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The Book Of Mormon

Musical


Book, Music and Lyrics von Trey Parker, Robert Lopez und Matt Stone

 

 

Inszenierung


Deutsche Erstaufführung (in Engl.): 7. November 2019
Musical Dome, Köln, Bundesrepublik Deutschland

 

  • Musikalische Leitung: Colm O'Regan
  • Regie: Casey Nicholaw, Trey Parker
  • Bühnenbild: Scott Pask
  • Kostüme: Ann Roth
  • Licht: Brian Mac Devitt
  • Ton: Brian Ronan
  • Choreographie: Casey Nicholaw

 

Besetzung:  

  • Moroni / Elder McKinles: Will Hawksworth
  • Elder Price: Kevin Clay
  • Elder Cunningham: Conner Peirson
  • Prices's Dad / Joseph Smith / Mission President: Jonathan Tweedie
  • Mrs. Brown: M-Jae Cleopatra Isaac
  • Guards: Jemal Felix, Lukin Simmonds
  • Mufala Hatimbi: Ewen Cummins
  • Nabulungi: Nicole-Lily Baisden
  • General: Thomas Vernal
  • Doctor: Tre Copeland-Williams
  • Ensemble: Jed Berry, Melissa Brown-Taylor, Chinasa, George Crawford, Jordan Lee Davies, Isaac Hesketh, Alex James-Hatton, Fergal McGoff, Lukin Simmonds, Chomba S. Taulo, Sharon Wattis

 

 

Premierenchronik

USA UA 24. März 2011 Eugene O'Neill Theatre, New York
GB EA 21. März 2013 Prince of Wales Theatre, London
D EA (i.Engl.) 7. November 2019 Musical Dome, Köln


Die britische Erstaufführung war zugleich die Europäische Erstaufführung. Die deutsche Erstaufführung war ein Gastspiel im Rahmen einer UK- und Europatournee.

 

 

Book of Mormon, Foto 01, Photo by Paul Coltas

Photo by Paul Coltas

 

 

Inhaltsangabe


"Prolog: Vor langer, langer Zeit im heutigen US-Bundesstaat New York...

Wir erfahren, dass ein jüdischer Prophet namens Mormon die Geschichte seines Volkes auf goldenen Tafeln niederschrieb und sie seinem Sohn Moroni gab, der sie vergrub. 1823 werden diese Tafeln von Joseph Smith wiederentdeckt, der dies zum Anlass nimmt, eine neue Religionsgemeinschaft zu gründen, deren Mitgliederzahl seither rasant wächst.

1. Akt. Trainingszentrum der Missionare und Flughafen, Salt Lake City, Utah, heute.

Im Trainingszentrum der Missionare in Salt Lake City üben die jungen Mormonen für ihre anstehende Missionstätigkeit. Der streberhafte Elder Price demonstriert seinen Studienkollegen die richtige Klingeltechnik (Hello!). Nur der übereifrige Elder Cunningham hat Schwierigkeiten mit der korrekten Begrüßung. Voller Spannung erwarten alle die Entscheidung, in welchem Land und mit wem zusammen sie missionieren werden. Elder Price betet insgeheim darum, nach Orlando, Florida, zu gehen. Doch zu seiner großen Enttäuschung wird er zusammen mit Elder Cunningam nach Uganda geschickt (Two by Two).

Elder Price und Elder Cunningham verabschieden sich am Flughafen von ihren Familien. Elder Price ist hoch motiviert und sieht sich zu Außergewöhnlichem bestimmt. Elder Cunningham hingegen ist einfach froh, nun endlich einen besten Freund an seiner Seite zu haben. Zusammen wollen sie die Welt verändern (You and me [but mostly me]).

Kitguli, ein kleines Dorf im nördlichen Uganda.

