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Bel ami

Musical


Musik von Peter Kreuder
Text von Therese Angeloff und Franz Gribitz
Nach dem Roman von Guy de Maupassant
Musikalische Bearbeitung von Karl-Heinz Hanicke

 


Inszenierung


DDR-Erstaufführung: 21. Dezember 1961
Operettentheater Dresden, DDR
 

  • Musikalische Leitung: Karl-Heinz Hanicke
  • Regie: Fritz Steiner
  • Ausstattung: Werner Schulz
  • Choreographie: Rudolf Klüver
  • Chöre: Siegfried Fischer


Besetzung:

  • Georges Duroy (Bel ami): Horst Schulze
  • Präsident Clermont, Besitzer der Zeitung "Vie Française": Richard Stamm
  • Adrienne, seine Frau: Helene Gramont
  • Susanne, beider Tochter: Hiltrud Eulitz
  • Forestier, Chefredakteur: Erich Bohne
  • Madeleine, seine Frau: Helma Reuter
  • Clotilde de Marelle: Anneliese Zänsler
  • La Cobra, Journalistin: Gardy Herzfeld
  • Potin, Journalist: Günther Peters
  • Laroche, Kolonialminister: Wolfgang Böttcher
  • Rachèl: Elsa Geiger
  • Margot: Ingeborg Kassner
  • Graf Latour: Walter Zoddel
  • Henri, sein Sohn: Gerd Stendel
  • Madame Croissant: Brigitte Göpfert
  • Woprschalek: Georg Wörtge
  • Polizeikommissar: Martin Kleber
  • Diener: Heinrich Hegner
  • 1. Zeitungsjunge: Gottfried Vietze
  • 2. Zeitungsjunge: Walter Eckert

 

 

Premierenchronik

A EA 27. Mai 1960 Raimund-Theater, Wien
DDR EA 21. Dezember 1961 Operettentheater, Dresden
D EA 12. September 1968 Theater am Worringer Platz, Düsseldorf



Inhaltsangabe


"Im Mittelpunkt der Handlung steht George Deroy, der ehemalige aus dem Militärgefängnis entflohene Unteroffizier. Wir sehen das Leben in Paris während der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Dem unbedeutenden, verschuldeten Unteroffizier öffnen sich die begehrten Herzen der Damen aus allen Kreisen, aber auch die Tore zu den oberen Gesellschaftsschichten des Staates. George Deroy scheint der geeignete Mann zu sein, den man mühelos vor seinen Karren spannen und mit einer jungen Witwe aus ´angesehenen Hause´ gefügig machen kann. Doch ´Bel ami´ erweist sich bald als gelehriger und begabter Schüler der Herren und Damen, denen er die Kastanien aus dem Feuer holen, deren Macht er stärken sollte. Er durchschaut ihre Machenschaften und beschließt, nunmehr ebenso zu handeln wie sie: 

´Ich war ein Spielball ihrer Launen,
nichts als ein kleiner Bel ami -
von heute an, Sie werden staunen,
mach ich es geradeso wie sie!´

So erleben wir die Karriere von George Deroy bis zu seiner Wahl zum Kolonialminister Frankreichs und seiner Abkehr vom Leben eines Bel ami. Es bleibt aber den vielen Angehörigen des weiblichen Geschlechts die Gewißheit und der Trost, daß die Bel amis nicht aussterben werden, sondern ewig weiter leben."

(Klaus Schnakenburg. Dramaturgie Staatsoperette Dresden, 21. Dezember 1961. Originaldokument im Stadtarchiv Dresden.)
 

 

Kritiken


"Seit Jahren schreibt und spricht alle Welt über Operette, leichte Form, Singspiel, Lustspiel mit Musik und - Musical -, wirft alles in einen Topf, um doch am Ende alles gehen zu lassen, wie es geht? Bisher war es bei jeder Geburt eines Kindes des leichten Genres stets so, daß die daran geknüpften Hoffnungen sich nicht erfüllten.

Und da setzt sich nun eine sehr kluge Frau an den Schreibtisch, nimmt sich Maupassants ´Bel ami´ vor, sieht an zwei alten Filmen gleichen Titels, wie man es nicht machen darf, und schreibt dann den Text eines - Musicals, eines echten Musicals, mit dem dieses Genre zum ersten Male auf einer unserer Bühnen erscheint.

[...] Die gefällige, schmissige und geistvolle Musik von Peter Kreuder geht in vielem, wenn auch nicht in allem, auf den Inhalt des Stückes und des Textes ein: Sie überzeugt da am meisten, wo sie mit Eleganz ironisiert wie zum Beispiel im Soldatensong. Das kleine Orchester (Rhythmusgruppe, Oboe, Gitarre) wurde mit Schwung und Temperament von Karl-Heinz Hanicke vorzüglich geleitet.

[...] Was sollen wir mehr loben - den sicheren Aufbau des Stückes, die geistvolle Dialogführung, die hervorragende Darstellung, die geschlossene Ensembleleistung, die reizende Musik oder die überzeugende Aussage? Keines ist hervorzuheben, denn alles paßte nahtlos zusammen und wurde so zu einem getreuen Spiegelbild der damaligen Zeit und der heutigen kapitalistischen Welt mit echter französischer Atmosphäre. Das Premierenpublikum dankte mit Beifallsstürmen, die kein Ende nehmen wollten."

A.K.: Bel ami - ein Musical und ein Riesenerfolg, Uraufführung im Staatlichen Operettentheater. In: Sächsische Neueste Nachrichten, 23. Dezember 1961.

