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Cats

Nach dem "Old Possum´s Book of Practical Cats" von T. S. Eliot


Musik von Andrew Lloyd Webber 
Text von T. S. Eliot
Ergänzende Texte von Trevor Nunn und Richard Stilgoe 
Deutsche Übersetzung von John Baer, Sabine Grohmann und Marc Henning 

 


Inszenierung


Deutsche Erstaufführung: 18. April 1986
Operettenhaus, Hamburg, Bundesrepublik Deutschland
 

  • Produzent: Friedrich Kurz
  • Regie: David Taylor (nach der Originalregie von Trevor Nunn)
  • Regieassistenz: Sabine Grohmann
  • Choreografie: Gillian Lynne, reproduziert von Jo-Anne Robinson
  • Assistenz: Lynnda Curry
  • Bühnendesign: John Napier
  • Lichtregie: David Hersey
  • Tonregie: Martin Levan
  • Kostüm-Leitung: Alison Todd
  • Musikalische Leitung: John Baer


Besetzung:

  • Munkustrap: Hartwig Rudolz
  • Jenny Fleckenfell / Pekie-Anführer: Karin Ploog
  • Demeter: Sabine Hettlich
  • Bombalurina: Charlotta Thorell
  • Jellylorum / Griddlebone: Nancy Nordine
  • Grizabella: Andrea Bögel
  • Der Rum Tum Tugger: Fred Butter
  • Bustopher Mürr / Pollicle-Anführer / Asparagus / Growltiger: Stephan Drakulich
  • Mungojerrie / 1. Pollicle / Dschingis: Steven Kadel
  • Rumpleteazer / 1. Pekie: Janette Froud
  • Old Deuteronomy: Walter Reynolds
  • Rumpus Katz / Alonzo: Erique Redd
  • Sillabub: Pauline Cooke 
  • Dschingis Mannschaft: Fred Butter, Paul Porter, Hartwig Rudolz, Paul Keller, Erique Redd 
  • Skimbleshanks: Paul Keller
  • Macavity: Eric Clausell
  • Mr. Mistoffelees: Paul Porter
  • Sonstiges Ensemble: Amanda Corbishley, Juca Dumont, Jutta Elenz, Morenike Fadayomi, Adam Horton, Hans Johansson, Eddie Jordan, Hans Langen, Ferdinand Lundahl, Iris Malow, Annette Mühlhaus, Denis Norton, Peter Prior, Sharlie Pryce, Sabine Schneebeli, Alan Stuart, Ulrich Talle, Barbara Wäldele, Jürgen Wallraff, John Wiseman

 

 

Premierenchronik

GB UA 11. Mai 1981 New London Theatre, London
USA EA 7. Oktober 1982 Winter Garden Theatre, New York
A Dspr. EA 24. September 1983 Theater an der Wien, Wien
D EA 18. April 1986 Operettenhaus, Hamburg
DDR EA 4. August 1987 Komische Oper, Berlin
CH EA 9. August 1991 Musical-Theater, Zürich


Die Erstaufführung in der DDR war ein 10-tägiges Gastspiel der Wiener Produktion anläßlich der 750-Jahr-Feier der Stadt Berlin.

 

 

Inhaltsangabe


Nachts irgendwo in London treffen sich die Katzen der Nachbarschaft zum alljährlichen Jellicle-Ball. Höhepunkt des Festes ist wie jedes Jahr die Wahl einer Katze, die in den Katzenhimmel aufgenommen wird und gleichzeitig ihre Wiedergeburt erleben darf. Nach und nach stellen sich die einzelnen Tiere ein, die höchst unterschiedliche Charaktere entfalten. Sie erzählen von sich, ihren Erlebnissen und Abenteuern, berichten von früher, als sie noch jung waren, oder von merkwürdigen Katzen, von denen man mehr hört als zu sehen bekommt.

Außenseiterin ist Grizabella, die einst ein berühmter Star war, doch inzwischen nur noch Lumpen trägt und ganz in ihre Erinnerungen gefangen ist. Old Deuteronomy, die allseits akzeptierte Autorität auf dem Ball, verkündet schließlich zur allgemeinen Überraschung, dass Grizabella die Auserwählte sei, die in den jenseitigen Sphären aufgenommen werde. Gemeinsam schweben sie auf einem alten Autoreifen in den Bühnenhimmel.