Gleich nach ihrer Ankunft werden Elder Price und Elder Cunningham von bewaffneten Milizen überfallen und ausgeraubt. Ihr einheimischer Kontaktmann Mafala Hatimbi erklärt ihnen, wie die Ungander ihren von Krankheit und Gewalt geprägten Alltag bewältigen: Sie verschaffen sich Erleichterung, indem sie Gott beschimpfen (Hasa Diga Eebowai). Mafalas Tochter Nabulungi bringt die beiden irritierten Mormonen zu ihrer Unterkunft, wo sie die anderen Missionare treffen. Schockiert müssen sie feststellen, dass es diesen bisher nicht gelungen ist, auch nur einen einzigen Dorfbewohner zu bekehren. Elder McKinnley, der Anführer der Missionare, legt den beiden Neuankömmlingen eine besondere Bewältigungsstrategie ans Herz: negative Gedanken und Gefühle einfach ausschalten (Turn it off)! Völlig erschöpft fallen Elder Price und Elder Cunningham abends ins Bett (I am here for you).

Am nächsten Tag machen sie sich voller Energie und Tatendrang daran, die Dorfbewohner zu missionieren. Doch wie soll das gelingen, wenn die Hütten im Dorf nicht einmal eine Türklingel haben? Also erzählt Elder Price sehr anschaulich die Geschichte des Mormonen-Religionsgründers Joseph Smith (All-American Prophet). Die Dorfbewohner aber bleiben unbeeindruckt von den Versprechungen der Missionare. Dann gesteht Elder Cunningham auch noch, dass er das Buch Mormon noch nie gelesen hat - es war ihm zu langweilig.

Plötzlich kommt der örtliche War-Lord (genannt der General) ins Dorf und verlangt die Beschneidung aller weiblichen Dorfbewohner. Mafala bringt seine Tochter Nabulungi noch rechtzeitig in Sicherheit. Alleine in ihrem Zimmer beginnt Nabulungi von jenem besseren Leben in der Heimatstadt der Mormonen zu träumen, dass die Missionare ihr beschrieben haben (Sal Tlay Ka Siti). In der Missionsunterkunft sind währenddessen alle in heller Aufregung. Der Missionspräsident hat einen Bericht über die Fortschritte angefragt - doch die Missionare haben bislang noch niemanden getauft! Schlimmer noch: Nachdem Elder Price Zeuge eines kaltblütigen Mordes wurde, hat er endgültig genug. Er will nur noch weg aus Afrika. Elder Cunningham versucht ihn noch aufzuhalten, doch ohne Erfolg. Traurig und allein bleibt Elder Cunningham zurück - da trifft er Nabulungi. Sie erzählt ihm, dass sie die übrigen Bewohner überzeugen konnte, den Mormonen nun endlich richtig zuzuhören. Elder Cunningham schöpft neues Selbstvertrauen (Man up).

2. Akt. Zurück in altertümlicher Zeit, im heutigen US-Bundesstaat New York.

Joseph Smith hat soeben in seinem Garten die goldenen Tafeln entdeckt, die zur Grundlage für das Buch Mormon werden - doch wovon handelt das Buch Mormon eigentlich?

Zurück im heutigen Uganda

Die Erklärungsversuche zu genau dieser Frage bringen Elder Cunningham in die Bredouille: er hat das Buch nie gelesen und seine Zuhörer wirken zunehmend gelangweilt - hat doch das Buch Mormon so gar nichts mit ihrer Lebenswirklichkeit zu tun. Um seine Zuhörer bei der Stange zu halten, lässt Elder Cunningham ihre Alltagssorgen zusammen mit allerlei Geschichten aus Science-Fiction- und Fantasy-Filmen in den heiligen Text einfließen (Making things up again). Und oh Wunder: es funktioniert. Sein Publikum lauscht wie gebannt und die Menschen schöpfen Hoffnung. Doch Elder Cunningham quälen Schuldgefühle durch seine Lügen.

Auch Elder Price hat ein schlechtes Gewissen, das ihm einen schrecklichen Alptraum beschert, während er erschöpft an der Bushaltestelle einschläft: anstatt in Orlando landet er geradewegs in der Hölle und muss sich von Jesus, Satan, Hitler und Dschingis Khan anhören, was für ein schlechter Missionspartner er ist (Spooky Mormon Hell Dream). Das sitzt! Nach dem Aufwachen entschließt er sich, doch in Uganda zu bleiben. Elder Cunningham berichtet unterdessen von seinem Erfolg. Er hat die Dorfbewohner bekehrt! Die übrigen Missionare schöpfen neue Hoffnung. Doch noch ist die Gefahr durch den mörderischen General nicht gebannt. Von neuem Missionarseifer erfüllt beschließt Elder Price diesen aufzusuchen und ebenfalls zum mormonischen Glauben zu bekehren (I believe). Das geht jedoch völlig schief.

