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Treffpunkt Herz

Lustspiel-Operette in 3 Akten


Musik von Herbert Kawan 
Buch und Gesangstexte von Peter Bejach  

 

 

Inszenierung


Uraufführung: 19. Dezember 1951
Metropoltheater Berlin, DDR

  • Musikalische Leitung: Martin Velin
  • Regie: Peter Bejach
  • Choreografie: Anni Stoll-Peterka
  • Bühnenbild: Hermann Kaubisch
  • Kostüme: Maria Uhlig
  • Chöre: Willi Lege

 

Besetzung:  

  • Hans, Bahnhofsvorsteher von Kreuzdorf: Gerd Pallesche
  • Florian Babaschke, Bahnhofswirtin und Vorsitzender des Gesangsvereins: Guido Goroll
  • Ursula, seine Tochter: Ingeborg Hartmann
  • Hein und Fietje, zwei Hamburger Zimmerleute: Heinz Müller, Rolf Ludwig
  • Friedrich-Wilhelm Lustig, ein Herr aus Köln am Rhein: Fred Kronström
  • Bärbel, seine Tochter: Margot Pretell
  • Margarita Capella, Boß einer Ballett-Truppe aus München: Cordy Milowitsch
  • Gusti, Captain-Girl der Ballett-Truppe: Erika Grajena

 

Mitglieder der Ballett-Truppe:

  • Möpschen: Christel Henning
  • Krümel: Gisela Fielauf
  • Stupps: Margot Grohé
  • Storch: Sonja Ziebarth
  • Professor: Annemarie Kuznitzky
  • Mohrchen: Gerta Neumann

 

Mitglieder des Kreuzdorfer Gesangsvereins:

  • Erich: Werner Wittmar
  • August: Willy Krause
  • Hugo: Bernhard Wegner
  • Fritz: Eberhard Guth
  • Mathilde: Erna Alberty
  • Gustav: Herbert Frenzel

 

  • Martin Brandt, ein Herr aus Berlin: Joachim Hoyer
  • Erster Fahrgast: Heinz Zöllner
  • Zweiter Fahrgast: Alfred Schmidt
  • Dritter Fahrgast: Richard Rau

 

 

Premierenchronik

DDR UA 19. Dezember 1951 Metropoltheater, Berlin

 

 

Inhaltsangabe


Die Handlung spielt in der seinerzeitigen Gegenwart, 1951, in dem Fantasiestädtchen Kreuzdorf, auf dem dortigen Bahnhof. Der Held der Geschichte heißt Hans und ist der Bahnhofsvorsteher. Er findet es volkswirtschaftlich schädlich, dass die Züge 15 Minuten Aufenthalt haben, weil sie auf den jeweiligen Anschluss warten müssen. Er entwickelt daher einen Verbesserungsvorschlag, den er dem Vertreter der Deutschen Reichsbahn zukommen lässt. In Berlin überzeugt man sich von der Qualität seines Vorschlags und kündigt die Veränderung des Fahrplans an.

Noch freilich gibt es Personen, die ihre Privatinteressen vor das Gemeinwohl stellen. So die kleinen Geschäftsinhaber am Bahnhof, die eine Gastwirtschaft oder einen Zeitungsladen betreiben. Sie profitieren davon, wenn die Züge halten und die Fahrgäste bei ihnen einkaufen kommen. Fast zwangsläufig sind sie gegen die Neuerung. Verwicklungen treten auf, weil Hans ausgerechnet die Tochter des Gastwirts liebt, der ihr aus Abneigung gegen diesen sozialistischen Aktivisten jeglichen Umgang mit ihm untersagt. Zum Schluss liegt das Liebespaar dennoch einander in den Armen, und auch der neue Fahrplan kommt. 

(Wolfgang Jansen)

 

 

Kritiken

 
"Intendant Hans Pitra, der sich schon bisher intensiv um eine zeitnahe Operette bemühte, ist ein tüchtiges Stück vorwärtsgekommen. Wir wollen nicht verschweigen, daß ´Treffpunkt Herz´ noch die die neue Operette ist, aber entscheidende Ansätze sind vorhanden. Die Fahrplanverbesserung im Sinne der Leistungssteigerung ist ein Thema, das sich leitmotivisch durch das ganze Werk zieht. Außerdem ist dieser Bahnhof in Kreuzdorf nicht nur ein Treffpunkt der Herzen, sondern auch ein Treffpunkt der Menschen aus allen Teilen Deutschlands. Sie finden ganz selbstverständlich zueinander, ob sie nun aus München, Köln, Hamburg oder Berlin kommen, der Gedanke der Einheit Deutschlands wird für alle deutlich und verständlich.

Außerdem ergibt sich aus dem Stück eine interessante praktische Diskussion um die Volkskunst an Hand der Gesangsübungen des Kreuzdorfer Sängervereins. Ihrer Liedertafelei setzen der junge Bahnhofsvorsteher und die beiden Hamburger Zimmerleute die wahre Volkskunst mit den besten deutschen Volksliedern entgegen. Doch dies leider nur in der Absicht. Erst am Schluß läßt der Komponist, der tüchtige Kapellmeister des Metropol-Theaters, Herbert Kawan, einige Volksweisen aufklingen. Im übrigen aber beschränkt er sich auf eine untermalende Musik ohne klar eigene Konturen."