(Wolfgang Jansen, 2019)

 

 

Kritiken

 
"Nun sind die Katzen endlich aus dem Sack. Nach Wochen intensiver Voraus-PR waren die Erwartungen auf die ´Cats´ made in Hamburg auf eine kaum noch zu erfüllende Weise gespannt. [...]

Der Lichtregisseur David Hersey sammelte schon während der musikalisch eher belanglosen Ouvertüre Punkte. Genauso wie die Kostümbildnerin Allison Todd und natürlich der Designer des Original-Bühnenbilds John Napier - im Studio Hamburg gut nachgebaut. [...]

Der erste Teil ist enttäuschend. Die musikalischen Einfällt sind spärlich. Sie werden zudem bis zum Überdruß ausgereizt. Wären da nicht  noch die überzeugenden Choreographien von Gillian Lynne (von Jo-Anne Robinson für Hamburg reproduziert) - der Eindruck wäre trotz des bühnentechnischen Junkel-Funkels zu flau geblieben.

Doch nach der Pause wird mächtig aufgeholt. Die Einzelepisoden aus Eliots Lehrbuch für Katzenfreunde und die, die es werden wollen, haben mehr Biß, sind amüsanter und raffinierter. Auch Lloyd Webber scheint einen Musen-Schub gehabt zu haben. Seine Musik verliert von ihrer Eintönigkeit, nähert sich der literarischen Ironie Eliots und versetzt das Publikum sogar in gute Laune.

Mit seiner Opern-Parodie von Growltiger (Stephan Drakulich) und Griddlebone (Nancy Nordine) ist ihm ein wahres Kabinettstück gelungen. Regisseur David Taylor hat es genüßlich in Szene gesetzt. Auch er findet nach der Pause zu mehr Drive und Witz."

Joachim Kronsbein: Solide, technisch brillant, aber..., Die "Cats"-Premiere im Operettenhaus an der Reeperbahn. In: Hamburger Abendblatt, 19. April 1986.

 

"Zu den Momenten, an denen der Abend auf einmal ganz unangestrengt zu sich selbst findet, gehört die Szene, in der maunzend der Kater Macavity angesungen wird. Eigennamen kann man nicht übersetzen. Wer nichts anderes tut, als dies ´Macavity´ zweimal vor sich hin zu sagen, braucht keinen Anddrew Lloyd Webber mehr. Ohne Musik, nur durch Sprache, swingt er sich in einen bouncenden Blues.

Im übrigen verstand man sowieso kaum ein Wort. Das hatte zum einen mit der Technik zu tun, lag daran, daß der Sound über 20 Lautsprecher und noch recht provisorisch gemixt in den Saal dröhnte; daß ausgeruhte Stimmen hinter Bühne den singenden Tänzern, den tanzenden Sängern bei Atemnot vokal, nur leider selten ganz synchron, auf die Sprünge halfen. Es lag - und nun muß Schluß sein mit der Katzenfreundlichkeit - fast noch mehr an der haarsträubenden Besetzungspolitik der Katzen GmbH. Irgendwie hatte man, ganz hartgesottenes Ami-Management, vor der Öffentlichkeit eine Art ´Chorus Line´-Mythos aufgebaut; mit Vorsingen, Vortanzen, Vorsprechen in bundesrepublikanischen Städten und den erleichterten Tränen derer, die es geschafft haben. Ein Blick ins Programmheft lehrt, daß von den 22 Darstellern nur sechs in Deutschland geboren sind. Der Rest stammt fast ausschließlich aus dem Angelsächsischen, hat auf unserem Kontinent erste Erfahrungen gesammelt, bringt also einige Professionalität mit. Spürbar ist ein verzweifelter Enthusiasmus, unüberhörbar ein zentnerschwerer englischer Akzent. Das irritiert schon sehr, und mancher im Saal sehnt sich nach dem Original wie nach der eigenen Muttersprache."

Werner Burkhardt: Auf Katzenpfoten das Swingen lernen, Hamburger "Cats"-Premiere - exklusiv auf der Reeperbahn. In: Süddeutsche Zeitung, 21. April 1986.

