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Heidi [Dessau]

Musical nach dem Roman und der Lebensgeschichte der Johanna Spyri


Musik von Stephen Keeling 
Buch und Liedertext von Shaun McKenna 
Deutsche Übersetzung von Anja Hauptmann

 


Inszenierung


Deutsche Erstaufführung: 8. Dezember 2006
Anhaltisches Theater Dessau, Bundesrepublik Deutschland
 

  • Regie: Ana Christine Haffter
  • Originalidee und Instrumentation: Stefan Mens
  • Musikalische Leitung: Wolfgang Kluge
  • Bühnenbild und Kostüme: stefani Klie
  • Chor: Helmut Sonne


Besetzung:

  • Johanna Spyri: Sue Mathys
  • Johann Spyri: Pavel Šafář
  • Bernhard Spyri: Kai Bronisch
  • Hedwig Kappeler: Jagna Jedrzynska-Rotkiewicz / Cornelia Marschall
  • Alpöhi: Manfred Ohnoutka
  • Heidi: Svenja Kruse
  • Kleine Heidi: Hannah Fricke
  • Peter: Christoph Rosenbaum
  • Kleiner Peter: Tizian Steffen
  • Frl. Rottenmeier, Haushälterin: Silke Wallstein
  • Grossmutter: Ellen-Jutta Poller
  • Tante Dete: Anne Weinkauf
  • Brigitte: Ulrike Hoffmann / Manja Freitag
  • Pfarrer: Dorin Vaidean
  • Grete: Grazyna Fenger
  • Bärbel: Petra Stein
  • Herr Sesemann: Kostadin Arguirov
  • Klara Sesemann: Kristina Baran
  • Sebastian: Christian Most
  • Tinette: Gerit Ada Hammer / Sabine Jeschke
  • Dr. Kandidat: Stephan Biener / david Schroeder
  • Damen und Herren des Opernchores

 

Doppelbesetzung in alphabetischer Reihenfolge.

 

 

Premierenchronik

CH UA 23. Juli 2005 Seebühne, Walenstadt
D EA 8. Dezember 2006 Anhaltisches Theater, Dessau

 

 

Inhalt

"Zürich im Jahr 1880. Johanna Spyra leidet als Frau des Stadtschreibers unter den Zwängen der feinen Gesellschaft, der Lieblosigkeit ihres Ehemannes und der Gefühlskälte des sie umgehbenden Haushalts. Doch als ihr Sohn Bernhard erneut an Schwindsucht erkrankt, schreitet sie gegen seine Verlegung in ein Sanatorium ein und pflegt ihn gemeinsam mit der jungen Gesellschaftlerin Hedwig zu Hause. Hier beginnt sie, ihm die 'Heidi'-Geschichte zu erzählen: Das Waisenkind Heidi wird von seiner Tante zum Alpöhi, seinem sturen und menschenscheuen Großvater in eine Almhütte oberhalb Maienfelds gebracht. Heidi lebt in der Natur auf und erobert die Herzen von Großvater und Geißenpeter. Sie bringt den Alpöhi sogar dazu, ins gehasste Dörfli zu gehen und das Dach von Peters blinder Großmutter zu reparieren.

Im Hause Spyri beginnt sich der Gesundheitszustand von Bernhard zu bessern. Er entscheidet sich zur Fortsetzung seiner Studien in Leipzig und schmiedet mit Hedwig Hochzeitspläne. Johanna Spyri fällt der Abschied von ihrem Sohn sehr schwer und auch Heidis Glück dauert nicht an: sie wird schonungslos ihrem geliebten Umfeld entrissen und nach Frankfurt gebracht, um Klara, der gehbehinderten Tochter des Hauses Sesemann, eine Freundin zu sein. Dort ist das Naturkind, das das Herz auf der Zunge trägt, den Anstandsregeln, den Verboten und den Schlägen der Gouvernante Fräulein Rottenmeier ausgesetzt. Und auch Johanna Spyri erleidet erneut die Kälte ihrer Zürcher Umgebung. Sie widersetzt sich ihrem Mann und begegnet Heidi, ihrer Romanfigur. Sie führt sie auf einen Kirchturm, damit sie die Berge sehen kann. Aber da sind nur Türme und Dächer. Doch durch die Kraft der Phantasie hilft Johann Heidi, die Alpen zu sehen.

Heidi muss in Frankfurt Lesen, Schreiben und Stillsitzen lernen. Sie diktiert Klara einen Brief an den Alpöhi. Bernhard Spyri geht es wieder schlechter. Trotzdem diktiert er Hedwig einen beruhigenden Brief an seine Mutter. Der Alpöhi vermisst Heidi, Peter tröstet ihn mit der Erkenntnis, dass alles seinen Sinn hat. In Frankfurt unterdessen bekommt Heidi wieder Probleme. Sie schenkt Klara heimlich ein Kätzchen, das bei Fräulein Rottenmeier eine Tierhaarallergie hervorruft und wird von dieser des Diebstahls bezichtigt, weil sie für Peters zahnlose Großmutter weiche Brötchen gehortet hat.

