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Bel ami

Musical in 2 Akten (14 Bildern)


Musik von Peter Kreuder 
Orchestration von Ernst August
Buch von Franz Gribitz
Liedertexte von Therese Angeloff  
Nach dem gleichnamigen Roman von Guy de Maupassant

 

 

Inszenierung


Uraufführung: 27. Mai 1960  
Raimund-Theater, Wien, Österreich

  • Musikalische Leitung: Oswald Unterhauser
  • Regie: Wolf Harnisch / Peter Kreuder
  • Choreografie: Rein Este
  • Bühnenbild: Felix Smetana
  • Kostüm: Gerdago

 

Besetzung:  

  • Georges Duroy (Bel Ami): Johannes Heesters
  • Präsident Clermont, Besitzer der Zeitung "Vie Francaise": Adolf Böhmer
  • Adrienne, seine Frau: Marianne Schönauer
  • Suzanne, beider Tochter: Hannelore Cremer
  • Forestier, Chefredakteur: Hans Christian
  • Madeleine, seine Frau: Gretl Schörg
  • Clotilde de Marelle: Inge Karsten
  • La Cobra, Journalistin: Hilde Brauner
  • Potin, Journalist: Walter Bach
  • Laroche, Kolonialminister: Wolf Harnisch
  • Rachel: Elke Claudius
  • Graf Latour. Raoul Retzer
  • Henry, sein Sohn: Hans Fretzer
  • Fprst Popow Michailoff von Astrachan: Eduard Kautzner
  • Rittmeister Fritz von Trittwitz zu Itzenlitz: Paul Olmühl
  • Claire, Stubenmädchen: Edeltraud Lauda
  • Woprschalek: Rudolf Carl
  • Margot: Claudia Liebenwein
  • Butler: Hans Buchta
  • Institutsvorsteherin: Sylvia Schicht
  • Polizeikommissär Le Fort: Ferry Wondra
  • Polizeisergeant: Franz Fukatsch
  • Militärpolizist: Franz Semper

 

 

Premierenchronik

A EA 27. Mai 1960 Raimund-Theater, Wien
DDR EA 21. Dezember 1961 Operettentheater, Dresden
D EA 12. September 1968 Theater am Worringer Platz, Düsseldorf

 

 

Inhaltsangabe


"[D]ie amourösen Gaunereien dieses Erzfilous Georges Duroy, der aus seiner dunklen algerischen Soldatenvergangenheit über Nacht zum allmächtigen Pariser Salonlöwen wird und zwischen seinen übrigen Venusopfern so en passant noch Zeit findet, die Frau des im Duell gefallenen Forestier zu heiraten, sie an den Kolonialminister um den Preis des Portefeuilles abzutreten und schließlich mit der neunzehnjährigen Tochter Suzanne seiner Freundin Adrienne zum Traualtar zu gehen - Herrschaften, wenn das nichts hergibt! Man braucht nur zuzugreifen."

(aus: Fritz Skorzeny: Schöner Freund, wie hast du dich verändert!, Festwochenprominenz im Raimundtheater - Peter Kreuders Musical "Bel ami" uraufgeführt. In: Kurier, 29. Mai 1960.)

 

 

Kritiken

 
"Von dieser Festwochenpremiere des Raimundtheaters hatte man sich doch einiges erwartet. Immerhin handelte es sich um die Uraufführung eines Werkes von Peter Kreuder, dessen melodische Einfallskraft und musikalischer Geschmack eine Erfüllung auch anspruchsvollerer Wünsche zu gewährleisten schien. Im allgemeinen waren auch die Erfahrungen, die man in den letzten Jahren mit Musical-Aufführungen in Gumpendorf gemacht hat, durchaus günstig, so daß dieser neueste Sproß auf dem aus Amerika importierten und bei uns eingepflanzten Baum dieser an sich nicht reizlosen Gattung des musikalischen Unterhaltungstheaters neue Freunde gewinnen und ihr zur Ehre gereichen sollte. So glaubte man wenigstens. 

Leider jedoch gingen diese Wünsche nicht in Erfüllung. Das Buch von Franz Gribitz walzt die Handlung allzusehr aus, schon die Exposition hat gefährliche Längen, der Sektpfropfen knallt nicht und wenn die leichtgeschürzte Handlung endlich zu fließen beginnt, stellen sich bereits die ersten Ermüdungserscheinungen ein. Auch mit wirklichen Pointen ist das Buch nur sehr spärlich durchsetzt. Und den einstmals so berühmten Schlagerkomponisten Peter Kreuder ließ seine melodische Muse diesmal arg im Stich. Man wartet drei Stunden lang vergebens auf den zündenden Funken und wäre ihm nicht gram gewesen, wenn er etwa in einer wenig schmalzigen Flamme geleuchtet hätte. Doch auch das blieb aus. Es klingt bedenklich nach Routine, auch die paar Glanzlichter an musikalischer Charakterisierungskunst und bizarrer Ausdruckskraft vermögen diesen wenig glücklichen Gesamteindruck nicht zu zerstreuen."