Nabulungi lässt sich von Elder Cunningham taufen (Baptize Me) und die übrigen Dorfbewohner folgen ihrem Beispiel. Die Mormonen-Missionare fühlen sich nun mit dem ehemals fremden Kontinent sehr vertraut (I am Africa).

Währenddessen erholt sich der mittlerweile völlig desillusionierte Elder Price von seinem Zusammentreffen mit dem General. Er hat doch alles immer nur richtig machen wollen und war einst der Star unter den Jung-Missionaren - doch jetzt soll Elder Cunningham für seine Verdienste sogar eine Medaille vom Missionspräsidenten erhalten! Elder Cunningham überredet den mürrischen Elder Price, den Schein beim anstehenden Besuch des Missionspräsidenten dennoch zu wahren. Zu Ehren dieses Besuchs führen die frisch getauften Dorfbewohner die Geschichte von Joseph Smith auf - dabei wird allerdings klar, dass ihnen Elder Cunningham eine völlig verdrehte Version der Mormonen-Religion vermittelt hat (Joseph Smith American Moses). Der Míssionspräsident ist außer sich und will die Missionsstation sofort schließen.

Die Dorfbewohner, allen voran Nabulungi, sind zutiefst verletzt, als sie von Elder Cunninghams Lügen erfahren. Elder Price und Elder Cunningham erkennen jedoch, dass es den Dorfbewohnern trotz allem mit ihrer Aufführung gelungen ist, ihre Ängste und Sorgen zu vergessen. Um ihr Vertrauen wieder zu gewinnen, begeben sich Elder Privce und Elder Cunningham auf eine letzte Mission: Gemeinsam stellen sie sich unerschrocken gegen den General, um das Dorf zu retten. Und es gelingt! Nach diesem Erfolg beschließen die Mormonen-Missionare und die Dorfbewohner, diesen Ort zu ihrem neuen Paradies zu machen, mit ihrer eigenen Version der Mormonen-Religion - schließlich sind sie nun alle "Heilige der Letzten Tage" (Tomorrow Is a Latter Day)!"

(Programmheft-Beilage der BB Promotion zur deutschen Erstaufführung) 

 

 

Book of Mormon, Foto 08, Photo by Paul Coltas

Photo by Paul Coltas

 

 

Kritiken

 
"Früher wäre aus so einer Ausganssituation eine echte Klamotte geworden - mit Scherzchen so flach, wie die Hamburger Tiefebene. Parker und Stone dagegen hauen mit dem ihnen eigenen bösen, politisch völlig unkorrekten Humor auf alles ein. Gnadenlos, blasphemisch, oft am Rande des guten Geschmacks, manchmal auch knapp darunter. Homosexualität, Aids, ein irrer Warlord, beschnittene Frauen, vor allem aber die zugegeben etwas krude Religion der Mormonen - dem South-Park-Machern ist nichts heilig. Verpackt hat das der mit Oscar und Tony prämierte Komponist Robert Lopez in eine Musical-Show, die stark an Broaway-Produktionen der 1930er und -40er erinnert - Tap Dance und Chorus Line inklusive. Auf Swing folgt Disco und nach einer Ballade im Lloyd-Webber-Stil weckt ´Hasa diga eebowai´ Erinnerungen an ´Hakuna Matada´. Bis man merkt, dass hier - anders als im ´König der Löwen´ - nicht in Ordnung ist, sondern entspannt, aber bitterböse auf Gott geschimpft wird. [...] Nichts für Kinder, ungeeignet für Zartbesaitete, kaum zu verstehen, wenn man nicht einigermaßen Englisch versteht. Wer das allerdings tut und eine Prise South-Park-Humor besitzt, wird vom Buch der Mormonen sehr gut unterhalten. Im Grunde ist diese Show ein Musical für alle, die Musicals eigentlich nicht wirklich mögen." 