Leo Berg: Umsteigebahnhof Operette, Uraufführung von "Treffpunkt Herz" im Metropol-Theater. In: Berliner Zeitung, Nr. 295, 20. Dezember 1951.

 

"Eine originelle Idee war es, als Schauplatz einen Umsteigebahnhof (offenbar nahe der Zonengrenze) namens Kreuzdorf zu wählen. Das ergibt natürlich bunte szenische Möglichkeiten. Die Konstruktion des Librettos versucht doch bei aller Hilfsstellung gewohnten Beiwerks eine reale Verbindung mit den Problemen unserer Tage herzustellen. In dem Bahnhofsvorsteher, der die Idee seiner Fahrplanreform hartnäckig gegen den um seine Geschäftsinteressen besorgten Bahnhofswirt nebst Anhang vertritt und durchsetzt, klingt das verantwortungsbewußte Verbesserungsstreben des werktätigen Menschen, die neue Einstellung zur Arbeit durch. Rings herum ranken sich dezente Liebesgeschichten im Stile der erprobten Verkleidungs- und Eifersuchtsschablone, und der Bahnhof wird nicht nur zum Treffpunkt sich findender Herzen, sondern auch deutscher Menschen aller Mundarten und landschaftlicher Eigentümlichkeiten.

Der Kapellmeister des Hauses, Herbert Kawan, hat eine Musik beigesteuert, die geschmackvoll und sauber gearbeitet ist, ohne ein durchschnittliches Niveau zu überragen. [...]

Das Premierenpiublikum erwärmte sich zusehends an der Neuigkeit und spendete am Schluß dem Autor, dem Komponisten und allen Mitwirkenden reichlichen Beifall."

H.L.: Operettenschauplatz Umsteigebahnhof. In: Neue Zeit, Tageszeitung der Christlich-Demokratischen Union Deutschlands, 20. Dezember 1951.

 

"Mit diesem Stück kann das Metropoltheater die ersten positiven Schritte auf dem Wege zur Erneuerung der Operette für sich verbuchen. Weil endlich das Leben auf der Bühne steht, weil Fragen behandelt werden, die uns bewegen, mit denen wir täglich zu tun haben, und die uns noch oft in unserer Arbeit hemmen und mißmutig stimmen. Zweifellos ist es von gesellschaftlichem Interesse, wenn die Fahrpläne der Eisenbahnen diskutiert und Vorschläge zur Verbesserung gemacht werden. Es hat für uns alle Bedeutung, wenn aufgeschlossene Menschen Engstirnigkeit und rückschrittliche Einstellungen bekämpfen. Wer wollte behaupten, daß die Einheit unseres Vaterlandes ihn nicht interessiert? Das sind die Fragen, die im Mittelpunkt des neuen Werkes stehen. Ort der Handlung sind nicht die Salons degenerierter Nichtstuer, Halbweltkaschemmen und Luxusjachten, sondern der Rahmen für viele turbulente Bilder ist ein kleiner Umsteigebahnhof im Spreewald. Die Menschen, die sich hier zwangsläufig treffen, kommen aus allen Teilen Deutschlands. [...]

Leider ist es den Autoren nur zum Teil gelungen, dem Inhalt auch die richtige Form zu geben. Wenn der fortschrittlichen Idee ausgetretene Stiefel der schlechten Operette angezogen werden, muß die künstlerische Einheit des Stückes unweigerlich darunter leiden. Peter Bejach gibt den Menschen eine Sprache, die mit billigen Witzen durchsetzt ist und oft banal und zweideutig klingt. Das zeugt von einer sehr mangelhaften Durcharbeitung des Textbuches und einer Spekulation auf den Beifall kritikloser Zuschauer. Viele dieser Plattheiten wären sicher vermieden worden, wenn ein Kollektiv kritisch an die Bearbeitung gegangen wäre und Bejach als Textdichter nicht auch gleichzeitig die Inszenierung übernommen hätte. Für die Choreographie zeichnet Anni Stoll-Peterka verantwortlich. Sie hat die Möglichkeiten, die dem Ballett geboten waren, nur ungenügend ausgenutzt. Warum ist es nicht möglich, in einem neuen Werk mit fortschrittlicher Tendenz Volkstänze sauber und unverfälscht aufzunehmen? Mit einem Gemisch von Volkstanz und Operettenballett alter Prägung wird unserer Volkskunst ein schlechter Dienst erwiesen. Das trifft auch auf die Musik von Herbert Kawan zu, die routiniert gemacht ist und von der alten Schablone nur schwer loskommt."

H.Kn.: "Treffpunkt Herz", Ein Schritt auf dem Wege zur Erneuerung der Operette. In: Neues Deutschland, Organ des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschkands, Nr. 4, 5. Januar 1952.

 

 

Empfohlene Zitierweise

 
"Treffpunkt Herz". In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. www.musicallexikon.eu

Letzte inhaltliche Änderung: 22. Oktober 2020.