Hellmuth Herrmann: Raimundtheater: "Bel ami" als Musical. In: Neues Österreich, 29. Mai 1960.

 

"Sollte sich Peter Kreuder tatsächlich den Mut bewahren, weitere Musicals zu schreiben, so bitten wir schon jetzt darum, nicht Wien zum Uraufführungsort zu wählen. Wenn er es schon nicht lassen kann und weiter daran denkt, gängige Themen schlecht, unangenehm, peinlich und geschmacklos zu verarbeiten, so möchten wir ihn doch sehr darum bitten, sich auch eine Stadt zu suchen, die ihm diese ´Musicals´ abnimmt. Wien hat ihm - nicht einmal ´Bel ami´ abgenommen. [...]

Witwen zum Beispiel, die einige Stunden nach dem Tode ihres Mannes frivole Liedchen singen, sind keine Zeiterscheinung, sondern ein Verstoß gegen den guten Geschmack. Unbeholfene Anspielungen auf politische Konflikte sind kein Beweis für Aktualität, sondern nur der Ausdruck billiger Effekthascherei. Stücke, die für bestimmte Darsteller geschrieben werden - und Kreuder betont, daß er an ´Bel ami´ noch bei den Proben ´gearbeitet´ hat - sollten nicht Anforderungen stellen, die diese Darsteller nicht mehr erfüllen können. Und - hiermit müssen wir nun aus Platzgründen unsere Aufzählung beschließen - einige verpatzte moderne Akkorde ersetzen weder die fehlenden musikalischen Einfälle noch die sogenannte musikalische Aktualität, die jedem der uns bekannten österreichischen Schlagerkomponisten eher bereitsteht als dem alten, anscheinend viel zu alten Routinier Peter Kreuder."

Franz Engler: Bitte nicht in Wien, Herr Kreuder!, Anmerkungen zur verunglückten "Bel ami"-Premiere. In: Illustrierte Kronenzeitung, 29. Mai 1960.

 

"Wir wollen nach dieser Uraufführung nicht wieder die alte Operette totsagen. Aber man wird sich entscheiden müssen. Entweder alten herzhaften Operettenunsinn und Operettensentimentalität - vielleichts geht´s noch. Oder modernes Musical mit realem Hintergrund, aus dem nun der musikalische Part die Unwirklichkeit, poetisch oder satirisch, hervorzaubert - das wäre das Ambitioniertere. Aber nicht beides vereint, nicht Maupassant und Gribitz. Keinen Pawlatschen-Bel-Ami. Nichts verträgt sich schlechter als Frivolität und Plumpheit, geistvolle Satire und Kalauer, tiefere Bedeutung und Operettenstumpfsinn.

Auch Peter Kreuder scheiterte an dem Griff nach den Sternen. Er versucht sich in einer ehrgeizigeren Orchestersprache, trachtete hörbar nach dem Kreuz der Ehrenlegion eines Neutöners, zumindest der Operette; merkwürdig und instruktiv, wie der harmloseste, nicht ganz und gar harmonische Akkord in der Partitur eines Unberufenen alsbald schauerlich falsch klingt. Um wieviel lieber war uns der alte unmoderne Kreuder, dem was einfiel. Zum melancholischen Überfluß vermochte auch der Dirigent Kreuder das Orchester nicht für den Komponisten sehr zu begeistern."

F.W.: Ein Pawlatschen-"Bel-Ami" im Raimundtheater. In: Arbeiter Zeitung, 29. Mai 1960.

 

 

Medien / Publikationen

 

Audio-Aufnahmen

  • "Bel Ami". Musical-Comedy von Peter Kreuder, Die Originalbesetzung der deutschen Uraufführung. Peter Kraus als Bel Ami. EMI  SMC 74473 (1xLP)

 

Literatur

  • Guy de Maupassant: Bel Ami. Roman. Nach der ersten deutschen Gesamtausgabe unter Hinzuziehung der französischen Originalausgabe. Illustrierte Gesamtausgabe in zwölf Einzelbänden, Band 5, Rastatt: Moewig 1978. (EA 1885)
  • Peter Kreuder: Schön war die Zeit, Musik ist mein Leben. München: Kindler 1955.
  • Peter Kreuder: Nur Puppen haben keine Tränen, Ein Lebensbericht. Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe 1973.
  • Therese Angeloff: Meine Seele hat ein Holzbein, Ein Werdegang. München: Damnitz 1982.

 

 

Kommentar

 
Die Uraufführung erfolgte im Rahmen der Wiener Festwochen.

1949 kam ebenfalls im Raimund-Theater eine Operette mit Musik von Rudolf Kattnigg zur Uraufführung, die ebenfalls "Bel Ami" zum Titel hatte, "Ami" jedoch großgeschrieben. Außer der selben Vorlage haben die Werke nichts miteinander zu tun.

 

 

Empfohlene Zitierweise

 
"Bel ami" [Wien]. In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. www.musicallexikon.eu

Letzte inhaltliche Änderung: 8. August 2020.