 

"In dem Musical ist ein Höchstmaß an Treue gegenüber Maupassant gewahrt, der in seinem Roman ein Spiegelbild der korrupten herrschenden Kreise Frankreichs der dritten Republik um 1890 gibt, einer Welt der Karrieristen, Betrüger und Hochstapler aller Art. Die moralische Verwerflichkeit der reichwordenen Emporkömmlinge darzustellen, dieses gesellschaftliche Anliegen Maupassants kommt im Musical wieder zu Ehren. ´Es ist kein Zufall, daß das Musical von keiner Bühne Westdeutschlands bisher angenommen wurde. Zu offensichtlich gleichen die Handlung und Charaktere und die gesellschaftlichen Hintergründe des Buches der bundesrepublikanischen Wirklichkeit. In ´Bel Ami` ist überaus klar geschildert, wer an einem Kriege interessiert ist, wie man an einem Kriege verdienen kann und was man tun muß, um im Sinne der herrschenden Kreise ´gesellschaftsfähig´zu sein.´"

(ohne Namen): Musical "Bel ami" uraufgeführt. In: Norddeutsche Neueste Nachrichten (Rostock), 28. Dezember 1961.

 

"Nun wissen wir also aus eigener Anschauung, was ein Musical ist. Eine Gattung Musiktheater, für die aus Amerika der Name kam, der gebräuchlich wurde und wunder was zu versprechen schien. Aber: Nil novi sub sole, Nichts Neues unter der Sonne, diese Musicals sind nichts anderes als musikalische Lustspiele, d.h. ein Zwischending zwischen Sprech- und Musiktheater heiterer Art. [...]

Das gilt vom Text. Das gilt von der Musik. Vom Text: Die beiden Autoren haben den sozialkritischen Kern der Geschichte um Bel Ami herausgeschält, lenken den Blick auf Maupassant als den scharfen Kritiker der französischen Bourgeoisie und erbitterten Feind des Militarismus, und sie tun es auf eine höchst ergötzliche Weise. Die ganze Korruptheit des Pariser Groß- und Kleinbürgertums wird aufgedeckt, schonungslos werden Schiebungen und Bestechungen, Bereicherungen und Intrigen, Ehebrüche und Heiraten aus Berechnung als Blüten eines schier unbeschreiblichen Sumpfes dargestellt. Die Handlung läuft ohne konstruierte Winkelzüge ab. In Abweichung von der ursprünglichen Konzeption des Librettos bleibt Georges Duroy, genannt Bel Ami, bis zum Schluß ein Hasadeur, ein Filou, ein Erzgauner, seinen Gegenspielern gleich, von denen er gelernt hat, wie er sie betrügen kann. ´Sie waren ein guter Schüler´, wird ihm dann auch von einer der Frauen, die seine Steigbügelhalter auf dem Weg zum Erfolg waren, bestätigt. Für diese Konsequenz muß man dem Operettentheater dankbar sein. (Kritisch zu bemerken ist, daß die pazifistische Grundhaltung in dem ´Song vom Soldaten´ vordergründig bleibt und unzulässig verallgemeinert wird. Es geht doch eigentlich hier um den Söldner, der für seinen schmutzigen Sold andere Völker unterjocht. In der jetzigen Fassung wird diese notwendige Unterscheidung nicht sichtbar. Man sollte es verändern.)"

Karl Laux: "Bel Ami", Uraufführung im Operettentheater. In: Sächsische Zeitung, 31. Dezember 1961.

 

 

Medien / Publikationen


Audio-Aufnahmen

  • "Bel Ami". Musical-Comedy von Peter Kreuder, Die Originalbesetzung der deutschen Uraufführung. Peter Kraus als Bel Ami. EMI  SMC 74473 (1xLP)

 

Literatur

  • Guy de Maupassant: Bel Ami. Roman. Nach der ersten deutschen Gesamtausgabe unter Hinzuziehung der französischen Originalausgabe. Illustrierte Gesamtausgabe in zwölf Einzelbänden, Band 5, Rastatt: Moewig 1978. (EA 1885)
  • Peter Kreuder: Schön war die Zeit, Musik ist mein Leben. München: Kindler 1955.
  • Peter Kreuder: Nur Puppen haben keine Tränen, Ein Lebensbericht. Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe 1973.
  • Therese Angeloff: Meine Seele hat ein Holzbein, Ein Werdegang. München: Damnitz 1982.

 

 

Kommentar

 

1949 kam im Wiener Raimund-Theater eine Operette mit Musik von Rudolf Kattnigg zur Uraufführung, die ebenfalls "Bel Ami" zum Titel hatte, "Ami" jedoch großgeschrieben. Außer der selben Vorlage haben die Werke nichts miteinander zu tun.

Die Staatsoperette deklarierte ihre Inszenierung als "Uraufführung", weil in Wien 1960 ausschließlich Franz Gribitz das Buch geschrieben hatte, Therese Angeloff die Liedtexte. 

Die Produktion gilt als erstes Musical, das in der DDR zur Aufführung kam. Das Stück "Der Weiberheld", das erste originär deutschsprachige Werk mit der Gattungsbezeichnung "Musical" überhaupt, 1956 in Magdeburg uraufgeführt, war ein lokales Ereignis geblieben und vergessen worden.

Die Toneinspielung mit Peter Kraus nutzt ebenfalls die Bezeichnung "Uraufführung", gemeint ist allerdings "Erstaufführung".

 

 

Empfohlene Zitierweise


"Bel ami" (Dresden). In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. www.musicallexikon.eu

Letzte inhaltliche Änderung: 8. August 2020.