei der die Gattungsbezeichnung in "Operette" umbenannt wurde. Premiere war am 19. Oktober 1958 im Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz.

 

 

Empfohlene Zitierweise

 
"Bolero". In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. www.musicallexikon.eu

Letzte inhaltliche Änderung: 29. Oktober 2020.