Andreas Böhme: Böse Scherze in bunter Verpackung, "The Book of Mormon" kommt nach Köln. Eine der erfolgreichsten Shows der Welt ist ein Musical für alle, die eigentlich kein Musical mögen. In: Westfälische Rundschau, Nr. 251, 29. Oktober 2019.


"Das Publikum besteht aus zwei Fraktionen. Die eine trägt T-Shirts mit der Aufschrift ´Hasa Diga Eebowei´, birst bereits schon vor dem nächsten Gag vor Lachen und begrüßt jeden Song mit entzückten Jauchzern. Die anderen sind eher offen für Neues und tasten sich langsam ran an ´The Book of Mormon´, das von Mormonen gestern und heute handelt und von der New York Times zum besten Musical des Jahrhunderts gekürt wurde. [...] Der Broadway-Blockbuster der ´South Park´-Schöpfer Rey Parker und Matt Stone sowie des Komponisten Robert Lopez punktet durch etliche Songs mit Ohrwurmqualität, eine tolle Hauptdarstellerin (Nicole-Lily Baisden als idealistische Dorfschönheit Nabulungi) und Wortwitz. Dafür, um zu verstehen, was frustrierte Mormonen tun, wenn sie zwölf Tassen Kaffee trinken (sich die Kante geben) oder was ´Hasa Diga Eebowei´ bedeutet (Lieber Gott, du kannst mich mal) muss man tiefer in die Materie eintauchen."

Susanne Schramm: Das schönste "Ding-Dong", Das Musical "The Book of Mormon" punktet in Köln mit Songs und Wortwitz. In: Westfälische Rundschau, Nr. 260, 9. November 2019.

 

"Mit einem pausenlosen Gag-Feuerwerk und eingängigen Songs, die Broadway-Sound, Pop und afrikanische Klänge kombinieren, unterhält ´The Book of Mormon´ auf hohem Niveau und zeigt, was das Genre leisten kann, wenn alle Gewerke perfekt zusammenspielen. Dass das Stück in Köln in englischer Sprache (ohne Obertitel) aufgeführt wurde, tat dem Spaß dabei keinen Abbruch, im Gegenteil: Für jeden Übersetzer dürfte dieses an Wortwitz so reiche Musical eine ziemliche Herausforderung darstellen. [...] Kevin Clay (Elder Price) und Conner Peirson (Elder Cunningham) spielten ihre Rollen bereits am Broadway sowie auf US-Tournee. Beide haben ihre Figuren entsprechend verinnerlicht: Clay ist zunächst in seiner Ambition, etwas Besonderes und immer der Beste sein zu wollen, auf anziehende Weise unsympathisch; am Ende ist er es jedoch, der die Situation zum Positiven wenden kann, als der Schwindel seines Partners auffliegt, und sich sogar mutig gegen den tyrannischen Warlord General Butt-Fucking Naked (imposant dargestellt von Thomas Vernal) auflehnt, um das Dorf zu retten. Peirson macht aus Cunningham trotz aller nervigen Eigenheiten den Sympathieträger des Abends, der mit ungebremster Energie und perfektem komödiantischem Timing die besten Lacher auf seiner Seite hat." 

Mario Stork: The Book of Mormon, Ein pausenloses Gag-Feuerwerk. In: musicals, Das Musicalmagazin, Heft 200, Dezember 2019 / Januar 2020, Seite 53-54.

 

 

Medien / Publikationen


Audio-Aufnahmen

  • "The Book of Mormon". Original Broadway Cast Recording, Ghostlight 2011, 7 91448 44482 7. (1xCD)

 

Literatur

  • Das Buch Mormon, Ein Bericht, geschrieben von der Hand Mormons auf Platten. Von den Platten ins Englische übersetzt von Joseph Smith jun., Hrsg.: Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, Elfte deutsche Auflage, 1955.

 

 

Empfohlene Zitierweise

 
"The Book of Mormon". In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. www.musicallexikon.eu

Letzte inhaltliche Änderung: 13. Juli 2020.