 

 "Wer die Londoner, New Yorker oder die Wiener Aufführung von ´Cats´  gesehen hat (und gibt es denn überhaupt noch einen musical-zivilisierten Mitteleuropäer, der dieses Musical noch nicht gesehen hat?) wird der Hamburger Neuauflage bescheinigen, daß sie nicht weniger rasant und perfekt koordiniert über die Bretter stiebt. Allerdings versteht man von dem gegenüber Wien noch einmal revidierten Übersetzungstext noch immer allenfalls ein Drittel, trotz der makellos funktionierenden Verstärkungselektronik. Was man doppelt bedauert, da es sich immerhin um Gedichte von T. S. Eliot handelt.

Die bunt gemixte Hamburger Mannschaft der Katzen und Kater (es tritt kein einziger homo sapiens auf) macht ihre Sache vorzüglich, wenn es der Darstellerin der Grizabella leider auch an jeglichem Star-Charisma fehlt - und auch mit ihrer kratzig-rostigen Stimme ist es nicht allzuweit her. Doch sie beinträchtigen das Hamburger Katzenvergnügen nur minimal, das jedenfalls den legendären Ruf der Katzenmusik Lügen straft. Jetzt kann man den Hamburger Produzenten nur den Daumen halten, daß die investierten Millionen nicht für die Katz sein mögen, denn um schwarze Zahlen zu schreiben, muß die Supershow erst einmal zwei Jahre lang wöchendlich achtmal tausend Besucher ins Operettenhaus locken. Ob die sich alledings wie die Katzen vermehren werden?"

Horst Koegler: Katzen - liebenswürdiger als Menschen, Deutschland-Start des Musicals "Cats" im Hamburger Operettenhaus. In: Stuttgarter Zeitung, 21. April 1986.

 

 

Medien / Publikationen


Audio-Aufnahmen

  • Paul Nicholas: "Magical Mr. Mistoffelees", 1980, Polydor 2059 301, Seite 2: "Old Deuteronomy", (Vinyl/Single).
  • Elaine Paige: "Memory", 1981, Polydor 2059 364, Seite 2: "The Overture", (Vinyl/Single).
  • "Cats". Deutsche Originalaufnahme, Theater an der Wien, Studio-Aufnahme, Polydor Stereo 817 365-1, 1983 (1xLP)
  • "Cats". Deutsche Gesamtaufnahme aus dem Hamburger Operettenhaus, Live. Polydor, Stereo 831 092-1, 1986 (2xLP).
  • "Cats", Deutsche Originalaufnahme, Übernahme der Einspielung aus dem Theater an der Wien. AMIGA 8 56 158, Berlin (DDR) 1987. (1xLP)

 

DVD / Video 

  • "Cats". Aufzeichnung der britische Inszenierung, London 1998, Universal 902 5509 (2xDVD).

 

Literatur

  • T. S. Eliot: Old Possums Katzenbuch. (Englisch und Deutsch), Frankfurt/Main 1972. (EA 1939)
  • Andrew Lloyd Webber: Cats, The Book of the Musical. London: Faber & Faber  and The Really Useful Company 1981.
  • Peter Weck, Attila E. Lang: Cats in Wien, Die Geschichte eines Erfolges. Wien: Jugend und Volk 1985.
  • Peter Weck: Alles für die "Cats", Wie ein Musical entsteht. In: Joachim Sonderhoff, Peter Weck: Musical: Geschichte - Produktionen - Erfolge. Braunschweig: Westermann 1986, Seite 229-250.
  • Michael Walsh: Andrew Lloyd Webber, Der erfolgreichste Komponist unserer Zeit. Mainz: Schott 1994. 
  • Friedrich Kurz (mit Marcus Mockler): Der Musical-Mann, Ein steiler Aufstieg, ein tiefer Fall und eine Begegnung mit Gott, die alles veränderte. Autobiografie. Asslar: Gerth Medien 2010.

 

 

Kommentar


Aufgrund der langen Spielzeit der Produktion gibt es zahllose Programmhefte, die zeitlich kaum verlässlich einzuordnen sind. Die Besetzung wurde daher vom Cover der LP "Deutsche Gesamtaufnahme aus dem Hamburger Operettenhaus" von 1986 genommen.

 

 

Empfohlene Zitierweise

 
"Cats" (Hamburg). In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. www.musicallexikon.eu

Letzte inhaltliche Änderung: 19. Juli 2020.