Der todkranke Bernhard erreicht in letzter Minute Zürich. Wie Hedwig und Johanna ihn zur Gesundheit anspornen, so ermutigt Heidi Klara, zu laufen. Johanna muss ihrem Sohn versprechen, die 'Heidi'-Geschichte niederzuschreiben und Klara kann plötzlich selbstständig stehen. Herr Sesemann ist überglücklich über Klaras Heilung. Doch Bernard stirbt und Heidi wird krank vor Heimweh. Sie geistert nachts durchs Haus, erscheint Johanna Spyri und dem Alpöhi in der Phantasie und besänftigt sogar die Gefühle von Fräulein Rottenmeier. Hedwig erinnert Johanna an das Versprechen, das sie ihrem Sohn gab. Schließlich reicht Heidi ihrer Schöpferin den Stift. Johanna soll ihre Geschichte zu einem positiven Ende bringen. So schließt sich der Kreis mit einer überglücklichen nach Hause zurückkehrenden Heidi und einer tief bewegten Johanna Spyri. Glücklich, ihrem einzigen Kind den letzten Wunsch erfüllt zu haben, hält Johanna Spyri die erste druckfrischen Exemplare von 'Heidi' in den Händen."

(aus dem Programmheft der Dessauer Inszenierung)

 

Kritiken


"Die 'Heidi'-Erzählungen aus den Geschichten entstehen zu lassen, die Johanna Spyri ihrem tuberkulosekranken Sohn Bernhard erzählt, ist keine schlechte Idee - Literatur als Lebenshilfe und Überlebensmittel. Doch wenn die Mutter Bernhards Tod nur mit einem theatralischen Schrei quittiert, spürt man, das dem Komponisten Stephan Keeling für Leid und Trauer die musikalische Farben fehlen. Stattdessen gibt es immer wieder pathetische Streicher-Aufwallungen nach bewährtem Lloyd-Webber-Strickmuster."

Andreas Hauff: Heidi erobert wieder die Theaterbühnen - In Aachen und Dessau laufen zwei Bearbeitungen der beliebten Geschichte von Johanna Spyri. In: Rhein-Zeitun Koblenz / Mainz, 15. Dezember 2006.

 

"Es dauert nur wenige Sekunden, dann hat das Mädchen mit dem roten Kleidchen, der weißen Strickjacke und den langen Zöpfen die Herzen des Publikums erobert. Es singt, tanzt, nachtwandelt, jauchzt und weint auf der Bühne des Anhaltischen Theaters in Dessau - und bringt nach zweieinhalb Stunden selbst seine depressive Schöpferin wieder zum Lachen.

[...] Das Musical war zunächst auf Schweizerdeutsch zu sehen. Die Dessauer Fassung ist Hochdeutsch. Die Musik, die mitunter an die Werbung für die berühmte lila verpackte Schokolade erinnert, wurde für die 85 Mann starke Anhaltische Philharmonie neu arrangiert. Vor einer imposanten Bergmassiv-Kulisse und unter einem überdimensionalen Bergziegen-Mobile erklingen romantische und bisweilen kitschige Songs, die teils Volksliedern und teils Schlagern ähneln."

Sophia-Caroline Kosel: 'Heidi'-Musical auf Hochdeutsch - Deutsche Erstaufführung am Anhaltischen Theater Dessau. In: ZVS - Zeitungsverlag Schwerin, 11. Dezember 2006.

 

"Mit viel Aufwand und vielen Darstellern hat das Anhaltische Theater Dessau dies Stück auf seine große Bühne gestellt, wo es bis ins Jahr 2008 gespielt werden soll. Regisseurin Ana Christine Haffter sind dabei besonders die großen Tumultszenen hervorragend gelungen und die berührend emotionalen Szenen, vor allem die der Johanna Spyri. Das wunderbare Sextett im ersten Akt läßt sie hingegen nur etwas einfallslos vom Bühnenrand aus singen.

Um den trüben Seelenraum Johanna Spyris zu visualisieren schuf Stefani Klie ein großzügiges Wohnhaus, mit bedrohlich wirkenden, dunklen großen Türen / Eingängen (vier auf jeder Seite) auf zwei Ebenen. Requisiten wie das Krankenbett des Sohnes oder ein Stehpult werden jeweils herein geschoben."

Markus Gründig: Heidi - Anhaltisches Theater Dessau. In: Kulturfreak (ww.kulturfreak.de), Dezember 2006.

 

 

Empfohlene Zitierweise


"Heidi [Dessau]". In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. www.musicallexikon.eu 

Letzte inhaltliche Änderung: 10. Juli 2020.